Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

Die folgenden Leitsätze wurden von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Kloster Schöntal am 18. Februar 2016 verabschiedet:

In unseren Tagen haben Flucht und Vertreibung weltweit ungekannte Ausmaße erreicht. Zwar bleiben die meisten Flüchtlinge nach wie vor in den Krisenregionen des Mittleren Ostens und Afrikas. Doch angesichts der schlechter werdenden Versorgungslage und zunehmenden Perspektivlosigkeit in den Flüchtlingslagern vor Ort sucht eine wachsende Zahl von Menschen Zuflucht in Europa. In der aktuellen Situation erleben wir in unserem Land ein beeindruckendes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft. Zugleich sind vielerorts die Anzeichen der Ratlosigkeit und Überforderung unverkennbar. Nicht selten wird in der öffentlichen Debatte auch ein rauer Tonfall angeschlagen, der den Anliegen der schutzsuchenden Menschen in keiner Weise gerecht wird. Insbesondere die Zunahme an fremdenfeindlichen Gewalttaten gibt Anlass zu großer Sorge.Die gegenwärtigen Fluchtbewegungen stellen Deutschland und Europa vor neue Herausforderungen, die nur mit einer tragfähigen ethischen Orientierung zu bewältigen sind. Die Kirche weiß sich in dieser schwierigen Situation auf besondere Weise gefordert. Als Christen setzen wir uns mit Entschiedenheit für die Anliegen der Flüchtlinge und Asylsuchenden ein. Dabei haben wir immer auch das Wohl der gesamten Gesellschaft und insbesondere die Bedürfnisse der benachteiligten Menschen in unserem Land im Blick.
Das vorliegende Arbeitspapier soll der Vergewisserung über leitende Prinzipien und vorrangige Themenfelder des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge dienen.

 

Grundlagen des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

  1. Die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten gehört zum Selbstverständnis der Kirche. Unsere christliche Identität tritt gerade dann besonders deutlich zutage, wenn jede Person, die in unserem Land Zuflucht sucht, menschenwürdig behandelt wird.
  2. Die kirchliche Flüchtlingshilfe vollzieht sich auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens. Sie zeichnet sich durch die Vielfalt ihrer Akteure und Kompetenzen aus.
  3. Das kirchliche Engagement für Flüchtlinge legt einen besonderen Fokus auf menschliche Begegnung und persönliche Begleitung. Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass die Kirche nur einer von mehreren relevanten Akteuren im Bereich der Flüchtlingshilfe ist.
  4. Die Kirche vertritt die Anliegen aller benachteiligten Menschen. Das kirchliche Engagement für die vielen Menschen, die an die Ränder unserer Gesellschaft gedrängt werden, wird mit unverminderter Energie fortgesetzt.
  5. Die Integration von Menschen mit anderer kultureller oder religiöser Prägung stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die Kirche kennt ihre besondere Verantwortung für das Gelingen gesellschaftlicher Integrationsprozesse.


Themenfelder des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge

  • Begleitung, Qualifizierung und Stärkung des ehren-und hauptamtlichen Engagements in der kirchlichen Flüchtlingshilfe
  • Seelsorge
  • Wohnraum
  • Gesellschaftliche Teilhabe durch Arbeit –Ausbildungsstellen und berufliche Perspektiven für Flüchtlinge
  • Gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung –Förderung von Flüchtlingen in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung
  • Gesundheitsversorgung und psycho-soziale Begleitung von Flüchtlingen
  • Schutz UnbegleiteterMinderjähriger Flüchtlinge
  • Geflüchtete Frauen
  • Solidarität mit Christen
  • Interreligiöser und interkultureller Dialog – Kooperationen mit muslimischen und jüdischen Akteuren in der Flüchtlingshilfe
  • Internationale Flüchtlingshilfe
  • Politische Positionierungen in Fragen von Flucht und Asyl


Die Deutsche Bischofskonferenz Informiert zu dem über ein Internetangebot über die umfangreiche Flüchtlingshilfe der katholischen Kirchen in Deutschland.
Auf der Seite finden Sie die oben ausgeführten Leitsätze der Deutschen Bischofskonferenz, unterschiedliche Veranstaltungshinweise, Informationen über die Flüchtlingsarbeit in den verschiedenen Bistümern und jeweilige Ansprechpartner. Auch gibt es einen Newsletter, der abonniert werden kann.
Den direkten Link zum Dokument der Leitsätzen der Deutschen Bischofskonferenz finden Sie hier.

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