Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Fastenhirtenbrief zur Österlichen Bußzeit 2019

Mit Gott Ja sagen zu allem, was dem Leben dient,

und Nein zu allem, was das Leben zerstört

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Trier,

die 40 Tage der österlichen Bußzeit sind für uns Christen immer wieder eine Zeit der Herausforderung. Die Kirche ruft uns dazu auf, durch Fasten, Gebet und Werke der Nächstenliebe unseren gewohnten Lebensrhythmus zu unterbrechen, uns auf die Botschaft Jesu Christi zu besinnen und unser Leben neu an ihr auszurichten. Was so zu einer Gnadenzeit werden kann, ist aber zuerst eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Ich möchte mit Ihnen in diesem Jahr auf einen speziellen Aspekt dieser Herausforderung schauen. Er zeigt sich gerade dann, wenn wir uns mit Entschlossenheit dem Guten zuwenden wollen.

Die Verdrehung des Guten

Was ich meine, illustriert sehr anschaulich die Erzählung von der Versuchung Jesu, die wir jedes Jahr am Ersten Fastensonntag hören: Angetrieben vom guten, heiligen Geist Gottes bereitet Jesus sich in der Wüste darauf vor, den Menschen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkündigen. Und in genau dieser Situation muss er sich der Anfechtung durch das Böse stellen. In der Gestalt des Versuchers, der an Jesus herantritt, zeigt sich der Hang des Bösen, die Absicht zum Guten zu schwächen. Ja, schlimmer noch: Das Böse setzt sich geradezu an die Wurzel des Guten. Das Böse hat es auf das Schöne und Wahre abgesehen, um es ins Gegenteil zu verdrehen.

Wie ist das bei Jesus? Schauen wir genauer hin: Der Evangelist Lukas schildert uns die Versuchung Jesu in drei Anfragen des Teufels. Mit seiner ersten Anfrage richtet der Versucher den Blick auf das Materielle: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden.“ (Lk 4,3) Es braucht das Brot und das Materielle für unser Leben. Wir Menschen können gar nicht anders als uns auch um materielle Dinge zu sorgen. Wir sind in dieser Welt darauf angewiesen. Unser Körper braucht Nahrung. Und wo käme eine Familie hin, wenn sie nicht für ihr Einkommen sorgen würde? Das ist notwendig. Und es ist auch eine notwendige und verantwortungsvolle Aufgabe, sich um das der Kirche anvertraute Gut zu kümmern, zum Beispiel um das finanzielle Vermögen und um die Gebäude. Aber unser Blick darf sich nicht darauf verengen, so als ob dies das alles Entscheidende wäre. Damit wäre Jesu Anliegen sträflich verkürzt.

Es stimmt schon: Jesus heilt die Kranken; er speist die Hungernden und gibt ihnen, was sie zum Leben brauchen. Doch er entgegnet dem Versucher, dass der Mensch eben nicht nur vom Brot lebt. Alles, was Jesus den Menschen an Gutem gibt, ist immer auch Verweis auf die andere Welt seines Vaters. Auf Jesu Wort und Zeugnis hin glauben wir, dass es Gott gibt, dass Gott in unserem Leben eine Rolle spielt. Wir glauben, dass wir unser Leben auf Christus bauen können, auf sein neues, unzerstörbares Leben, das ihm in der Auferstehung geschenkt wurde. In diesem Glauben kommen die wahre Größe und das Ziel unseres Lebens zum Ausdruck. Auch davon leben wir!

Bei euch soll es anders sein

Im zweiten Angang will der Versucher Jesus mit der Macht und Herrlichkeit aller Reiche der Welt locken. Es ist die glänzende Welt von Ansehen, Ruhm und Macht, die Menschen seit jeher in ihren Bann zieht. Schon die ersten Jünger waren vor dieser Versuchung nicht gefeit und haben sich darum gestritten, wer von ihnen der Größte sei und wer die besten Plätze bekommt (Lk 22,24ff/ Mt 20,20ff). Es scheint, als sei die Versuchung der Macht eine ganz spezifische Versuchung von Amtsträgern in der Kirche, angefangen bei den Aposteln (vgl. auch Mt 16,22ff). Papst Franziskus prangert dies immer wieder an. Allerdings braucht es Macht, wo Menschen zusammenleben: Es braucht die Staatsmacht, um unser Miteinander zu ordnen. Es braucht Vollmachten, damit geregelt ist, wer was darf und zu sagen hat. Jesus handelt mit Macht. Machtvoll gebietet er dem Sturm Einhalt (vgl. Mk 4,39) und treibt Dämonen aus (vgl. Lk 4,33ff). Auch in der Kirche braucht es Macht: etwa die Weihevollmacht des Priesters, um die Sakramente zu spenden, oder die Macht, die Menschen die Möglichkeit gibt, Gemeinde vor Ort zu gestalten, um die Frohe Botschaft konkret erfahrbar zu machen.

