Samstag, 4. Juli 2015

Singen kommt aus der Mitte des Lebens

Pueri Cantores: Mädchen- und gleichstimmige Jugendchöre in Luxemburg zu Gast

Trier – Mit 20 Bussen sind sie am 3. Juli unterwegs gewesen: die Mädchenchöre und gleichstimmigen Jugendchöre des Pueri Cantores-Festivals. Gut 1.000 Sängerinnen und Sänger waren in Luxemburg zu Gast. Wegen der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft des Landes waren viele Straßen gesperrt, so dass die Chöre nicht nur von 20 Studentinnen und Studenten der Luxemburger Musikhochschule, sondern auch mit Polizeieskorte zur Kathedrale und später auf ihrem Weg durch die Stadt begleitet wurden.

Pfarrer Marius Linnenborn, geistlicher Beirat des Pueri Cantores-Bundesverbandes, hatte zu Beginn des Gottesdienstes gesagt, fast 40 Chöre seien nach Luxemburg gekommen, um die Freude des gemeinsamen Gesangs über die Grenze nach Luxemburg und damit nach Europa zu tragen. In Anspielung auf das Motto des Festivals „Gott liebt diese Welt“ und dem Kunstprojekt zum Konzilsjubiläum der Deutschen Bischofskonferenz sagte er: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen in der ganzen Welt wollen wir teilen.“ Der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich freute sich sichtlich, so viele junge Leute in der Kathedrale Notre Dame zu begrüßen, denn er sagte, es sei „so schön, wenn die Kathedrale voll ist und euer Gesang ertönt – es ist Lob Gottes!“

In seiner Predigt griff der Erzbischof das Evangelium auf, das vom ungläubigen Apostel Thomas erzählt, der erst glaubt, nachdem er die Finger in Jesu Wunden gelegt hat. Jesus habe sich die Wunden aus Liebe zu den Menschen zufügen lassen, sagte Hollerich. Und die Wunden, die jeder Mensch habe, könnten heilen, „wenn wir jemandem begegnen, der uns gern hat – wenn wir Jesus begegnen“. Wunden seien ein Zeichen von Leben: „Leben heißt verwundbar sein.“ Doch er habe manchmal den Eindruck, sagte der Erzbischof, dass „wir in Europa unser Leben verschlafen, dass wir uns in Aktivitäten flüchten aus lauter Angst vor Wunden“. Doch dann könne auch man keine echte Freunde und Hoffnung empfinden, und dann „kann man nicht singen“. „Singen kann man, wenn das Leben liebt – aus diesem Leben heraus kann man Gott Lob singen“, betonte Hollerich. Er dankte den Kindern und Jugendlichen ganz ausdrücklich für ihr „großes Engagement, wenn ihr den Leuten Freude macht“. Singen sei mehr als richtige Noten, „es kommt aus der Mitte des Lebens, aus dem Herzen – dort könnt ihr Jesus begegnen“. Es sei die Berufung der Pueri Cantores, zum Segen für alle zu werden, die sie hörten.

Nach dem Gottesdienst teilten sich die Chöre in zwei Gruppen. Neben einem Musicalbesuch am Konservatorium und einer Stadtrundfahrt stand auch der Besuch der Villa Vauban auf dem Programm. Im Garten dieses Museums konnten sich die jungen Leute ausruhen, miteinander austauschen und natürlich auch für- und miteinander singen.

Pfarrer Linnenborn begleitete die Chöre den ganzen Tag über. Er schätzt die Mischung aus „fromm und fröhlich, ganz diszipliniert und ausgelassen: „Bei der Chorparty gestern waren alle ganz ausgelassen - und heute etwa beim Gottesdienst sind die Sängerinnen und Sänger auch innerlich ganz dabei.“ Die Tage des Festivals zeigten, wie wichtig die musikalische und religiöse Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sei: „Man sieht, wie sehr sie sich von der Musik begeistern lassen.“ Er ist froh, dass die Friedensgebete an zwei Tagen stattfinden, sie seien die „geistliche Mitte“ des Festivals: „Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen spüren: Es ist unsere Aufgabe, für den Frieden zu beten und zu singen und uns im Leben dafür einzusetzen.“

Einer der Chöre, die einen kurzen Auftritt im Garten der Villa Vauban hatten, war der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom. Für den seit zehn Jahre bestehenden Chor ist das Trierer Festival die erste Großveranstaltung der Pueri Cantores. „Wir sind erst seit zwei Jahren Mitglied“, erzählt Betreuer Johannes Lehmann-Dronke. Mit 35 Kindern und Jugendlichen sind sie nach Trier gekommen. Es sei „sehr schön, alles ist perfekt vorbereitet, und Trier ist eine tolle Stadt“, lobt er. Auch bei diesem Ausflug herrsche eine „gute Stimmung“. Dass der Chor den weiten Weg auf sich genommen hat, sei selbstverständlich: „So ein Festival zu erleben gehört dazu. Das ist doch das wesentliche der Pueri Cantores, sich zu treffen und auszutauschen.“ Es sei gut, dass die Kinder sähen, dass es ganz viele andere gibt, „die das gleiche machen wie wir, die auch proben und sich engagieren.“

Eine besondere Ehre wurde am Abend der Mädchenkantorei am Limburger Dom und dem Jugendkathedralchor St. Hedwig Berlin zuteil. Sie sangen gemeinsam mit luxemburgischen Pueri Cantores die Europahymne bei der offiziellen Eröffnung der luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft auf dem Place d’Armes.

Fotos aus Luxemburg (und Saarlouis) sind hier zu finden.