Donnerstag, 2. Juli 2015

Trier wird klingendes Zentrum Deutschlands

3.000 junge Sängerinnen und Sänger kommen zum 7. Deutschen Chorfestival

Trier – Sie kommen aus Saarlouis, Leipzig und Jena, aus Zülpich und Wiedenbrück, Überlingen und München, aus dem Sauerland, dem Odenwald und vom Bodensee. Für fünf Tage erobern sie mit Fröhlichkeit und Gesang die Stadt Trier und die Umgebung. 3.000 Kinder und Jugendliche aus 100 deutschen Chören feiern das 7. Deutsche Chorfestival der Pueri Cantores. Mit bester Laune und ausgesprochen stimmgewaltig, wie der Auftakt am 1. Juli sehr deutlich bewies.

„Ich bin total glücklich!“, bekennt Matthias Balzer mit strahlenden Augen. Kein Wunder, blickt der Präsident von Pueri Cantores Deutschland doch in über 3.000 zwar verschwitzte, aber doch sehr frohe Gesichter. Schon jetzt dürfen er und das Organisationsteam sicher sein: Dieses Chorfestival in Trier wird ein Erfolg. Das liegt neben der aufwändigen, guten Organisation vor allem an den vergnügten, erwartungsfrohen Gästen, die aus dem gesamten Bundesgebiet in Deutschlands ältestes Bistum gekommen sind. Freundschaften knüpfen und pflegen, Gemeinschaft leben und vor allem singen wollen sie in den fünf Festival-Tagen.

"Singen macht halt einfach Spaß"

„Singen macht halt einfach Spaß. Du kannst ohne Leistungsdruck loslegen und trainierst dabei noch die Gemeinschaft“, fassen die vier Freunde David, Rico, Markus und Rafael kurz und knapp zusammen, was sie an ihrem Hobby besonders schätzen. Frisch gestärkt durch Wurstbrötchen, Käse-Lolly und jede Menge kühlen Wassers sitzen die Jungs im Schatten der Konstantinbasilika. Insgesamt 39 jugendliche Sängerinnen und Sänger sind sie im Jugendchor St. Oswald Buchen, erkennbar an dunkelgrünen T-Shirts, auf denen fröhlich singende Gesichter samt Heiligenschein abgebildet sind. Und an der großen, grünen Fahne natürlich, die immer mit auf Reisen geht. Von einigen Reisen können David, Rico, Markus und Rafael schon berichten. Denn als Pueri Cantores kommen sie ganz schön herum in Deutschland und der Welt, waren zuletzt bei Chorfesten in Holland und Paris. In Trier freuen sie sich auf die Begegnungen mit anderen Chören, auf das interessante Rahmenprogramm und besonders auf ihre Konzerte. Drei Auftritte stehen in den nächsten Tagen auf dem Programm, darunter ein Konzert im Trierer Brüderkrankenhaus. Gespannt wie die Kinder ist auch Chorleiter Horst Berger, der seit 2004 regelmäßig mit seinem Jugendchor an den Cantores-Treffen teilnimmt. „Besonders gespannt bin ich, wie das Mottolied klingt, wenn alle zusammen singen“, sagt Berger und erwartet „Gänsehaut pur“. Eigens für dieses Chorfestival unter dem Motto „Gott liebt diese Welt“, wurde das Lied „Gott rief diese Welt ins Leben“ komponiert. Später bei der liturgischen Eröffnung im Trierer Dom wird es erstmals 3.000-stimmig erklingen und tatsächlich mächtig viel Gänsehaut produzieren.

 Wo ist die nächste Eisdiele?

Jetzt aber gilt es für die ehrenamtlichen Helfer vom Trierer Besucherdienst noch kistenweise Festival-Rucksäcke zu verteilen, Wasser, Brötchen und Würstchen an die Kinder, Jugendlichen und erwachsenen Begleiter zu bringen und jede Menge Fragen zu beantworten. Wie kommen wir zum Hauptmarkt und dann weiter in den Dom? Wo werden später die Lunchpakete verteilt? In welcher Richtung befindet sich die Mosel? Die wohl am häufigsten gestellte Frage lautet: Wo gibt es hier die nächste Eisdiele?

„Ein frisches Eis muss jetzt einfach sein!“, meinen auch Johanna, Elena und Inga. Sie gehören zum Jugendchor St. Petri Hüsten, der die T-Shirt-Variante in Hellgrün trägt. Zusammen mit Pastor Dietmar Röttger und den Chorneulingen Adrian und Jan stehen sie vor der Eistheke und genießen die Erfrischung nach der Zugfahrt vom Sauerland an die Mosel.

Zwischen den dicken Mauern der Porta Nigra üben Mitglieder des Aufbauchores der Mädchenkantorei am Rottenburger Dom noch einmal ihren Klatschkanon. Und Kathrin schickt in Gedanken liebe Grüße an ihren Papa. „Wenn ich an der Porta stehe, soll ich feste an ihn denken, hat er gesagt, bevor wir weggefahren sind.“

Dann kommt das Kommando fürs gemeinsame Aufstellen. Denn jetzt geht es im Sternmarsch von den Treffpunkten Basilika, Viehmarktplatz, Kornmarkt und Porta Nigra zum Sammelpunkt Hauptmarkt, wo die offizielle Eröffnung des Pueri-Cantores-Chorfestivals stattfindet. Mit Gesang und Jubel ziehen die einzelnen Gruppen hier ein, begleitet vom stimmgewaltigen Beifall der anderen Chöre.

Begrüßung von Seiten des Landes und der Stadt

Angesichts der 35 Grad in „Triers guter Stube“ fallen die offiziellen Grußworte ausgesprochen kurz aus. Staatssekretär Dr. Hannes Kopf heißt die Gäste im Namen von Ministerpräsidentin und Schirmherrin Malu Dreyer willkommen. Laut wissenschaftlicher Erkenntnis sei das Singen reine Medizin, erklärt Kopf und fügt an, dass Trier „sich in den nächsten Tagen zu einem regelrechten Gesundbrunnen entwickelt“. Oberbürgermeister Wolfram Leibe begrüßt die Gäste in der alten, aber auch sehr jung gebliebenen Stadt. „Durch euren Gesang werdet ihr den Menschen Freude und Hoffnung bringen und vielleicht auch Ängste nehmen können“, gibt er den Jugendlichen mit auf den Weg.

Bewegt und beeindruckt von dem bunten Bild heißt Verbandspräsident Matthias Balzer die Gäste willkommen. „Ihr werdet Trier zum klingenden Zentrum Deutschlands machen“, freut er sich und lädt die Sänger zum gemeinsamen Gang zum Dom ein, wo Bischof Stephan Ackermann zusammen mit Pueri-Bischof Dr. Friedhelm Hofmann aus Würzburg die liturgische Eröffnung halten wird.

Bevor es soweit ist, muss Marco sich unbedingt noch etwas abkühlen. Beherzt gießt sich der Sänger vom Kinder- und Jugendchor Kenn eine Flasche Wasser über den Kopf. „So, jetzt geht´s wieder“, sagt er erleichtert, schüttelt die Haare aus und macht sich erfrischt und froh auf den Weg. Noch nie habe er mit so vielen anderen Menschen gemeinsam gesungen. „Das wird klasse!“, weiß Marco jetzt schon ganz sicher.

Und hier gibt es die Fotos vom Eröffnungstag.