Donnerstag, 2. Juli 2015

Wenn ein Chor mehr Spaß macht als das Freibad

Kinderchor nimmt mit 3.000 anderen Kindern am Pueri Cantores-Festival in Trier teil

Kastellaun –Draußen steht die Hitze in den mittelalterlichen Gässchen von Kastellaun, es sind 29 Grad. Drinnen im Pfarrsaal sortiert Volker Klein schon mal die Notenblätter und Gesangbücher. „Hoffentlich kommen die Kinder heute überhaupt hierher und sind nicht alle im Schwimmbad“, lacht er. Hierher – das bedeutet zur Chorprobe im Pfarrsaal am Adolph-Kolping-Platz 1. Hier singt der Dekanatskantor mit den Kastellauner Kirchturmspatzen, also rund 90 jungen Sängerinnen und Sängern von fünf bis 13 Jahren, die zur Chorakademie Kastellaun gehören. Drei verschiedene Gruppen nach Altersstufen gibt es, von Minis über B-Chor hin zum A-Chor, in dem die „alten Hasen“ von 10 bis 13 mitsingen. Sie kommen aus Kastellaun, Simmern oder Kirchberg einmal pro Woche zum Proben, doch an diesem heißen Dienstag ist eine Zusatzprobe für den A-Chor angesagt, denn es steht ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder an: Das viertägige Chorfestival des katholischen  Chor-Dachverbands Pueri Cantores in Trier, zu dem vom 1. bis 5. Juli 3.000 Kinder mit ihren Chören aus ganz Deutschland kommen.

Trotz Schwimmbadwetters wird Klein nicht enttäuscht: Pünktlich um kurz vor vier Uhr sind die 40 Mädchen und 14 Jungs des A-Chores da, stellen ihre Stühle auf, schnappen sich die Notenbücher und sind bereit für die inzwischen dritte Sonderprobe für den großen Auftritt in Trier. Die 11-jährige Leonie Hermes singt seit zwei Jahren im A-Chor mit und war vorher auch schon Mitglied des B-Chores. „Das Programm wird ein bisschen schwieriger – im A-Chor singen wir auch auf Englisch oder anderen Fremdsprachen. Mir macht das Singen einfach Spaß“, sagt sie. „Sh-sh-sh“, „ts-ts-ts“ und „lu-lu-lu“ hallt es kurze Zeit später durch den Raum: Stimm- und Atemübungen sind angesagt. Zum Lockerwerden klopfen die Kinder Arme und Beine ab und schütteln sich aus. Viel muss Klein nicht sagen, die Kinder kennen den Ablauf, sind konzentriert bei der Sache. Dann geht es ans Proben: Ave Maria, Kyrie und Agnus Dei werden einstudiert – für das Begegnungskonzert in der Kirche St. Antonius in Trier. Im Rahmen des Chorfestivals singen die teilnehmenden Chöre in verschiedenen Kirchen, aber auch in sozialen Einrichtungen. Am 3. Juli geht es für die Kinder- und Jugendchöre dann in die verschiedenen Teile des Bistums nach Saarbrücken, Bernkastel oder auch ins Nachbarland Luxemburg und am 5. Steht noch die festliche Abschlussmesse im Trierer Dom an.  

Volker Klein hat die Chöre aufgebaut – seit 20 Jahren arbeitet er als Kirchenmusiker in Kastellaun, davon 16 Jahre als Dekanatskantor. Rund 15 bis 20 größere Auftritte hat der A-Chor im Jahr und hat im März sogar den ersten Platz beim Kinder- und Jugendchor-Wettbewerb des Saarländischen Rundfunks belegt. Das Programm umfasst ein großes Spektrum aller Epochen: Von Mozart über lateinische Messen bis hin zum Popsong „Applaus Applaus“ der Sportfreunde Stiller. Natürlich bedeuteten Kinderchöre einen erhöhten Arbeitseinsatz, sagt Klein, aber es gebe einem auch viel zurück. „Der Chorklang ist einfach toll, filigraner, feiner. Kinder- und Jugendchöre halten einen selber jung“, lacht er. „Man bekommt jetzt nicht direkt ein Dankeschön, aber allein die Tatsache, dass sie jede Woche wiederkommen und eben nicht im Schwimmbad sind – das freut mich einfach und ist eine gute Motivation.“

Weitere Informationen zu den Kinder- und Jugendchören in Kastellaun gibt es unter www.musikforum-kastellaun.de und zum Festival Pueri Cantores unter www.chorfestival2015.de.