Bericht zum zweiten Entwurf - vorgelegt am 23. Oktober 2017

Pfarreien der Zukunft im Bistum Trier

Rückblick

Dem Votum der diözesanen Räte vom 3. Oktober 2016 folgend hatte die Teilprozessgruppe "Raumgliederung" im Auftrag des Bischofs am 24. März 2017 einen Entwurf vorgelegt, der insbesondere den dritten Perspektivwechsel des Synodendokumentes konkretisieren sollte, um einen territorialen und strukturellen Rahmen für die inhaltliche Neuausrichtung des Bistums bereitzustellen; diese inhaltliche Neuausrichtung hat die Synode eingeleitet. Die Erneuerung des christlichen Lebens soll im Vordergrund stehen.

Als der Entwurf für eine neue Raumgliederung des Bistums Trier den diözesanen Räten vorgestellt wurde, war das Echo groß. Sowohl in den Regionen des Bistums als auch darüber hinaus wurde der Entwurf sehr aufmerksam wahrgenommen.

Neuer / geänderter Entwurf

Heute legen wir Ihnen nach der Resonanzphase den geänderten Entwurf vor.

Auffallend war vor allem zu Beginn der Resonanzphase (24. März bis 30. September 2017), dass erst nach der Vorstellung des Raumgliederungsentwurfes bei vielen Menschen und Gruppen eine erste intensive Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Synode stattgefunden hat. Dies hat bei einigen Gläubigen zu Erschrecken geführt und zum Teil auch für Empörung gesorgt, die unter anderem auch bei den acht Resonanzveranstaltungen mit Bischof Stephan mit insgesamt ca. 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sichtbar wurde. Die hohe Teilnehmerzahl ist erfreulich und macht das große Interesse und die emotionale Bindung deutlich.

Häufig wurde der Vorwurf geäußert, die Raumgliederung sei „von oben herab“ beschlossen und die Pfarreien seien selbst nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden gewesen. Es kamen unmittelbar im Anschluss an die Vorstellung des Entwurfs der neuen Pfarreien auch die inhaltlichen Fragen auf, bei denen die nachfolgenden Teilprozessgruppen positiv ansetzen können . Insbesondere gab es Fragen nach der weiteren Gestaltung und den weiteren Plänen, nach dem „Schicksal“ der dann ehemaligen Pfarreien; die Befürchtung einer stärkeren Zentralisierung wurde mehrfach zur Sprache gebracht.

(In vielen Rückmeldungen tauchen Themen und Hinweise auf, die inhaltlich nicht ausdrücklich zur Frage der Raumgliederung passen. Diese werden an die zuständigen Teilprozessgruppen übergeben, sobald diese ihre Arbeit aufgenommen haben.)

Hilfreiche Rückmeldung und Hinweise

Gerade in den Resonanzveranstaltungen mit Bischof Stephan wurden die Spannungen zwischen Struktur und Inhalt, zwischen territorialer Weite und gewünschter Nähe zu den Menschen deutlich und oft auch spürbar. Den vielen schriftlichen Rückmeldungen konnten wir sehr viele konkrete Hinweise zu Raumgrenzen, zu infrastrukturellen und emotionalen Verbundenheiten, zu Verkehrswegen, zur historischen Bedeutung einzelner Orte oder Kirchen, zu kommunalen Verflechtungen etc. entnehmen. Dafür waren und sind wir als Teilprozessgruppe dankbar, denn genau diese detaillierte Ortskenntnis konnten wir im Vorfeld nicht flächendeckend in den Erarbeitungsprozess einbringen.

Sehr hilfreich waren auch die über 250 Rückmeldungen aus den pfarrlichen Gremien. Vielen Schreiben von Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten, von Pfarreien- und Kirchengemeinderäten sowie von Verbandsvertretungen war ein ernsthaftes und konstruktives Ringen um einen guten Vorschlag und zum Beispiel alternative Raumgrenzen deutlich anzumerken.

Viele in der Kirche hauptberuflich Tätige im pastoralen Dienst haben ebenfalls Rückmeldung gegeben. In den Schreiben und Voten der Pastoralteams und Dekanatskonferenzen wurde meist auch das interne Abstimmungsergebnis (pro und contra) des jeweiligen Gremiums mitgeteilt; dem war zu entnehmen, dass es vielerorts auch gegenläufige Einschätzungen gab.

Rückmeldungen "von außen"

In diese Phase fallen auch eine beachtliche Anzahl von Rückmeldungen von kommunalen Amtsträgern und Gremien. Landräte, Verbands- und Ortsbürgermeister und/oder kommunale Gremien äußerten sich in der Regel sehr konstruktiv und gaben viele wichtige Hinweise aus kommunaler Perspektive. Oft war neben der Frage des Pfarrortes in diesen Schreiben die Kommunalreform in Rheinland-Pfalz als relevantes Thema genannt, verbunden mit der Bitte, die sich jeweils abzeichnenden kommunalen Orientierungen angemessen zu berücksichtigen. Nicht zuletzt haben eine ganze Reihe von Caritasverbänden sowie Jugendverbände und einzelne andere kirchliche Akteure sich geäußert und Hinweise gegeben.

In einer Gesamtschau der Rückmeldungen und Resonanzen lässt sich feststellen, dass unser Entwurf vom 24. März 2017 in der Frage der Größenordnung der Pfarreien der Zukunft überwiegend bestätigt wurde.