Verdrehung der Macht geschieht aber da, wo Menschen über andere Kontrolle erlangen wollen. Macht wirkt besonders zerstörerisch da, wo sie andere Menschen geschickt zu steuern versucht mit Berechnung und Kalkül, wo sie nicht um des anderen selbst willen ausgeübt wird, sondern um eigene Interessen und Ziele durchzusetzen. Wenn Jesus dem Satan mit dem Verweis auf Gott antwortet, vor dem allein man sich niederwerfen soll, dann verweist er damit zugleich auch auf die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens für andere. Gott ist der Herr des Lebens, und im Dienst dieses Lebens hat alle menschliche Macht zu stehen. Das meint Jesus, wenn er den Aposteln einschärft, dass es bei ihnen anders sein soll als bei den Mächtigen dieser Welt (vgl. Lk 22,26).

Vertrauen in Gottes Macht

Die dritte Versuchung lenkt den Blick auf uns selbst. Es ist die Versuchung, nur sich selbst und seinem eigenen Tun zu vertrauen. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab.“ (Lk 4,9) Oder anders gesagt: „Du kannst es allein! Glaube nur an dich und dein Können, dann wirst du gewinnen!“ Ja, es stimmt: Gott handelt mit und durch uns Menschen. Er beruft Menschen mit ihren Gaben und ihrem Können für die Aufgaben, die es für das Reich Gottes braucht. Es geht nicht ohne uns. Wir müssen und dürfen unseren Beitrag leisten, damit das Reich Gottes in dieser Welt wachsen kann.

Auf wie viel Bereitschaft und Einsatz von Menschen treffe ich als Bischof immer wieder im persönlichen Zeugnis einzelner oder in gemeinsamen Initiativen: Christen, die sich bemühen, den Glauben zu leben und dadurch diakonisch und missionarisch in unsere Gesellschaft hinein zu wirken. Doch guter Wille und menschliche Anstrengung allein sind zu wenig. „Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen“ (Ps 127,1), sagt der Psalmist. Und Jesus verweist mit seiner Antwort, Gott nicht auf die Probe zu stellen, darauf, dass wir in all unserem Tun immer auch mit Gott rechnen sollen. Unsere kirchlichen Aktivitäten werden nicht fruchtbar sein, wenn wir Gott nichts mehr zutrauen, wenn wir uns von ihm nichts mehr erwarten. Unsere Bistumssynode hat sich zur Existenz Gottes bekannt, wenn sie sagt: „Gott hat einen Plan für die Welt, für alle Menschen unserer Zeit und auch für die Kirche von Trier.“ (heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen. Abschlussdokument der Synode, Kapitel 1, 2016)

Die Gebetsinitiative für unser Bistum, die im Sommer des vergangenen Jahres gestartet ist, begleitet die Überlegungen und Planungen zur Synodenumsetzung, indem sie das Vertrauen erneuert, dass Gott uns seinen Weg zeigt und uns führt, auch in dieser herausfordernden Zeit.

Das einfache Bekenntnis zum Guten

Unsere Bistumssynode hat uns neu verpflichtet auf „Gottes Ja zu allem, was dem Leben dient, und Gottes Nein zu allem, was das Leben zerstört.“ (heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen. Abschlussdokument der Synode, Kapitel 1, 2016) Wir sind aufgerufen, die Verdrehungen des Guten wieder umzukehren. Die österliche Bußzeit gibt uns auch dieses Jahr wieder Gelegenheit dazu. Das Fasten als Besinnung auf das, woraus wir leben, Werke der Nächstenliebe als bewusste Hinwendung zum Anderen und das Gebet als beständige Erneuerung unseres Vertrauens in Gott sind eine Hilfe, auf Gottes Stimme mehr zu hören als auf das Geflüster des Versuchers. So kommt auch das Gute wieder in unseren Blick.

Ist Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Jesus dem Versucher nicht mit eigenen Formulierungen antwortet? Jesus kennt den Feind des Guten und weiß, wie er die Dinge verdreht. Gerade deswegen lässt er sich nicht mit ihm auf ein Gespräch ein. Er vertraut auf die Stimme Gottes und antwortet auf die Versuchungen jeweils mit Zitaten aus der Heiligen Schrift. Das klare Bekenntnis zu Gott schützt ihn vor der Macht des Bösen.

Der Apostel Paulus greift in der heutigen Lesung auf diese Methode zurück, indem er jedem Christen in Rom ins Stammbuch schreibt: „Wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden.“ (Röm 10,9) Das Ja zum Guten geschieht im Kern durch das einfache Bekenntnis zu Jesus Christus, der durch seine Auferstehung das Böse besiegt hat.

Diesen Sieg feiern wir Christen an Ostern, und wir erneuern in der Feier der Osternacht immer wieder unser Taufbekenntnis. Denn in unserer Taufe haben wir selbst Anteil an dieser Rettung erhalten, von der Paulus spricht. Sie macht uns fähig, dem Bösen abzusagen und mit Entschiedenheit das Gute zu tun (vgl. Tagesgebet vom Aschermittwoch).

In diesen Wochen der Vorbereitung auf das Osterfest begleite und stärke Sie alle der dreifaltige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ihr Bischof
+ Stephan

Weiteres: