Donnerstag, 9. März 2017

Stille und Anstoß

Koblenzerin stellt in der Citykirche am Jesuitenplatz aus

Koblenz – „Kunst und Religion sind ursprünglich miteinander verbunden, denn beides entstammt aus der Mitte des Menschen“, erklärte der Kulturbeauftrage des Bistums Trier Micha Flesch bei der Eröffnung der Ausstellung „Wort wird Bild – one by one the words find a home in my heart“. Bis Freitag, 7. April, ist ein Kubus der Künstlerin Ute Bernhard in der Citykirche am Jesuitenplatz in Koblenz zu sehen.

Flesch würdigte die künstlerische Arbeit der in Koblenz Lebenden, die eine besonders starke spirituelle Dimension habe. Kunst verweise über das Offensichtliche hinaus und habe daher eine Gemeinsamkeit mit dem Glauben. Kunst sollte im liturgischen Raum auch nie „bloße Dekoration“ und schmückendes Beiwerk sein, sondern immer Botschaft und Einladung zur Auseinandersetzung und Begegnung mit dem Göttlichen. „Der Titel ‚Wort wird Bild’ findet einen Widerklang im Prolog des Johannesevangeliums und stellt so den Bezug zu Christus selbst her“, erläuterte der Kulturbeauftragte. Diese Suche nach der Wahrheit schließlich sei es, die dem Werk den Weg in einen sakralen Raum öffne.

„Immer wieder war und ist es der innere Antrieb des Menschen, das für ihn Unfassbare – hörbar, bildhaft, sinnlich erfahrbar werden zu lassen. Genau hier setzt die Arbeit von Ute Bernhard an“, erklärte Flesch. Die Künstlerin würde dies anhand des Kubus verdeutlichen. Die Ausstellung biete Raum für das Geheimnis, Verborgenes und ließe die Frage nach der Bedeutung des Wortes offen.

„Das Kunstwerk arbeitet mit dem geschriebenen Wort“, sagte Ute Bernhard, die seit zwei Jahren als Lyrikerin arbeitet. „Die Textfragmente erzählen vom Ringen um das richtige Wort, von der Arbeit und der Suche um das Wort. Sie zeugen von der immer wieder aufs Neue nötigen Ausleuchtung und Interpretation des Wortes – des Bibelwortes“, beschrieb Ute Bernhard.

Die wechselweise englisch und deutsch verfassten Gedanken und Worte werden auch in den kommenden Fastenmeditationen freitags um 19 Uhr, begleitet von Orgelmusik, zu hören sein. Die pastorale Mitarbeiterin im Dekanat Koblenz Monika Kilian sieht den Bezug zur Fastenzeit durch das Karge und Nüchterne des Objektes. „Es handelt sich um eine Reduktion und dadurch wird der Blick neu geschärft“, sagte Monika Kilian. „Zudem ist es ein Kunstwerk, das zur Meditation geeignet ist“, fügte Ute Bernhard hinzu. Das Meditative sei eine Gelegenheit für die Fastenzeit. „Besinnung mit allen Sinnen wird hier herausgefordert und geschenkt. Das Kunstwerk bietet Stille und Anstoß in einem“, merkte die Künstlerin an.

Sie dankte bei der Eröffnungsveranstaltung insbesondere dem Kulturbeauftragten Flesch für seine religionsphilosophischen Ausführungen und dem Team der Citykirche mit Monika Kilian für die Gastfreundschaft. „Die Ausstellung sehe ich als eine fruchtbare und gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kunst“, fasste die Künstlerin zusammen.

Die Eröffnung wurde musikalisch von dem Barock- und Renaissance-Ensemble „Chi la Galliarda“ umrahmt, die auf ihre ganz eigene Weise dem Abend eine lyrisch-spirituelle Stimmung verliehen.

Der Kubus kann bis Freitag, 7. April, täglich außerhalb der Gottesdienstzeiten von 8 bis 11.30 Uhr und von 13 bis 17.30 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen gibt es bei Monika Kilian unter Tel.: 0151-53831244. (jf)