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Ökumenische Zukunftsperspektiven

500 Jahre Reformation – und jetzt?

Predigt im ökumenischen Gottesdienst am Buß- und Bettag 2017 in der Konstantin-Basilika in Trier

Liebe Schwestern und Brüder!

Bevor wir nach vorne schauen, noch einen kurzen Blick zurück auf das Jubiläumsjahr, das mit dem Reformationstag zu Ende ging: Ich schaue aus katholischer Sicht dankbar auf dieses Jahr des festlichen Gedenkens. Denn in ihm wurden konfessionelle Differenzen nicht vertieft, im Gegenteil: Die ökumenische Verbundenheit hat einen gehörigen Schub bekommen. Das war nicht von vornherein zu erwarten, umso schöner, dass es so gekommen ist. Die vielen Gottesdienste, Begegnungen, Veranstaltungen, die gemeinsame Bereitschaft zu Bekenntnis und Versöhnung haben wesentlich dazu beigetragen.

Wie schön, dass einer der zentralen Gottesdienste des Jubiläumsjahres genau hier an diesem Ort stattgefunden hat, am Fest Kreuzerhöhung, dem 14. September. Er reiht sich ein in die Gottesdienste in Berlin, Hildesheim und Wittenberg. Schön auch, dass gerade hier in Trier der Blick nicht nur auf das Verhältnis von Protestanten und Katholiken gerichtet war, sondern auf die größere Familie der christlichen Kirchen.

… und jetzt?

Doch nun der Blick nach vorne: Denn betend und singend treten wir heute Abend vor Gott mit der Frage „500 Jahre Reformation – und jetzt?“ Wir wollen nächste Schritte in den Blick nehmen und Gott bitten, dass er uns auf dem weiteren Weg zur Wiedergewinnung der Einheit Perspektiven und Horizonte eröffnet, die wir selbst (noch) nicht sehen. Im Angesicht Gottes spüren wir auch die ökumenische Verantwortung, die gerade wir Christen in Deutschland haben, in dem Land, von dem die Reformation ausgegangen ist. Wir spüren die Verantwortung. Ahnen wir auch die Chancen, die uns dadurch vielleicht mehr als anderen gegeben sind?!

Einheit und Verschiedenheit…

Wenn ich auf die Verantwortung schaue, die die Kirchenleitungen haben, dann sehe ich für die nächste Zeit die Aufgabe, uns noch einmal verstärkt mit unseren Vorstellungen von Einheit und Verschiedenheit in der Kirche zu beschäftigen. Für uns Katholiken ist die sichtbare Einheit der kirchlichen Gemeinschaft ein wesentliches Element. Die Kirche Jesu Christi ist nämlich immer beides: „sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft“, wie das Zweite Vatikanische Konzil gesagt hat (Lumen Gentium 8). Wie und wie sehr muss diese Einheit konkret sichtbar werden und wie viel Unterschiedlichkeit verträgt sie? Unseren protestantischen Geschwistern ist die Vorstellung einer versöhnten Verschiedenheit sympathisch. Dazu ist zu fragen: Wie können wir diese Verschiedenheit als lebendige Vielfalt verstehen, die die Kirche einerseits vor Uniformität bewahrt, andererseits aber nicht bloß ein schön klingender Ausdruck für den Status quo ist. Das wäre, da hat der bisherige Bundestagspräsident Norbert Lammert Recht, eine ökumenische „Kapitulationserklärung“.

Gemeinsame Eucharistie für konfessionsverbindende Ehepaare?

Darüber hinaus arbeiten wir katholischen Bischöfe, um nur noch ein Beispiel zu nennen, an der Frage „Konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie“. Wir sehen auch hier unsere dringende pastorale Verantwortung und wollen uns in unserer Antwort von der Überzeugung leiten lassen, dass die beiden getauften Eheleute selbst in ihrer liebenden Verbundenheit Sakrament, d. h. Zeichen der Liebe Gottes, sind und dadurch auf ihre Weise Kirche im Kleinen darstellen.

Perspektivwechsel: Was können wir gemeinsam tun?

Schließlich sehe ich nach der Erfahrung des Jubiläumsjahres eine dringliche Aufgabe in dem, was die Erklärung, die der Präses und ich gleich unterzeichnen, den „ökumenischen Perspektivwechsel“ nennt. Dieser soll ja in besonderer Weise auch auf der Ebene unserer Gemeinden gelten. Ich verstehe unter Perspektivwechsel, dass wir uns als evangelische und katholische Christen letztlich in allem, was wir unternehmen, fragen, wie dies wohl unsere Mitchristen der jeweils anderen Konfession sehen und einschätzen, was sie dazu sagen und ob wir es nicht besser gemeinsam tun können. Wir tun doch längst noch nicht all das zusammen, was wir zusammen tun könnten! Es wäre wirklich schrecklich, wenn wir uns nach den Erfahrungen des zurückliegenden Jahres nun einfach wieder in unsere eigenen Kreise zurückziehen würden nach dem Motto: „Wir haben mit uns selbst genug. Denn wir haben mit uns selbst genug zu tun …!“

Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“, so übersetzt auch die neue Lutherbibel den Ruf, mit dem Jesus sein öffentliches Wirken in Galiläa beginnt. „… Dass unser ganzes Leben eine Buße sein soll“, so formuliert im Anschluss daran Martin Luther in seiner ersten These von Wittenberg. Im vergangenen Jahr habe ich mich häufiger gefragt: Wie kann ich diesen Aufruf zur Buße (nicht nur in der Fastenzeit) verstehen und ins Heute übersetzen? Zunächst einmal war ich froh, dass die katholische Einheitsübersetzung an dieser Stelle sagt: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Das klingt beherzter, positiver, und vor allem klingt es nicht nach einem lebenslangen Dauerzustand, sondern als Sache eines Augenblicks.

Gemeinsam auf Gottes Liebe antworten

Mein ganzes Leben als Buße verstehen? Das fällt selbst einem Bischof schwer … Dabei ist es nicht so, als ob es dieses Verständnis in katholischer Frömmigkeit und Spiritualität nicht gäbe [allerdings wird es mehr den Ordensleuten zugerechnet …]. Und so fiel mir der Satz eines katholischen Theologen ein, der einmal gesagt hat: Angesichts des Liebesplans, den Gott mit dieser Welt hat, verdient er mehr Liebe, als die Welt ihm gibt (Hans Urs von Balthasar). Das ist sicher wahr. So kann ich verstehen, was Martin Luther gemeint hat mit seinem Satz, dass das ganze Leben des Christen eine Buße sein soll: Wir bleiben mit unserem Glauben und unserer Liebe immer hinter dem zurück, was Gott an liebender Antwort verdient hätte. Versuchen wir auch deshalb diese Antwort gemeinsam zu geben. Und geben wir sie vor allem im Vertrauen auf Jesus Christus: Denn er ist es, der uns mit seiner grenzenlosen Liebe freigekauft hat, und er ist es, der uns den Geist schenkt, in dem wir zu Gott rufen können: Abba, Vater! (Gal 4,6-7).

Weiteres:

500 Jahre Reformation - und jetzt?

in der Predigt