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Leben aus Gottes unbegrenzter Zukunft

Fastenzeit: eine Erneuerung, die unsere Lebenserfahrung ernstnimmt
Wort zum Sonntag auf SWR 2 - 29. März 2009 - von Weihbischof Dr. Stephan Ackermann

»Was,
wenn ich dir sagen würde,
dass ich nicht älter werde
wie alle anderen.
Ich werde jünger.«

Dieses verwunderliche Geständnis steht in der Mitte eines Films, der Ende Januar in die Kinos kam. Sein Titel: »Der seltsame Fall des Benjamin Button«. In diesem Film ist der Prozess des Alterns auf den Kopf gestellt: Denn Benjamin Button wird mit dem Gehirn eines Säuglings, aber mit dem Körper eines Achtzigjährigen geboren. Im Verlauf des Films wird er immer jünger, während alle anderen um ihn herum altern. Die große Liebe seines Lebens ist Daisy. Er begegnet ihr das erste Mal, als sie ihre Großmutter besucht: ein niedliches Mädchen, er dagegen ein verhutzelter Greis mit dicker Brille, aber einem Kinderkörper. Nur kurze Zeit schrumpft der Altersunterschied zwischen den beiden gegen Null. Zusammen stehen sie vor einem Spiegel und betrachten sich. Benjamin legt seinen Arm um Daisy und will diesen Moment für immer in Erinnerung behalten. Denn der Zug ihres Lebens fährt unaufhaltsam weiter, wenn auch in jeweils umgekehrter Richtung: Während Benjamin immer jugendlicher wird, beginnt Daisy sichtbar zu altern.

Es ist eine skurrile Geschichte, die der Film erzählt. Sie spielt mit den verschiedenen Phasen des menschlichen Lebens und stellt dabei unsere gewohnten Kategorien auf den Kopf. Alt und jung bilden in diesem Film nicht einen sich ausschließenden Gegensatz. Im Gegenteil: Bei Benjamin, der Hauptfigur, fällt beides ineins. Er wird älter und jünger zugleich.

Seit dem Beginn der Fastenzeit an Aschermittwoch habe ich häufiger an die Geschichte von Benjamin Button denken müssen. Denn immer wieder ist in den kirchlichen Gebeten während der sogenannten heiligen Vierzig Tage die Rede davon, dass wir den »alten Menschen« mit seinen alten Gewohnheiten ablegen sollen, um neu zu werden. Ist die Fastenzeit also eine Art von spiritueller »Verjüngungskur«, so etwas wie ein kirchlicher »Jungbrunnen«? – Eine faszinierende Perspektive, die zugleich etwas Naives hat. Möchten wir wirklich auf der Höhe unseres Lebens noch einmal siebzehn sein? Das wäre doch nur dann attraktiv, wenn wir unsere Erfahrungen behalten könnten; wenn wir uns mit all den Fragen, Unsicherheiten und Ängsten, die zu Kindheit und Jugend gehören, nicht noch einmal herumschlagen müssten.

Die Philosophin Gerl-Falkovitz hat Recht: »Die Zeit [unseres Lebens] verbrennt an uns das Unbekümmerte, die Aufbruchsfreude; aber sie arbeitet auch etwas heraus: das Si¬cherwerden über sich selbst, den Reich¬tum der Erfahrungen, das Unterscheiden von Wichtigem und Aufgeblasenem, einfachhin: die Reife.« Wer gereift ist, nimmt sich selbst nicht mehr so wichtig, wird leichter, beschwingter, und in diesem Sinne jünger.

Zu dieser Verjüngung trägt auch der Glaube bei. Der Apostel Paulus hat es am eigenen Leib beglückend erlebt: »Wir werden nicht müde«, schreibt er den Christen in Korinth, »wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert« (2 Kor 4,16). Diese Art der Erneuerung bietet uns die Fastenzeit an: Nicht Neustart durch Drücken der Nulltaste, nicht babyhafter Neuanfang, sondern eine Erneuerung, die unsere Lebenserfahrung ernstnimmt und durch allen äußeren Verschleiß hindurch den »inneren Menschen« heranwachsen lässt. Es ist der Mensch, der aus der Verbindung mit Jesus Christus lebt. Auf ihn kommt es an. Er altert nicht. Er bleibt jung. Denn er lebt aus der unbegrenzten Zukunft Gottes.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Sonntag!

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