Vorschläge & Rückmeldungen: nur teilweise umsetzbar

Fast überall zeigte sich in unseren weiteren Beratungen, dass ein Dominoeffekt einsetzt, wenn man z.B. nicht nur kleine Teile der Raumgrenzen ändert, sondern ganze Pfarreiengemeinschaften anders zuordnet, als bisher vorgeschlagen. Es gab in einigen Regionen des Bistums konkrete Vorschläge, geplante Pfarreien der Zukunft zu teilen oder eine neue zusätzliche Pfarrei der Zukunft zu gründen. Alle diese Vorschläge haben wir sorgfältig geprüft und eingehend diskutiert.

Nur in wenigen Fällen konnte die TPG diesen Anliegen jedoch entsprechen: Eine Teilung einer vorgeschlagenen Pfarrei der Zukunft oder die Bildung einer zusätzlichen Pfarrei hätte in den meisten Fällen zu kleine Pfarreien entstehen lassen. Diese könnten etwa dem pastoralen Anliegen der Synode nicht entsprechen, die Pfarrei solle ein vielfältiges Netzwerk von Ideen, Initiativen, Kirchorten, Themenzentren etc. abbilden und ermöglichen (vgl. Perspektivwechsel "Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern"). Auch ein Mindestmaß an Verwaltungsunterstützung könnte für zu kleine Einheiten nicht vorgehalten werden. Ebenso wäre wohl eine entsprechende Ausstattung mit pastoralem Personal schwierig umzusetzen.

Einige Details

  • Große Flächen / kleine Katholiken-Zahlen Switch

    Die im ersten Entwurf vorgeschlagenen Pfarreien der Zukunft Prüm, Neuerburg und Idar-Oberstein haben nur deswegen deutlich weniger Katholiken, weil die Fläche der jeweiligen Pfarrei sehr groß und die Verkehrsinfrastruktur im geplanten Raum eher schlecht ausgebaut ist. Sicherlich wird hier der im Synodendokument formulierte Abschied besonders konkret und schmerzlich spürbar werden.

    (Im Synodendokument wird ein notwendiger Abschied „von der Vorstellung, dass die bisherigen Pfarreien als pastorale Handlungsebene unverändert fortbestünden“, formuliert.)

  • Pfarreiengemeinschaften nicht teilen? Switch

    In vielen Schreiben wurde darum gebeten, bestehende Pfarreiengemeinschaften nicht verschiedenen Pfarreien der Zukunft zuzuordnen, sondern zusammen zu lassen. Meist wurden dafür als Argumente eine gute bestehende Zusammenarbeit oder territoriale Gründe genannt. Diesem Wunsch kann der überarbeitete Entwurf im saarländischen Teil des Bistums vollständig entsprechen; im Rheinland-pfälzischen Teil war das nur bedingt möglich.

  • Problem "Randlage" Switch

    Viele Rückmeldungen kamen aus Ortschaften, die in einer geplanten Pfarrei der Zukunft eine Randlage haben oder an den Außengrenzen des Bistums liegen. Hier wurde die Befürchtung genannt, dass durch die Festlegung eines Pfarrortes das kirchliche Angebot zentralisiert würde, was zu einer Vernachlässigung der Randgebiete führen könnte.

So haben wir in der Teilprozessgruppe gearbeitet

Die Teilprozessgruppe hat nach einer anfänglichen Sichtung das Bistum in fünf Bereiche eingeteilt:
Saarland,
Eifel-Ahr, Hunsrück-Mittelrhein, Mosel-Koblenz und Trier.
Die Grenzen dieser Bereiche ergaben sich aus den Resonanzen; sie markieren den territorialen Zusammenhang der Pfarreien und der Rückmeldungen. Die Einteilung in fünf Bereiche diente allein der besseren Übersichtlichkeit und Einordnung der Resonanzen und der Konsequenzen, die daraus gezogen wurden. In der Gesamtschau haben wir an vielen Stellen die Raumgrenzen zum Teil deutlich verändert, die Gesamtanzahl der Pfarreien um zwei auf nun 33 Pfarreien der Zukunft reduziert.

Der "Pfarrort": noch keine Festlegung

Die Frage des Pfarrortes bedarf einer weitergehenden Befassung. Es gab auch hier eine Reihe dienlicher Hinweise und Begründungen. Insbesondere die Teilprozessgruppe „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüros der Pfarreien der Zukunft“ wird für die endgültige Bestimmung des Pfarrortes wichtige Hinweise liefern. Darüber hinaus ist es wichtig, die Expertise der Immobilienabteilung des Bistums einzuholen. Daher soll die Frage der Pfarrorte erst im Lauf des Jahres 2018 endgültig geklärt werden. Die Benennung der vorgeschlagenen 33 Pfarreien der Zukunft ist insofern nur als vorläufiger „Arbeitstitel“ zu betrachten.

Dank

Abschließend ist es mir ein Anliegen, denjenigen zu danken, die konstruktive und sachdienliche, aber auch kritische Rückmeldungen gegeben haben. Sie haben bei aller Kritik bereits jetzt wichtige Hinweise zur Gestaltung der Pfarreien der Zukunft gegeben und im Detail zu vielen Änderungen bei der vorgelegten Raumgliederung geführt.

Clemens Grünebach, dec.

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