Montag, 17. August 2015

„Sehen, urteilen, handeln“

Bistums-Projektteilnehmer suchen Impulse für Kirche vor Ort in Bolivien

vlnr: die Projektteilnehmer Carl Woog, Ingeborg Bachner, Hermann Hower, Mariette Becker-Schuh (Bistum Trier), Ludwig Kuhn (Bistum Trier), Theresia Conen, Andrea Tröster (Bistum Trier), Cornelia van Brandwijk, Gerhard Scheer
vlnr: die Projektteilnehmer Carl Woog, Ingeborg Bachner, Hermann Hower, Mariette Becker-Schuh (Bistum Trier), Ludwig Kuhn (Bistum Trier), Theresia Conen, Andrea Tröster (Bistum Trier), Cornelia van Brandwijk, Gerhard Scheer

Bernkastel-Kues/Bingerbrück/Neunkirchen  – Drei Wochen waren sie unterwegs, um in Bolivien Impulse für die eigene Arbeit vor Ort zu erhalten – im Rahmen des Projekts „Lokale Kirchenentwicklung mit weltkirchlichen Impulsen“ des Bistums Trier. Die Projektteilnehmer kommen aus der Pfarreiengemeinschaft Bernkastel-Kues, aus der Pfarrei Bingerbrück (in der Pfarreiengemeinschaft Rupertsberg) und der fusionierten Pfarrei Neunkirchen. In Bolivien besuchten sie vom 24. Juli bis 14. August unter anderem Pfarreien und Basisgemeinden sowie soziale Projekte.

„Es waren starke Eindrücke“, sagt Diakon Hermann Hower aus Platten (Bernkastel-Kues). Und er nehme viele Impulse mit in die Pfarreiengemeinschaft. Ein Höhepunkt der Reise war, dass seine Gruppe einige Tage in einer Gastfamilie in einem Armenviertel in Santa Cruz lebte. So konnten sie unmittelbar das Leben in der Basisgemeinde der Familie erfahren. Einmal die Woche treffen sich die Menschen aus der Nachbarschaft zum Bibelgespräch. „Es ist wie eine große Familie“, sagt Hower. Die Mitglieder der Gemeinde seien füreinander da, helfen einander. Und auch die Art und Weise, wie selbstverständlich sie ihren Glauben lebten, habe Hower sehr beeindruckt. Ebenso die freie und lebendige Gestaltung der Gottesdienste. „Ich habe einen neuen Blick aufs Wesentliche bekommen“, sagt Hower zusammenfassend. Und er überlege nun, inwieweit er die gewonnen Impulse konkret in der Pfarreiengemeinschaft umsetzen könne. Denn natürlich „kann man nicht alles einfach kopieren“, sondern müsse sie der Situation vor Ort anpassen. Auf jeden Fall stehe für ihn fest: „Die Reise hat sich gelohnt.“

Gemeinsam beten und den Glauben nach außen tragen. Das hat Gerhard Scheer aus der Pfarrei Neunkirchen sehr an der Basisgemeinde beeindruckt. Er lebte eine Woche lang in einer Gastfamilie in El Alto. Die Basisgemeinde der Familie trifft sich dort regelmäßig, hält Wortgottesdienste, tauscht sich über die Bibel aus. „Und sie leben ihren Glauben auch.“ So betreuen die Mitglieder der Basisgemeinde Gefangene aus einer örtlichen Strafanstalt, besuchen sie, feiern mit ihnen Gottesdienst. Elemente der Basisgemeinde, wie Scheer sie vor Ort erfahren konnte, könnten auch nützlich sein für das Gemeindeleben in Neunkirchen – die aus mehreren Pfarreien zu einer Großen fusioniert wurde. Zu berücksichtigen sind dabei auf jeden Fall die konkrete Situation vor Ort und Vorstellungen von Kirche in der Gemeinde. „Es bedarf einer Zeit der Überlegung“, sagt Scheer. „Ich habe auf jeden Fall wichtige Erfahrungen für die Gemeindearbeit machen können.“

„Ich habe eine tiefe Form des Glaubens erlebt“, beschreibt Carl Woog aus Bingerbrück seine Erfahrungen. Sein persönlicher Höhepunkt war das Leben in einer Gastfamilie in Cochabamba und das unmittelbare Kennenlernen der Spiritualität und des Einsatzes der Basisgemeinde vor Ort. So geht aus ihr etwa ein Projekt hervor, das Männern und Frauen ermöglicht, sich mit Mülltransport ein Auskommen zu sichern. „Das fand ich schon beeindruckend, mit welchen Mitteln sie ihr Schicksal in die Hand nehmen“, erklärt Woog. Die Menschen würden sich auch nicht selbst durch ständiges Hinterfragen vom Engagement abhalten, sondern einfach tätig werden. Insgesamt besuchte Woog zwölf Basisgemeinden. Diese treffen sich einmal im Monat zum Bibelteilen. Und regelmäßig zum sozialen Engagement – von Nachbarschaftshilfe bis zur Sterbebegleitung. „Hier wird der Alltag in dieser Gemeinde noch mitgelebt.“ Was Woog auf jeden Fall in seine Arbeit in seiner Pfarrei mitnehmen werde, das sei „die Ruhe und Gelassenheit der Bolivianer.“ Was er zudem konkret umsetzen werde, darüber müsse er nachdenken. Es sei jedenfalls wichtig, dass Veränderung und Fortentwicklung in seiner Gemeinde stattfände. „Für die Zukunft der Kirche.“

„Sehen, urteilen, handeln“ – das ist das Prinzip der Basisgemeinden in Lateinamerika. Die Gruppe – meist zwischen 15 und 40 Personen, die nachbarschaftlich verbunden sind – trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Glaubensaustausch, zum Bibellesen. Und daraus leitet sie dann konkretes soziales Engagement vor Ort ab. „Über das Konzept kann man viel lesen“, sagt Andrea Tröster vom Bistum Trier. „Doch es konkret zu erleben, motiviert in einer ganz anderen Art und Weise. Daher sei die Reise im Rahmen des Projekts wichtig gewesen. Die Kirche vor Ort stünde vor großen Herausforderungen, erklärt sie weiter. In dieser Suchbewegung nach Lösungsansätzen für die Zukunft sei es ein wichtiger Baustein, andere Erfahrungen zu erleben und sich auszutauschen. So könnte mit einer neuen Perspektive auf die eigene Situation geschaut werden.

Bis 2017 ist das Projekt „Lokale Kirchenentwicklung mit weltkirchlichen Impulsen“  angelegt. Es will Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften einladen, sich von weltkirchlichen Erfahrungen inspirieren zu lassen und so einen eigenen Weg zu finden, ein lebendiges kirchliches Leben vor Ort zu gestalten. Im Laufe des Projekts empfangen die Gemeinden weltkirchliche Gäste vor Ort, die ihre Erfahrungen einbringen. Zudem nehmen die Projektpartner teil an Lern- und Begegnungsreisen sowie Studien- und Praxistagen – immer wieder im Austausch mit den anderen Projektteilnehmern, und begleitet vom Bistum Trier.

 

Zur Bildergalerie: