Freitag, 24. Juni 2016

Mit Mut die Konsequenzen ziehen

Erstes Austauschforum zur Bistumssynode mit 200 Teilnehmenden

Eppelborn – Nach dem Abschluss der Synode geht es im Bistum derzeit darum, die Ergebnisse, festgehalten im Abschlussdokument, vorzustellen und die Umsetzung voran zu bringen. Eine „entscheidende Schnittstelle“ nannte Weihbischof Robert Brahm diesen Moment. Es komme jetzt darauf an, den weiteren Weg der Kirche im Bistum mit zu gestalten und eigene Ideen in die Umsetzung einzubringen. Brahm sagte das zur Begrüßung zum ersten „Austauschforum Synode“ am 24. Juni in Eppelborn vor rund 200 Seelsorgerinnen und Seelsorgern sowie leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Beratungsstellen, der Kindergärten, der Erwachsenenbildung, der Caritas, der Familienbildungsstätten und der Schulen im Saarland. Diese breite Vertretung aus den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Kirche markiere auch den Anfang eines gemeinsamen Weges, so wie es die Synode beschlossen habe.

Bischof Dr. Stephan Ackermann stellte das Abschlussdokument der Synode vor. Das seien „kräftige Linien“ für eine gemeinsame Vision für das Bistum Trier. „Jetzt braucht es Mut, auch die Konsequenzen zu ziehen, aus dem was wir erkannt haben“, sagte Ackermann mit Bezug auf die von der Synode beschlossenen „Perspektivwechsel“ für das kirchliche Leben. Diese Perspektivwechsel seien „das Entscheidende“, weil sie auf Haltungsänderungen zielten. Das sei anspruchsvoller als nur Strukturen zu verändern. Perspektivwechsel, das klinge nach „Umkehr“ und es stelle sich die Frage, ob die Kirche im Bistum Trier dazu bereit sei.

Mit „Vom Einzelnen her denken“, stellte Ackermann die erste grundsätzliche Veränderung vor. Das sei etwas völlig anderes als „für den Einzelnen zu denken“, wie es oft Praxis der Seelsorge sei. In dem Wechsel liege „viel Sprengstoff“ und er bedeute viel Arbeit und die Bereitschaft, sich „ohne Schubladendenken auf Situationen einzulassen.“ Vom Anderen her denken heiße, „das Heiligtum des Gewissens der anderen Person respektieren“. „Charismen vor Aufgaben“, der zweite Perspektivwechsel verlange, genau hinzuschauen und zu fragen, was der Beitrag des Einzelnen zur Gemeinschaft sein könne. Dabei gelte es, auch die Beiträge von Menschen wertzuschätzen, die sich nur teilweise mit der Kirche identifizieren.

Der nach der Synode bereits oft diskutierte Perspektivwechsel zur Einrichtung „weiter pastoraler Räume“ und zur Verankerung „netzwerkartiger Kooperation“ bedeute nicht die Schaffung „kalter pastoraler Räume“, betonte Ackermann. Gemeint sei ein gemeinsames Denken in großen Zusammenhängen „statt im Klein-Klein zu verbleiben“. Es gelte, sich in territorial großen Räumen so zu vernetzen, dass unterschiedliche kirchliche Angebote vor Ort entstehen. Dieser Perspektivwechsel löse derzeit „jede Menge Ängste“ aus, gestand Bischof Ackermann zu. Es sei deshalb wichtig, die Chancen und Entlastungen dieses Beschlusses heraus zu arbeiten.

Der vierte Perspektivwechsel, „Das Synodale Prinzip bistumsweit leben“ bedeute auch, die Freude der Synode am gemeinsamen Kirchesein für das ganze Bistum erlebbar zu machen. Insgesamt, so stellte Bischof Ackermann fest, gehe nun darum, eine gemeinsame Interpretation der Perspektivwechsel zu entwickeln.

In zwei Runden diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Austauschforum in Kleingruppen zu den Synodenergebnissen und ihre Erfahrungen. In einer abschließenden Podiumsrunde mit Fernsehjournalist Christian Otterbach kamen einige der geäußerten Chancen und Bedenken zur Sprache. So wurde eingefordert, dass man sich zuerst selbst verändern müsse, bevor man andere überzeugen könne, ihre Haltung zu ändern. Das aber müsse sein, damit es bei den anstehenden Veränderungen wirklich um Inhalte und nicht doch wieder um Strukturen gehe. Vorgeschlagen wurde auch, mit den Menschen für die größeren pastoralen Räumen eine Vision zu entwickeln, um eine Vorstellung zu den vorgeschlagenen Netzwerken zu ermöglichen.

Kritisiert wurde, dass im Beschluss der Synode „viel Ideologie“ stecke. Ein Beitrag macht deutlich, dass hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ängste haben, weil sie nicht wüssten, wo es hingehe. Zur Umsetzung der Synode brauche es eine klare und verständliche Sprache, wolle man vor Ort verdeutlichen, was die Perspektivwechsel bedeuten, war eine weitere kritische Anregung.

Bischof Ackermann betonte, es sei wichtig, bei der jetzt beginnenden Umsetzung der Synode aufeinander zu hören und achtsam zu sein. Es selbst habe keinen „Masterplan in der Tasche“, aber er werde darauf achten, dass die Umsetzung nicht ein “bloßer neuer Strukturprozess“ werde. Dabei mache er nicht mit.

Live aus dem "Big Eppel" berichtet haben Ernst Mettlach und Stefan Weinert - ihre Tweets finden Sie hier