Dienstag, 29. Juli 2014

Vom „Jahr für die Kirche“ zum FSJ

Im vergangenen Jahr sind 450 Freiwillige mit einem Eröffnungsgottesdienst in ihre Dienste gestartet.

Trier – Als innerhalb der katholischen Kirche 1958 erstmals ein „freiwilliger Hilfsdienst in Flüchtlingslagern“ beworben wurde, hat sicherlich niemand geahnt, dass sich daraus ein Dienst entwickeln würde, der gut 50 Jahre später nicht nur immer noch existiert, sondern sich zu einer regelrechten Erfolgsgeschichte entwickelt hat: das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Am 17. August 1964 wurde der Freiwilligendienst durch das Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres staatlich etabliert. Seitdem haben allein im Bistum Trier das Angebot weit über 10.000 junge Frauen und Männer genutzt. Am 1. August werden erneut fast 450 junge Leute in einen Freiwilligendienst entsandt. Im Bistum Trier wird das FSJ von der Arbeitsstelle für Soziale Lerndienst (ASL), einer Kooperation des Bischöflichen Generalvikariats mit dem Diözesan-Caritasverband, getragen.

Freiwilligendienste gab es schon vor 1958, etwa den Sozialen Mädchendienst des Katholischen Deutschen Frauenbundes in den 1930er Jahren oder seit 1947 einen halbjährigen Werksdienst des Hedwig-Dransfeld-Hauses in Bendorf. Bereits 1954 hatte die Evangelische Kirche ein Diakonisches Jahr ausgeschrieben, ab 1959 folgten dann die Aufrufe katholischer Bischöfe zum „Jahr für die Kirche“ oder „Jahr für Gott“. Zu Beginn der1960er Jahre seien immer mehr Menschen bereit gewesen, einen Freiwilligendienst zu leisten, erklären Kerstin Hammer und Hans Wax von der ASL. Es habe einer organisatorischen Struktur bedurft, die in der katholischen Kirche zunächst vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend übernommen wurde. Sei Anfang der 1960er Jahre die Personalnot in den Einsatzstellen ausschlaggebend gewesen für das Engagement, habe sich das FSJ dann zu einer Maßnahme für junge Leute entwickelt, die auf der Suche nach persönlicher und beruflicher Orientierung waren. Die 1968, 1975 und 1993 erfolgten Gesetzesnovellen hätten immer stärker dem Bildungsanspruch des FSJ Rechnung getragen. „Heute ist das FSJ primär ein soziales Bildungsjahr, das neben dem praktischen Handeln stark durch die Begleitseminare geprägt ist, die gesetzlich vorgeschrieben sind“, sagt Hammer. Es sei ein Angebot an Jugendliche zu sozialem Engagement, zur Persönlichkeitsentwicklung, zur beruflichen Orientierung und zu sozialer und politischer Bindung.

2002 wurde das FSJ gesetzlich flexibilisiert in Bezug auf die Einsatzbereiche; seitdem ist das FSJ auch in den Bereichen Kultur und Sport möglich. Zeitgleich wurde geregelt, dass anerkannte Kriegsdienstverweigerer mit dem FSJ ihre Zivildienstpflicht erfüllen. Daraufhin riefen Bistum Trier und Diözesan-Caritasverband 2003 das Projekt „FSJ statt Zivildienst“ ins Leben – ein Projekt, das bis zur Aussetzung der Zivildienstpflicht 2011 fortgeführt wurde und den Männeranteil beim FSJ deutlich erhöhte. 2004 wurde im Bistum die ASL etabliert, die seit 2005 mit verschiedenen Rechtsträgern kooperiert, „um das Angebot insgesamt im kirchlichen Bereich weiter zu qualifizieren, gemeinsame Standards zu entwickeln und die Einsatzmöglichkeiten zu erweitern“, erklärt Wax. Dass das Angebot nach wie vor gefragt ist, zeigt die jährlich konstante Zahl an jungen Frauen und Männern, die im Bistum Trier in die Einrichtungen entsandt werden. Und das Konzept wird auch in Zukunft seine Berechtigung haben, ist sich Wax sicher: „Im gesellschaftlichen Kontext des bürgerlichen Engagements werden Freiwilligendienste zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Sie sind Mittler von unverzichtbaren Schlüsselqualifikationen, bieten Einblicke in die soziale Realität unserer Gesellschaft, unterstützen soziale Einrichtungen bei der Erfüllung ihres Auftrags und verstehen sich als Baustein eines ganzheitlichen Bildungsansatzes.“

Informationen rund um das FSJ gibt es bei der Arbeitsstelle für Soziale Lerndienste (ASL), Dietrichstraße 30a, 54290 Trier, Tel.: 0651-993796300, E-Mail: info(at)soziale-lerndienste.de oder unter www.soziale-lerndienste.de im Internet.