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Podcast des Bistums "Kreuz & Quer" zu Ostern 2020

Ostern findet statt!

Ich bin Stephan Ackermann, der Bischof von Trier.

Und ich sage Ihnen: Auch in diesem Jahr findet Ostern statt!

Deshalb zuerst und vor allem: Frohe und gesegnete Ostern Ihnen allen!

In normalen Zeiten würde man sich über einen solchen Ostergruß ziemlich wundern: Was heißt hier: „Ostern findet statt“? Das ist doch selbstverständlich. Es steht in jedem Kalender und gehört zum Jahresablauf wie Weihnachten und Silvester.

Die Vernunft besiegt nicht einfach die Gefühle

Aber in diesem Jahr ist alles anders: In der Zeit, in der wir Ostern feiern, herrscht Ausnahmezustand, in den uns ein kleines Virus namens Corona versetzt hat. Shutdown, ganze Länder gleichsam unter Quarantäne; keine öffentlichen Gottesdienste zu den höchsten Feiertagen der Christenheit; der Petersplatz in Rom verwaist. In den Kirchen landauf landab, selbst in den Kathedralen Gottesdienste nur in kleinen Gruppen, hinter verschlossenen Türen, wie in Zeiten der Verfolgung. Aber da ist keine Verfolgung durch Menschen, durch ein glaubensfeindliches Regime, sondern da regieren Vernunft und Vorsicht, um Menschen, die durch das Virus besonders angreifbar sind, zu schützen und um die, die sich um die Erkrankten kümmern, nicht heillos zu überfordern.

Aber: Die Vernunft beseitigt nicht einfach unsere Gefühle von Trauer und Schmerz darüber, dass wir keine festlichen Auferstehungsgottesdienste feiern können mit laut jubelndem Halleluja. Gerade die Lieder, gemeinsam gesungen, gar geschmettert, gehören doch zu Ostern genauso wie die Ostereier – wenigstens für gläubige Christen.

Vielleicht näher am ursprünglichen ersten Ostertag

Doch der Stein, der uns durch die weltweite Corona-Pandemie auf der Seele lastet, ist noch nicht weggewälzt: Ausgangsbeschränkungen; noch kein freier Weg nach draußen ins volle Leben mit den anderen. Denn auch das gehört doch zu Ostern:

Sich zu besuchen, zusammen zu sein im Kreis von Verwandten und Freunden. Stattdessen: Halleluja „mit angezogener Handbremse“ im kleinsten Kreis der Hausgemeinschaften. Und manch einem, der ganz allein ist, bleibt das Halleluja trotz Telefon und Internet im Hals stecken. Den Kranken und denen, die um ihr Leben kämpfen sowieso.

Aber vielleicht sind wir mit dieser gemischten Gefühlslage näher am ursprünglichen, am ersten Ostertag, als wir ahnen. Damals jedenfalls hat die verstörte Jüngerschar keinen volltönenden Osterchoral in großer Gemeinde angestimmt. Zunächst Erschrecken, ungläubiges Staunen, zögerliches Fragen und Verwunderung in kleinen Gruppen: die Frauen am Grab, Petrus und Johannes ebenso; die Jünger hinter verschlossenen Türen, die beiden Männer auf dem Weg nach Emmaus …

Neue Seiten der Osterbotschaft entdecken

Die ersten Osterbilder gleichen irgendwie dem, was uns in diesem Jahr auferlegt ist: Nur zu jeweils zweit unterwegs und der kleine Kreis, die geschlossene Gruppe zu Hause und am Esstisch. Die Jünger, Männer und Frauen, begegnen dem Auferstandenen nicht beim Gebet im Tempel, sondern er kommt an die Orte, an die sie sich zurückgezogen haben, und kreuzt die Wege, auf denen sie unsicher und ratlos gehen.

Gott sei Dank ist es dabei nicht geblieben. Bald danach kommen sie wieder zusammen in größerer Zahl, von 120 ist die Rede (Apg 1,15). Und dann, am 50. Tag nach Ostern, am Pfingsttag, eine mitreißende Versammlung: Der Geist des von den Toten auferweckten Christus wird die Jünger erfüllen, sie bestärken und aussenden in die ganze Welt. Aber begonnen hat es klein, hinter verschlossenen Türen und in kleinen Gruppen, unterwegs und an den Tischen zu Hause.

Ostern feiern unter der Bedingung der Corona-Krise kann uns helfen, neue alte Seiten der Osterbotschaft zu entdecken. Seiten, die von uns vielleicht sonst im Jubel und in der Festlichkeit, wie sie über die Jahrhunderte gewachsen sind, überhört und übersehen werden. Damals, um das Jahr 33 in Jerusalem, musste sich die Osterfreude erst Bahn brechen, musste die Schale der Ängstlichkeit und der Trauer, die sich um die Herzen der Jünger gelegt hatte, Risse bekommen, damit die Freude über die Auferweckung Jesu durchbrechen konnte.

Die Osterbotschaft nimmt es mit den dicksten Brocken menschlichen Lebens auf

Daran können wir uns an Ostern 2020 erinnern. Das erste Ostern wirft ein Licht auch auf unsere Situation. Es zeigt: Die Osterbotschaft ist kein Leicht-gewicht. Sie nimmt es mit den dicksten Brocken unseres menschlichen Lebens auf. Das macht sie so glaubwürdig. Halleluja!

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