Freitag, 7. April 2017

Prävention bleibt Auftrag

Halbzeitbilanz der Fachstelle Kinder- und Jugendschutz

Trier– Auf zehn Jahre ist sie angelegt, die Arbeit der „Fachstelle Kinder- und Jugendschutz“ im Bistum Trier. Am 13. März 2012 hatte Bischof Dr. Stephan Ackermann die Stelle eingerichtet – Zeit also für eine „Halbzeitbilanz“.

Dr. Yvonne Russell erinnert sich an die Anfänge. Begonnen habe alles „mit einem Schock“, ausgelöst durch die ersten öffentlichen Meldungen über Fälle von sexualisierter Gewalt im Jahr 2010. Nur wenige Wochen später übernahm Bischof Stephan Ackermann die Aufgabe als „Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs“, eine Hotline für die Opfer von sexualisierter Gewalt wurde eingerichtet, die Präventionsordnung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im September des gleichen Jahres veröffentlicht. Russell war seit dem Frühjahr 2011 zusammen mit Dr. Andreas Zimmer Präventionsbeauftrage. Ein Ergebnis ihrer Arbeit war die Gründung der Fachstelle als einer direkt dem Generalvikar zugeordneten Stabsstelle. Heute, betont Russell, komme ihr die Arbeit der Fachstelle für Kinder- und Jugendschutz „wie selbstverständlich vor, so als hätte es sie schon immer gegeben“.

Im Sinne der Präventionsordnung der DBK ist die Fachstelle „Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch“. Sie bietet Fachberatungen und Schulungen an und koordiniert die Arbeit der Fachgruppe Prävention. Von 2012 bis 2016 haben sich rund 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums durch Basis- und Leitungsschulungen fortgebildet. Schulungen für Multiplikatoren oder Ombudspersonen wurden für Vertreter der Krankenhäuser, Altenheime und Behinderteneinrichtungen konzipiert und durchgeführt. Diese Bereiche kamen nach der Überarbeitung der Präventionsordnung 2013 als neue Aufgaben dazu: Sie richten den Blick auf den besonderen Schutz für die erwachsenen Schutzbefohlenen. Insgesamt 187 Schulungen richteten sich an alle Bereiche des Bistums, von der Verwaltung über Schulen und Kindertagesstätten bis zu den Fachstellen, Familienbildungsstätten und zum pastoralen Personal. Auch bistumsübergreifend werde das Angebot der Fachstelle nachgefragt, betont Birgit Wald, Leiterin der Fachstelle.

Dem Arbeitsbereich Prävention ist das Kirchliche Notariat angeschlossen. Ihm obliegen Sichtung, Dokumentation und Verwaltung der erweiterten Führungszeugnisse (EFZ), die kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemäß der Präventionsordnung vorzulegen haben. Aktuell verwaltet das Kirchliche Notariat rund 15.000 erweiterte Führungszeugnisse – zwei Drittel davon von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

An noch ausstehenden Aufgaben nennt der heutige Präventionsbeauftragte des Bistums, Andreas Zimmer, unter anderem die Fortführung der Schulungen. Beabsichtigt sei, Personen ausdrücklich damit zu beauftragen, das Thema Prävention in den Einrichtungen lebendig zu halten. Präventive Maßnahmen sollen in allen Einrichtungen etabliert werden, in denen sich Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene aufhalten. Zimmer betont: „Präventionsarbeit bleibt ein Dauerauftrag.“               

Bei der Gründung der Fachstelle im Jahr 2012 hatte Bischof Ackermann betont, dass die Fachstelle ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer „Kultur der Achtsamkeit“ sei. „Wir wollen eine Veränderung von Sicht- und Denkweisen, von Einstellungen.“ In den kommenden Jahren werden neben den fortlaufenden Schulungen für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bistums die Schulungen und Informationsveranstaltungen der Pfarreien im Mittelpunkt stehen, erklärt Birgit Wald. „Alle Angestellten und ehrenamtlich Tätigen sollen gemäß der Präventionsordnung gemäß in den Kulturwandel einbezogen werden.“

Die Fachstelle Kinder- und Jugendschutz hat ihren Dienstsitz im Robert Schuman-Haus, Auf der Jüngt 1, 54293 Trier; sie ist unter Tel.: 0651 8105-233 und E-Mail: kinderundjugendschutz(at)bistum-trier.de zu erreichen. Informationen rund um die Fachstelle und ihre Arbeit sind auch unter www.praevention.bistum-trier.de zu finden.

(tef)