Donnerstag, 8. Mai 2014

Theologie trifft Naturwissenschaft

Physik und Bibel zum Ursprung der Welt – Gesprächsabend in Saarbrücken

vlnr. Dr. Johann Collignon, Christian Otterbach, Dr. Bernhard Lehnart

Saarbrücken – Das Urknall-Modell zur Entstehung des Universums wird heute von fast allen Wissenschaftlern anerkannt. Ist damit die biblische Schöpfungsgeschichte falsch oder überflüssig? Sind mit den Fortschritten der Physik alle Fragen beantwortet? Zu einem Abend mit vielen Fragen an Theologie und Naturwissenschaft konnte Barbara Schartz – im Bistum Trier für den neuen Themenschwerpunkt „Schöpfung“ zuständig – am 6. Mai in Saarbrücken nur eine kleine Schar von Interessierten begrüßen. Der Abend im Johannes-Foyer bot dennoch eine angeregte Diskussion zum Thema „Theologie trifft Naturwissenschaft“.

Der Physiker Dr. Johann Collignon gab einen Überblick zu den heute gängigen Modellen zur Entstehung des Universums und betonte, dass alle Theorien dazu vorläufig seien und stets neu zu überprüfen. Der Urknall sei aber beobachtbar, etwa an der Galaxienflucht und der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Frage, was vor der Inflation des Universums war, sei bisher unbeantwortet. Collignon bezweifelte, dass es möglich sein werde das Universum ganz zu verstehen. Die Frage sei, ob das Universum als Summe von Dingen, als Ganzes auch ein Ding sein. Selbstbezügliche Systeme seien in der Totalität eben nicht ganz erfassbar, meinte Collignon und wertete das als einen möglichen Hinweis auf eine „andere Realität“.

Der Theologe Dr. Bernhard Lehnart stellte Schöpfungserzählungen aus dem alten Babylon und aus der Bibel vor. Deren Anliegen sei es nicht, eine naturwissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Welt zu liefern. Die Schöpfungserzählungen der Bibel wollten sagen: die Welt ist in Händen des guten Gottes. Sie seien ein Ausdruck eines Grundvertrauens. Eine zweite Erzählung spreche vom Menschen als Ebenbild Gottes. Das bedeute, dass sich der Mensch - wie Gott selbst - der Schöpfung gegenüber sorgsam verhalten soll. Die Naturwissenschaft habe einen großen Beitrag dazu geleistet, dass sich die Kirche die Schöpfungserzählungen der Bibel genauer und vertieft angesehen habe. Es stelle sich an die Naturwissenschaft die Frage, ob es nicht jenseits der Wirklichkeit eine andere gibt, die ebenfalls erkenntnisfähig ist, meinte Lehnart und nannte die Realitäten von „Liebe“ oder „Vertrauen“.

Ob Gott hinter dem Urknall stecke, müsse jeder Mensch für sich selbst entscheiden, meinte Physiker Collignon. Die Naturwissenschaft jedenfalls könne Gott weder beweisen noch widerlegen. Theologe Lehnart griff das auf und betonte, dass es eine Glaubensentscheidung bleibe, „ob ich in einer Welt in Gottes Hand leben will, oder in einer Welt am Rande des Universums, das an mir überhaupt nicht interessiert ist“. Ein Dialog von Naturwissenschaft und Theologie sei nützlich und müsse jedwede Erkenntniszugang ernst nehmen, betonten beide. Die Physik wolle die materielle Welt erklären, meinte der Physiker und gab zu, dass seine Wissenschaft an Grenzen komme, die sie allerdings immer weiter ausdehne.

In dem von Rundfunkjournalist Christan Otterbach geleiteten Gespräch war man sich am Ende einig, dass die Menschen an einem Punkt angekommen seien, an dem es wichtig sei miteinander zu sprechen: über die unterschiedlichen Bemühungen die Wirklichkeit zu erklären und zu verstehen.