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Serie im Paulinus und im Synodenblog

Impulse von Bischof Stephan zum Papstbrief "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland"

Am 29. Juni 2019 hatte Papst Franziskus sich in einem Brief an „das pilgerne Volk Gottes in Deutschland“ gewandt. Bischof Dr. Stephan Ackermann findet, dass der Brief auch viele spirituelle Anregungen für den diözesanen Weg der Synodenumsetzung im Bistum Trier und das Vorhaben, das synodale Prinzip bistumsweit zu leben, enthält. Deshalb wird er ab dem 8. September 2019 in den folgenden zehn Wochen jeweils kurze Impulse zu zehn Kernaussagen aus dem Papst-Brief geben. Sie sind im Paulinus zu lesen und ab dem jeweiligen Sonntag auf dieser Seite sowie im Synodenblog zu finden.

  • Folge 2: Was bedeutet Synodalität in der Kirche? Switch

    Es handelt sich im Kern um einen synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. (Brief von Papst Franziskus, Nr. 3)

    Es ist wahr: Die Kirche ist keine Demokratie. In ihr herrscht nicht das Prinzip der Volkssouveränität, die „Selbstregierung der Regierten“. Die Kirche ist aber auch nicht einfach eine Monarchie von Papst und Bischöfen. Sie ist die Gemeinschaft derjenigen, denen Jesus Christus sich mit seiner Botschaft anvertraut hat zum Heil der ganzen Welt. Wenn wir daher von Synodalität in der Kirche sprechen, geht es im Kern um die gemeinsame Verantwortung aller Glieder der Kirche für die Botschaft, die nicht von Menschen ausgedacht worden ist und über die Menschen nicht abgestimmt haben. Gemeinsame Verantwortung kann aber nur wahrgenommen werden, wenn möglichst viele an ihr beteiligt werden.

    Wenn Papst Franziskus Synodalität in der Kirche vom griechischen Ursprungswort her als einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes versteht, dann will er damit sagen, dass Synodalität sich nicht im Austausch von Positionspapieren und in Debatten erschöpft, sondern bei den Beteiligten die Bereitschaft voraussetzt, sich persönlich aufeinander einzulassen und gemeinsame Erfahrungen zu machen. Dafür steht das Bildwort vom Weg: Miteinander gehen heißt eben nicht, nur punktuell und aus sicherer Distanz heraus in Kontakt zu treten. Es heißt, bereit zu sein, aufrichtig auf den Anderen zu hören und sich von dem positiven „Verdacht“ leiten zu lassen, der/ die Andere könnte auch Recht haben, vielleicht sogar mehr als ich … Von Dietrich Bonhoeffer stammt das aufrüttelnde Wort: „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.“ Christus spricht zu mir ja nicht etwa nur durch das Wort der Heiligen Schrift oder des Gewissens, sondern auch durch Menschen, die mir begegnen. Um das zu erfahren, braucht es vor allem Reden die Bereitschaft zur Aufmerksamkeit und zum geduldigen Zuhören. Das schließt die Debatte über kontroverse Standpunkte nicht aus. Das war auch bei unserer Diözesansynode so. Am Ende aber stand – für die Synodalen oft selbst überraschend – eine Einmütigkeit, die mehr und anderes war als bloß der kleinste gemeinsame Nenner aller Meinungen. So stelle ich mir einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes vor.

  • Folge 1: Zum Rückgang des kirchlichen Lebens in Deutschland Switch

    Es ist dies ein sicherlich facettenreicher und weder bald noch leicht zu lösender Rückgang. Er verlangt ein ernsthaftes und bewusstes Herangehen und fordert uns in diesem geschichtlichen Moment wie jenen Bettler heraus, wenn auch wir das Wort des Apostels hören: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!“ (Apg 3,6)

