Dienstag, 3. November 2015

Zuhören, beraten, einfach da sein

Telefonseelsorge Trier wird 40 Jahre alt – Bischof bedankt sich bei Ehrenamtlichen

Trier  – Seit 40 Jahren leihen sie ihr Ohr Menschen, die Sorgen und Probleme haben. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge Trier hören zu, beraten, sind einfach da – und das rund um die Uhr. Am 5. November 1975 wurde die Telefonseelsorge Trier ins Leben gerufen. In ganz Deutschland wird die Telefonseelsorge – die 105 Niederlassungen hat – nächstes Jahr sogar 60 Jahre alt. Aus diesem Grund hat sich Bischof Dr. Stephan Ackermann am 2. November mit Ehren- und Hauptamtlichen in der Telefonseelsorge Trier getroffen. „Telefonseelsorge ist Dienst am Menschen“, bedankte sich der Bischof bei den Mitarbeitenden für Ihre Leistung. Ihr Engagement sei „unverzichtbar“. Anlass war zudem ein Aktionstag der Telefonseelsorge Deutschland unter dem Motto: "Leitung an die Leitung".

Es war auch ein 2. November, an dem der anglikanische Pfarrer Chad Varah 1954 in London die Idee der Telefonseelsorge überhaupt ins Leben rief: Er platzierte eine Zeitungs-Anzeige mit den Worten: „Bevor du beschließt, dich umzubringen, ruf mich an.“ Die Hilfe für Selbstmordgefährdete sei nach wie vor eine wichtige Aufgabe der Telefonseelsorge, erklärt der Trierer Telefonseelsorge-Leiter Pater Gerd Dieter Eigelshoven. Die Hauptgründe für die allein im Jahr 2014 insgesamt 12.344 geführten Gespräche seien aber Partnerschaft und Familie, diagnostizierte psychische Erkrankungen sowie Einsamkeit. Durchschnittlich dauert ein Gespräch 21 Minuten. Die Anrufer sind im Schnitt zwischen 30 und 59 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter erhöhe sich die Zahl der Anrufe zum Thema Einsamkeit und Isolation. Dies habe vor allem in den letzten Jahren sehr zugenommen, erklärt „Maria“, die aus Gründen der Anonymität der Telefonseelsorge ihren echten Namen nicht nennen kann. Seit 18 Jahren ist sie bereits dabei. Auch ihre eigene Arbeit habe sich mit der Zeit verändert. „Als ich angefangen habe, machte ich mir noch auf dem Papier handschriftliche Notizen für die Statistik“, erklärt sie. Heute klickt sie einfach ein Kästchen am Computer an. Und was besonders wichtig für die Mitarbeiter sei: Die neue Kaffeemaschine, die über die Zeit angeschafft wurde.

Als der damalige Trierer Bischof Bernhard Stein 1975 den Orden der Redemptoristen damit beauftragte, in Trier eine Telefonseelsorge zu begründen, stemmten sie die Arbeit zu zweit. „Sie brachten ihre Verpflegung mit und warteten, dass das Telefon klingelt“, erklärt der Redemptoristen-Pater Eigelshoven. Heute sind 71 Männer und Frauen, katholisch und evangelisch, im Einsatz. Eine Schicht dauert vier Stunden, abends sogar doppelt so lange – so dass zu jeder Zeit jemand das Telefon abnehmen kann. Zudem bietet die Telefonseelsorge Trier auch E-Mail-Beratung an, bei der durch ein Computersystem der Absender der eingehenden Mail verschlüsselt wird, so dass auch hier eine anonyme Beratung gewährleistet wird.

„Ich bekomme durch meine Arbeit viel mehr als ich gebe“, sagt „Paul“. Seit zwölf Jahren ist er bei der Telefonseelsorge engagiert. „Ich habe damals eine sinnvolle Beschäftigung gesucht“, sagt er. Mit den anderen Ehrenamtlichen und den Hauptamtlichen könne er sich auch jederzeit austauschen. Alle drei Wochen gibt es Supervision, das heißt, die Mitarbeiter besprechen, was sie erlebt haben. Sie bekommen aber auch Unterstützung, wenn sie direkt Gesprächsbedarf haben. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Maria.

Die Telefonseelsorge Trier sucht immer wieder neue Ehrenamtliche. Weitere Informationen unter: www.telefonseelsorge-trier.de. Ratsuchende erreichen die Telefonseelsorge jederzeit unter: 0800 111 0 222.