Dienstag, 28. März 2017

Spray your life

Firmlinge der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg zeigen Graffiti-Art

(v.l.) Amina, Emily und Peter in der Johann-Adams-Mühle, wo ihre Graffiti-Bilder ausgestellt sind.

Tholey – „Wer bin ich in 10 Jahren?“ – Diese Frage haben sich neun Jugendliche und zwei junge Erwachsene aus der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg gestellt und aus den Antworten Kunst gemacht. Diakon Thomas Hufschmidt hat für die ehemaligen Firmlinge der Pfarreiengemeinschaft einen Graffiti-Workshop mit Spray-Artist Tobias Müller organisiert. Die Gemälde sind seit Samstag, 26. März in der Johann-Adams-Mühle in Tholey unter dem Motto „Spray your life“ zu sehen.

„Ich finde, dass man sich da normal keine Gedanken drüber macht, aber dann damit anfängt“, erzählt Amina (14) aus Hasborn über das Thema. Es war eines von mehreren, aus denen die Jugendlichen auswählen durften. „Wie sieht mein Paradies aus?“ oder „Was ist mir heilig?“ waren einige der Alternativen. Aber die Jugendlichen wollten in ihre eigene Zukunft blicken. Jetzt hängen in der Johann-Adams-Mühle in Tholey Bilder wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf einem Bild ist ein Soldat zu sehen, über dem "Bund" steht: Der junge Künstler will in zehn Jahren zur Bundeswehr. Ein anderer will Polizist werden. Diakon Thomas Hufschmidt, der auch mitgesprayt hat, will natürlich Priester werden. Auf seinem Bild ist ein großes Kreuz zu sehen.

Peter (15) aus Theley hat in großen grünen Lettern das Wort „FAMILY“ gesprüht. „Weil ich in Zukunft eine Familie gründen will“, erklärt er. „Familie gibt einem alles, was man braucht und macht glücklich.“ Emily (14) stammt auch aus Theley und hat vor allem über ihre Freundschaft in zehn Jahren nachgedacht: „Wir sollten aufschreiben, was uns wichtig ist“, sagt sie. Sie und ihre beste Freundin, haben sich beide, unabhängig voneinander, dafür entschieden, etwas über ihre Freundschaft zu machen. „Bei uns beiden ist etwas anderes rausgekommen, das hat aber trotzdem miteinander zu tun.“

„Aus den jungen Menschen sind Künstler geworden.“ So formulierte es Diakon Hufschmidt bei der Eröffnung zur Ausstellung. Die Bilder zeigten, „dass sich auch junge Menschen solche Fragen stellen und ihr Leben und unsere Gesellschaft bereichern.“ Hufschmidt hatte nach der Firmung im letzten Jahr die Idee zu diesem Anschlussprojekt. Er stellte den Kontakt zu Tobias Müller her, der Seminare zu Graffiti-Art gibt. Dieses sei allerdings erst sein zweites in einem kirchlichen Rahmen, gestand er bei der Eröffnung.

Für die Jugendlichen war es eine „coole Erfahrung“ wie Amina betont. Sie hat ihren Namen auf Arabisch gesprayt. Ihr Vater sei aus dem Libanon, erzählt sie. „Das arabische, oder vielmehr das libanesische versucht aus meinem Leben zu verschwinden. Aber ich will, dass es immer zu meinem Leben gehört. Ich will in zehn Jahren immer noch ich sein.“ Dazu gehöre eben auch ihre Familie und deren Herkunft.

Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt eröffnete die Ausstellung feierlich, die noch bis zum 26. April geht. „Wo ihr dann in zehn Jahren steht, das sehen wir dann“, sagte Diakon Hufschmidt am Ende seiner Rede. „Vielleicht müssen wir uns dann noch einmal wieder treffen.“

(dh)