Donnerstag, 10. September 2015

„Mutig und zäh“

Jugendliche „peer guides“ führen durch Anne-Frank-Ausstellung in Schweich

Schweich  –  15 Jahre war sie erst alt, als sie starb. Nachdem sie über zwei Jahre in einem Versteck in Amsterdam ausharrte, starb Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr Tagebuch erzählt noch heute ihre Geschichte. 70 Jahre nach dem Tod Annes befasst sich eine Ausstellung in Schweich mit der Jugendlichen. Vom 21. September bis 10. Oktober können alle Interessierten die Ausstellung in der Alten Synagoge in Schweich besichtigen. Und wer wäre besser geeignet, die Geschichte einer Jugendlichen zu erzählen, als junge Menschen? Insgesamt 28 sogenannte Peer-Guides – Schülerinnen und Schüler ab 13 Jahren aus sechs verschiedenen Schulen – führen die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung.

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich da mitmache“, sagt die 18-jährige Lisa aus Sirzenich vom Friedrich-Spee-Gymasium (FSG) Trier-Ehrang. Durch Anne Franks Tagebuch könne man Geschichte anders lernen. „Man erlebt, wie ein Mädchen zu der Zeit sich gefühlt hat“, sagt Lisa. „Es gibt einen Bezug zu ihr.“ Die Geschichte Annes zeige, wie grauenhaft der Menschenhass in der Zeit des Nationalsozialismus war. „Es zeigt, dass so etwas nie wieder passieren darf.“ So sieht es auch die 15-jährige Maren aus Sirzenich vom FSG. „Die Geschichte Annes ist nicht nur Vergangenheit“, sagt sie. Es gebe auch eine Botschaft für heute. „Sie erzählt uns etwas über Diskriminierung“, erklärt Maren. Etwa, wenn Leute ausgeschlossen werden. Und auch die Art und Weise, wie aktuell Flüchtlinge willkommen geheißen werden können. „Auch Anne war ein Flüchtling“, erklärt der 15-jährige Markus aus Schweich vom dortigen Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Er selbst sei geschichtlich sehr interessiert. „Und ich will das, was ich weiß gerne anderen vermitteln.“  Anne sei „einfach ein normales Mädchen“ gewesen, sagt der 14-jährige Damian aus Geisfeld vom Gymnasium Hermeskeil. Dies sehe er etwa dadurch, dass sie auch von den Konflikten in der engen Wohnsituation berichtet. Und Annes Tagesbuch zeige auch, „dass es nicht selbstverständlich ist, dass es uns heute so gut geht“, erklärt Damian. „Und wenn die Schulklassen, die wir führen, dies von uns und nicht von Erwachsenen vermittelt bekommen, dann ist das auch etwas anderes“, findet der 15-jährige Simon aus Gusenburg vom Gymnasium Hermeskeil. Er hält Anne für eine sehr starke Persönlichkeit, von der er gerne berichtet. „Es ist ein wichtiges Thema“, erklärt auch der 15-jährige Robin vom Stefan-Andres-Gymnasium Schweich. „Mutig und zäh“ sei Anne gewesen. Ein Vorbild. Und gleichzeitig eine Mahnung. „So etwas darf nicht noch mal passieren“, sagt er über die Zeit des Nationalsozialismus. „Und das geht nur, wenn man es im Gedächtnis behält.“

„Die Jugendlichen haben bereits schon sehr viel Wissen über Anne Frank mitgebracht“, sagt Maria Koob vom Dekanat Schweich-Welschbillig, das die Ausstellung trägt. Durch die Mitarbeit der jungen Menschen könnte Schulklassen und anderen Besucherinnen und Besuchern viel mehr als „eine abstrakte Vergangenheit“ gezeigt werden. Sie könnten vielmehr gemeinsam die Geschichte Annes erleben. Die Führung beinhaltet auch einen offenen Dialog, bei dem die Jugendlichen mit den Besuchern ins Gespräch treten. „Es ist einfach eine Kommunikation auf Augenhöhe“, sagt Koob. Und sie könnten das, was ihnen selbst wichtig geworden ist, weitergeben.

Weitere Informationen unter: www.deine-anne-in-schweich.de