    Brief von Papst Franziskus vom 29. Juni 2019, Nr.2

    Dazu schreibt Bischof Stephan:
    Der Papst gibt in seinem Brief keine vorschnellen Antwort und Rezepte. Er bleibt dem Grundprinzip seines Vorgehens treu. Es heißt: Annehmen – Unterscheiden – Integrieren. Das ist das Erste: Die Wirklichkeit der Personen und der Dinge, bevor wir sie beurteilen, sie selbst sein zu lassen, sie in diesem Sinne annehmen und gelten lassen. Dann kommt der Schritt der Unterscheidung, bei dem es darum geht, die Realitäten aufmerksam anzuschauen und zu prüfen, nicht zuletzt im Licht des Glaubens. Das Ziel schließlich besteht für den Papst nicht darin, möglichst viele Aspekte der Wirklichkeit auszuscheiden, um allein den unverfälschten Kern herauszuschälen. Das Ziel heißt: einbeziehen, integrieren. Ganz im Sinne Jesu, der sagt: „Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Joh 6,37)

    Es ist entlastend zu hören, dass der Papst vom synodalen Weg in Deutschland keine schnelle Revitalisierung und Erneuerung des kirchlichen Lebens erwartet. Es ist ihm bewusst, dass viele Faktoren zu der Situation beitragen, wie wir sie derzeit erleben.

    Überraschend ist der Vorschlag, den der Papst zum Vorgehen macht: Er bezieht sich auf die Stelle in der Apostelgeschichte, an der erzählt wird, wie die Apostel Petrus und Johannes am Nachmittag zum Gebet in den Tempel gehen und dabei von einem Gelähmten angebettelt werden. Petrus antwortet ihm: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!“ Der Papst sieht die Kirche in Deutschland nicht in der Rolle des Apostels, der dem Bettler mit Vollmacht die Kraft Jesu zuspricht, damit er auf die Füße kommt. Das wäre die traditionelle Auslegung: Die Kirche ist diejenige, die spricht und gibt. Der Papst sieht uns stattdessen in der Rolle des Bettlers, dem die Kraft des Auferstandenen zugesprochen werden muss. Diese Kraft ist mehr als „Gold und Silber“, also menschliche Mittel der Absicherung. Damit bietet der Papst eine ebenso ermutigende wie herausfordernde Perspektive an.


Erste Reaktion von Bischof Ackermann zur Veröffentlichung des Briefes

"Deutlich, wie sehr Papst Franziskus eine synodale Kirche wünscht"

Liebe Mitchristen im Bistum Trier!

Mit Datum vom heutigen Tag [29. Juni 2019] hat Papst Franziskus einen Brief an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ gerichtet. In diesem Brief nimmt der Heilige Vater Bezug auf die aktuelle Situation der Kirche in unserem Land und auch auf den synodalen Weg, den wir deutschen Bischöfe für die kommenden Jahre vorgeschlagen haben.

Da das Schreiben des Papstes eben nicht nur an die Bischöfe gerichtet ist, sondern an das ganze Volk Gottes in unserem Land, möchte ich Ihnen den Text, der heute [29. Juni 2019] um 12.00 Uhr in Rom veröffentlicht wird, auf diesem Weg übermitteln.

Gerne empfehle ich Ihnen die Gedanken des Papstes, denn sie machen deutlich, wie sehr Papst Franziskus eine synodale Kirche wünscht. Zugleich gibt der Heilige Vater wichtige Hinweise für das Gelingen eines synodalen Miteinanders aus dem Geist des Evangeliums. Meiner Meinung nach wird deshalb das Schreiben ein gutes Begleitdokument für den gesamten synodalen Prozess auf der Ebene der katholischen Kirche in Deutschland sein. Für das Volk Gottes im Bistum Trier kann der Papstbrief eine Hilfe zur Vertiefung des synodalen Weges sein, den wir mit der Ausrufung der Diözesansynode im Jahr 2012 begonnen haben und der sich heute in der Verwirklichung der Synodenbeschlüsse fortsetzt. Sicher werde ich bei verschiedenen Gelegenheiten auf das Schreiben von Papst Franziskus zurückkommen.

Indem ich Ihnen noch einmal gerne die meditierende Lektüre des Schreibens empfehle (wozu sich vielleicht die anstehende Ferienzeit besonders eignet), bin ich mit allen guten Wünschen für eine gute Sommerzeit

Ihr

+ Stephan Ackermann

Weiteres:

Brief von Papst Franziskus zum Synodalen Weg

bei anderen Anlässen