Freitag, 11. Dezember 2015

Weichen gestellt für das Abschlussdokument

Bistumssynode beschließt Pespektivwechsel

Trier – Vom Einzelnen her denken - Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen -  Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern: Diese drei Perspektivwechsel hat die Vollversammlung der Trierer Diözesansynode mit großer Mehrheit beschlossen. Mehr als 86 Prozent der Synodalen stimmten am 11. Dezember für den Antrag. Das Abstimmungsergebnis beinhaltet damit den klaren Arbeitsauftrag an die Redaktionsgruppe, die am Ende dieser Vollversammlung eingesetzt wird, die Perspektivwechsel in das Abschlussdokument einzutragen. „Ziel muss es sein, der Redaktionsgruppe Gewissheit zu geben, mit welchem Material sie arbeiten kann“, sagte Generalvikar Dr. Georg Bätzing.

Mit den Perspektivwechseln sind im Antrag auch Abschiede benannt, etwa von Formen der Glaubensvermittlung und -praxis, die nicht vom Einzelnen her denken. Auch fordern die Perspektivwechsel den Abschied von einer aufgabenorientierten Pastoral und von den klassischen Rollenbildern pastoraler Berufe. Die bisherigen Formen der Pfarrei als kleinteilige Pfarreistruktur, als Garant für eine flächendeckende seelsorgliche Versorgung oder zentral gesteuerte Einheit ist damit ebenfalls in Frage gestellt.

Bätzing betonte, alle in der vorangegangenen Diskussion benannten Kritikpunkte und Einwände würden von der Redaktionsgruppe ausgewertet und für die Vorlage des Abschlussdokumentes berücksichtigt. So gab es Lob, dass die Perspektivwechsel „anerkennen, wie die Welt tickt“ und Schluss machen mit „mehr vom Gleichen“. Der Wunsch nach dem Blick auf den Einzelnen rief aber auch die Warnung hervor, dadurch werde einer Entsolidarisierung Raum gegeben. „Es braucht das Individuum und den Gemeinschaftsbezug“, war zu hören, oder: „Wir dürfen keine Angst davor haben, Menschen sammeln zu wollen.“

Die Charismenorientierung wurde unterschiedlich bewertet – für eine Synodale ist sie  Gemeinschaftsorientierung und eine integrierende Kategorie. Eine andere Synodale warnte davor, dass Charismen allein nicht ausreichten, die Aufgaben fielen schließlich nicht weg. Vielmehr sei eine Aufgabenkritik notwendig. Die Entscheidung für weite pastorale Räume wurde als Angebot verstanden, „nach einer neuen Sozialgestalt von Kirche Ausschau zu halten“, während ein Synodaler betonte, dieser Perspektivwechsel könne nur gelingen, wenn auch das Personal „mitspielt“.

Ein weiterer Perspektivwechsel wurde von etwas mehr als der Hälfte der Synodalen befürwortet: Das synodale Prinzip soll die Kirche im Bistum Trier künftig auf allen Ebenen prägen. Mit der Annahme der Perspektivwechsel sind Weichen für die Erarbeitung des Abschlussdokuments gestellt.