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Durchkreuzt - das Kreuz als Symbol des Lebens mit Höhen und Tiefen...

Bischof Stephan Ackermann - Wort zum Sonntag am 13. September 2009 zum Fest "Kreuzerhöhung"

Den Tageszeitungen wird das Fest, das die Kirche morgen feiert, keine Schlagzeile wert sein. Dabei hat sein Inhalt in den letzten Wochen und Monaten gehörig für Schlagzeilen gesorgt. Es gab eine Debatte darüber, ob der muslimische Schriftsteller Navid Kermani den hessischen Kulturpreis bekommt – zusammen mit einem jüdischen Philosophen und zwei Vertretern der beiden Kirchen. Navid Kermani hatte einen – nun ja: missverständlichen Text über ein Kreuzigungsbild in Rom veröffentlicht. Inzwischen haben die vier Preisträger und das Land Hessen sich verständigt… Die Debatte hat aber wieder einmal gezeigt, dass das Kreuz bis heute anstößig ist, dass es stört und verstören kann.

Seit dem 4. Jahrhundert feiern Christen am 14. September das Fest „Kreuzerhöhung“. Sie erinnern sich daran, dass nach der Tradition die Kaiserin Helena im Jahr 320 das Kreuz Jesu Christi in Jerusalem aufgefunden hat. Seitdem zeigte man das Kreuz am Jahrestag: man hielt es hoch, »erhöhte« es vor den Gläubigen. Diese äußere „Erhöhung“ war zugleich sichtbarer Ausdruck der inneren Hochschätzung. Aber: Am Kreuz scheiden sich die Geister. Was für die Christen das Zeichen ihrer Erlösung ist, empfinden andere geradezu als gotteslästerlich und menschenverachtend.

Kreuz: Zeichen für Realismus des Glaubens

Dabei will doch das Kreuz Zeichen für den Realismus des christlichen Glaubens. Ist das Symbol des durchkreuzten Lebens. Damit ist es Zeichen für menschliches Leben überhaupt. Denn welches Leben, mag es erst relativ kurz oder lang sein, ist noch nie durchkreuzt worden? Natürlich wünschen wir uns, dass unser Leben und das unserer Familienangehörigen und Freunde geradlinig verläuft, so wie wir es geplant haben. Die gerade Straße möchten wir, bitteschön. Aber wie oft macht uns die Wirklichkeit einen Strich durch solche Pläne: Mit einem Mal hängt die berufliche Existenz in der Luft und die Lebensplanung ist durchkreuzt. Eine Beziehung, auf die ich gebaut habe, kriselt oder zerbricht gar: Leben – durchkreuzt. Die Gesundheit lässt nach. Ein schwerer Konflikt mit Kollegen, in der Familie, im Bekanntenkreis nimmt mich ganz in Beschlag: Leben durchkreuzt.

Es gibt natürlich auch das andere: positive Durchkreuzungen. Ich lerne neue Leute kennen. Ein Mensch verändert mein Leben. Eine neue berufliche Chance tut sich auf. So ist das menschliche Leben: Die geraden Straßen ohne Knick und Kreuzung, wo gibt es die?

Jesus: "kreuzweise" gestrichen...

In dieses Leben tritt Jesus Christus ein. Er, der einen Siegeszug anzutreten scheint, indem er Kranke heilt; der mit dem, was er sagt und tut, die Menschen in Scharen anzieht. Er muss erkennen, dass er seine Zeitgenossen nicht konflikt- und schmerzfrei für Gott gewinnen wird. Am Horizont seines Weges taucht bald schon als Möglichkeit das Kreuz auf. Selbst die Freunde gehen seinen Weg nicht mehr mit, weil Jesus die Bilder, die sie sich über Gott und die Welt zurechtgelegt haben, durchkreuzt. Deshalb streicht man ihn am Ende »kreuzweise« durch (H. U. von Balthasar).

Und er? Er schreitet nicht - wie man es von einem Gott erwarten würde - ungerührt und machtvoll weiter, um seinen Plan durchzusetzen. Nein, er lässt sein Leben durchkreuzen. Ein uraltes christliches Lied, das uns Paulus überliefert hat, besingt dieses Geschehen: »Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz« (Phil 2,6-8).

Der Jesus-Weg: Nicht nur für Privilegierte...

Wäre Jesus souverän über alle Widerstände hinwegmarschiert: seine Lehre und sein Weg wären nur etwas für Götter, für Privilegierte, für Siegertypen, nicht für Normalsterbliche; erst recht nicht für die Kleinen, für die Verlierer im eigenen Leben und in der Geschichte. Aber Jesus hat bewusst und frei den durchkreuzten Weg gewählt hat; deswegen kann sein Weg auch mein Weg sein.

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