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Die Grundlagen unseres Lebens bleiben im Tiefsten ein Geschenk Gottes

"Wort zum Sonntag" auf SWR 2 am 3.8.2008 von Weihbischof Dr. Stephan Ackermann


Verehrte Hörerinnen und Hörer!

»Tank voll, Teller leer?!« - Dieser bitter-ironische Slogan, verehrte Hörerinnen und Hörer, machte vor einigen Monaten die Runde. Mit kritischem Finger verweist er auf die Tatsache, dass mehr und mehr Ackerflächen unserer Erde für den Anbau nachwachsender Rohstoffe verwendet werden. In riesigen Monokulturen werden Pflanzen wie Mais, Soja und Zuckerrohr angebaut, um daraus Biosprit zu gewinnen. Angesichts des gigantischen Energiebedarfs gerade der westlichen Welt ist es kein Wunder, dass die Erzeuger auf diese Weise mit ihren Produkten bessere Preise erzielen als mit dem Verkauf von Nahrungsmitteln.

Freilich, es wäre verkürzt, den Grund für die Verknappung und Verteuerung der Lebensmittel allein im ständig wachsenden Rohstoffbedarf zu sehen. Klimatische Bedingungen, politische Systeme und steigender Wohlstand in den großen Schwellenländern wie etwa Indien und China sind ebenfalls wichtige Faktoren. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass es derzeit eine globale Nahrungsmittelkrise gibt, von der vor allem die armen Länder massiv betroffen sind.

In der Leseordnung der katholischen Kirche wird an diesem Sonntag die Erzählung von der wunderbaren Speisung der Fünftausend vorgetragen, so wie sie das 14. Kapitel des Matthäusevangeliums schildert (14,13-21): Die Menschen folgen Jesus in die entlegensten Gegenden am See Gennesaret. Bis in den späten Abend hinein weichen sie nicht von seiner Seite. Schließlich drängen die Jünger darauf, die Leute wegzuschicken, damit sie sich in den umliegenden Dörfern etwas zu essen kaufen können. Daraufhin antwortet Jesus ihnen: Die Menschen »brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen.« Angesichts der knappen Vorräte scheint diese Aufforderung Jesu völlig abwegig. Doch er nimmt die vorhandenen fünf Brote und die zwei Fische, spricht das Dankgebet über sie und lässt beides an die Leute austeilen. Wir wissen, wie die Geschichte ausgeht: Am Ende werden mehr als fünftausend Menschen satt, und es bleiben sogar noch zwölf Körbe mit Brotstücken übrig.

Ausleger dieser Bibelstelle weisen immer wieder gerne darauf hin, dass es nur auf das richtige, geschwisterliche Teilen ankomme, damit alle satt werden. Tatsächlich, wer wüsste nicht Situationen zu benennen, in denen man am Ende erstaunt und erleichtert feststellen durfte, dass eine scheinbar viel zu knappe Menge an Essen doch für alle ausgereicht hat. Und ebenso ist es eine erschütternde Binsenwahrheit, dass 840 Millionen Menschen keinen Hunger leiden müssten, wenn wir nur bereit wären, die vorhandenen Güter dieser Erde gerechter zu verteilen.

Das Evangelium dieses Sonntags will aber noch über diese alltäglichen Wahrheiten hinausgehen, sonst würde es in seinen Mengenangaben nicht so übertreiben: Denn von fünf Broten und zwei Fischen werden selbst beim besten Willen keine Fünftausend satt. Wollte das Evangelium bloß an unser Herz und unseren gesunden Menschenverstand appellieren, hätte es besser daran getan, realistischere Zahlenverhältnisse zu wählen. Es geht dem Evangelium aber um mehr als um ein humanitäres Rechenexempel. Es will uns daran erinnern, dass die Grundlagen unseres Lebens – noch über unseren guten Willen zum Teilen hinaus – im Tiefsten Geschenk Gottes bleiben, Gabe aus seiner verschwenderischen Fülle. Das enthebt uns Menschen nicht unserer Verantwortung füreinander, im Gegenteil: Es nimmt uns noch mehr in die Pflicht. Denn es erinnert uns eindringlich daran, dass wir Söhne und Töchter des einen Vaters im Himmel sind. Wir verdienen uns das Leben nicht. Es ist uns allen unterschiedslos geschenkt. Deshalb haben weder einzelne noch Gesellschaften das Recht, die uns gemeinsamen Lebensressourcen so an sich zu reißen, als ob sie erworbener Privatbesitz seien. Wer immer daher das Brot empfängt, das Jesus gibt, kommt nicht an der Botschaft vorbei, die es enthält.

Ich wünsche Ihnen einen frohen Sonntag!

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