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Oft reicht schon der Schritt zur benachbarten Tür ...

Bischof Stephan Ackermann - Wort zum Weltmissions-Sonntag - 24. Oktober 2010 (SWR 2)

Am besten werden es wahrscheinlich die Autofahrer mitbekommen haben. An den großen Ausfallstraßen und den Straßenkreuzungen, wo strategisch günstig die großen Werbeflächen aufgebaut sind. Da konnte Ihnen verdächtig häufig in den vergangenen Wochen das markante Gesicht von Mutter Teresa entgegen lächeln. Ihr Bild gehört zu einer Werbeaktion des Bischöflichen Hilfswerkes »missio« zum heutigen Sonntag der Weltmission. Mit Mutter Teresa zu werben, das hat seinen Grund. Immer wieder fördern Umfragen zu Tage, dass Mutter Teresa von Kalkutta das wichtigste Vorbild der jungen Generation in Deutschland ist. Fast jeder Vierte der 14- bis 29-Jährigen bezeichnet die Ordensfrau als Vor- und Leitbild – und das weit vor den üblichen Prominenten und Stars.

Indische Ordensfrauen im Fokus

Doch nicht nur deshalb hat sich »missio« für das Gesicht Mutter Teresas entschieden. Jedes Jahr sucht sich das Hilfswerk einen Informationsschwerpunkt, um die Menschen in Deutschland über seine Arbeit zu informieren. In diesem Jahr ist es die Arbeit der Ordensschwestern in Indien. Und Mutter Teresa ist auch heute noch, 100 Jahre nach ihrer Geburt und 13 Jahre nach ihrem Tod, die berühmteste von ihnen.

1979, als sie den Friedensnobelpreis bekam, sagte sie in ihrer Rede: »Lieben Sie die Armen und wenden Sie ihnen nicht den Rücken zu. Denn wenn Sie den Armen den Rücken zuwenden, so wenden Sie ihn Christus zu. Er hat sich selbst zum Hungrigen gemacht, zum Nackten, zum Heimatlosen, so dass Sie und ich Gelegenheit haben, ihn zu lieben. Wo ist Gott? Wie können wir ihn lieben? Es genügt nicht, zu sagen: Mein Gott, ich liebe dich. Wir lieben Gott, indem wir etwas aufgeben, etwas weggeben.«

Engagement für die oft benachteiligten Frauen

Tausende Ordensfrauen in Indien handeln heute genauso. Sie leben diese Botschaft der hingebungsvollen Liebe in einem Land, das trotz wirtschaftlicher und sozialer Fortschritte immer noch von sozialer Spannung und extremer Armut gekennzeichnet ist. Die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit ist seit 1949 offiziell verboten. Dennoch werden in vielen Regionen Indiens weiterhin Menschen benachteiligt. Die überwiegende Mehrheit der Frauen wird nach wie vor als »Menschen zweiter Klasse« behandelt. Umso wichtiger ist es, dass die Ordensfrauen sich den gesellschaftlich Benachteiligten zuwenden. Sie engagieren sich in zahlreichen Projekten, um deren Situation zu verbessern. Sie schenken ihnen ihre Liebe und verkünden damit das Evangelium in einer Sprache, die überall verstanden wird.

Indien - Afrika - Freiwillige aus Bolivien bei uns

Bei uns sagt ein Sprichwort: »Der Glaube kommt auf zwei Beinen.« Das stimmt überall auf der Welt. Es sind Menschen, die überzeugen: es sind die Ordensschwestern in Indien, die Katecheten in Afrika ... Ich denke etwa auch an die jungen Frauen und Männer aus meinem Bistum Trier, denen ich im Sommer in Bolivien begegnet bin und die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten. Sie verzichten auf europäischen Komfort. Sie geben von ihrer Lebenszeit, indem sie sich engagieren in Pfarreien, Ausbildungszentren für Jugendliche oder Kinderheimen. Sie sind die Missionare unserer Zeit. Und sie finden Nachahmer nicht nur in Deutschland. Schon seit einigen Jahren kommen junge Bolivianer ebenso als Freiwillige zu uns, engagieren sich wie ihre deutschen Altersgenossen und geben dabei Zeugnis von ihrem Glauben an das Evangelium, die »Frohe Botschaft« und das »Reich Gottes«, das schon hier und heute seinen Anfang nimmt.

... wenn die Not so nah ist ...

Als Mutter Teresa nach Indien aufbrach, war sie achtzehn. Sie konnte nicht ahnen, wie weit dieser Aufbruch sie führen würde. »Geh und handle genauso« – mit diesem Satz aus dem Lukasevangelium (10,37) lädt der Weltmissionssonntag uns ein, ihrem Beispiel zu folgen. Es muss nicht der Aufbruch zu einem anderen Kontinent sein. Oft reicht schon der Schritt zur benachbarten Tür oder auf die andere Straßenseite.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

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