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Predigt von Bischof Stephan zum Abschluss der Diözesansynode am 1. Mai 2016 – Domweihfest

heraus gerufen. Schritte in die Zukunft wagen

Liebe Synodale,
liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Unser Synodensekretär Christian Heckmann hat es gerade gesagt: Die Diözesansynode in unserem Bistum hat ihr Werk vollbracht, indem sie mir ihr Schlussdokument, ihre Voten und Beschlüsse übergeben hat.

Am Hochfest der Apostel Peter und Paul 2012 habe ich hier im Dom die Diözesansynode ausgerufen, mit der Bitte, mich zu beraten, wie wir als Christinnen und Christen persönlich und gemeinsam den Weg des Glaubens in unserem Bistum unter den Bedingungen der heutigen Zeit gehen können. Das war meine Frage. Dazu habe ich um Beratung gebeten, und jetzt ist das Dokument da! An mir ist es nun, es genauer zu studieren, es mir anzueignen und dann mit Ihnen allen und den Christinnen und Christen im Bistum dafür zu sorgen, dass wir dieses Dokument mit Leben füllen.

Bis in die letzten Stunden haben die Synodalen gestern Abend an diesem Dokument gearbeitet. Insofern heißt es auch für mich, den endgültigen Text intensiv zu studieren, zu schauen, was das Ergebnis ist und wie wir es uns aneignen können. Deshalb kann ich heute Morgen hier in der Predigt nur versuchen, ein bisschen von dem zu sagen, was ich schon von dem verstanden habe, was die Synodalen mir raten.

Die ursprünglichen Fragen des Bischofs an die Synode

Ihnen, liebe Synodale, ist das vielleicht gar nicht mehr so bewusst, weil wir einen langen Weg miteinander gegangen sind; aber wenn Sie sich zurückerinnern, dann habe ich vor drei Jahren ziemlich konkrete Fragen an Sie gestellt. Ich habe nicht nur allgemein gefragt „Wie gehen wir unseren Weg im Bistum Trier?“, sondern etwa die Frage: Wie können wir in guter Weise den Glauben bezeugen? Was können wir tun, dass der Glaube lebendig bleibt? Wie können wir in den großen pastoralen Räumen Gottesdienst feiern, so dass diese Gottesdienste Menschen bestärken und diese spüren: Ja tatsächlich, Gott ist uns nahe? Wie können wir das reich gegliederte System unserer Beratungsgremien auf den verschiedenen Ebenen anpassen an die Bedingungen unserer Zeit? Es waren ziemlich konkrete Fragen, auf die ich mir Antwort erwartet habe.

Mehr als Einzel-Antworten: Perspektiven wechseln!

Was haben die Synodalen, was haben Sie mit diesen Fragen getan? Zunächst haben Sie dem Bischof gesagt – und das steht im Dokument voran, und das halte ich für das Entscheidende: Es reicht nicht, bestimmte Dinge zu bestimmten Themen zu sagen. Es reicht nicht, Einzeltipps zu geben, sondern es braucht viel mehr. Wenn wir wirklich einen guten Weg gehen wollen, dann gibt es die Notwendigkeit, an unseren grundlegenden Sichtweisen zu arbeiten. Dann müssen wir uns fragen, wie wir auf Gott, auf die Menschen, auf diese Welt und auf uns selbst schauen. Und wenn wir das tun, dann spüren wir schnell: Perspektivwechsel tut Not. Wir müssen arbeiten an unseren Haltungen und an der Kultur, die wir miteinander in der Kirche pflegen. Mit ihrem Schlussdokument sagt die Synode, dass es nicht nur Antworten auf Einzelthemen braucht. Es braucht eine grundsätzliche Bewegung. Es braucht das, was das Evangelium Umkehr nennt. Es heißt, mit dem Evangelium die Perspektive zu wechseln.

Das synodale Prinzip

Liebe Schwestern und Brüder! Ich will Ihnen die vier Perspektivwechsel, die die Synode vorschlägt, so wie sie mir auch über Nacht noch einmal eingegangen sind, einfach vorstellen. Ich fange dabei von hinten an, beim vierten Perspektivwechsel. Das mag die Synodalen erstaunen. Denn der letzte Perspektivwechsel, den sie benannt haben, heißt: Das synodale Prinzip bistumsweit leben. Diese Formulierung klingt zunächst eher technisch. Aber ich höre darin mehr. Ich höre darin als erstes die Botschaft: Es ist gut, dass wir Kirche sind. Wir sind es gemeinsam, und wir wollen es noch stärker gemeinsam sein. Dazu wollen wir den synodalen, den gemeinsamen Weg weitergehen im Austausch, in Beratungen, aber natürlich und vor allem auch im gemeinsamen Leben.

Jeder von uns hat seine eigene Biografie, hat den eigenen Lebensauftrag, hat bestimmte Aufgaben auch im und für das Volk Gottes. Wir wollen diese Aufträge nicht getrennt voneinander ausführen, wollen nicht vor allem auf die Grenzen schauen zwischen dir und mir. Nein, intensiver als bisher wollen wir es gemeinsam tun: Bischof und Volk Gottes, Gemeinden und Hauptamtliche. Die Kluft, die so oft besteht, zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, zwischen denen, die drinnen sind im Kernbereich unserer Gemeinden, und denen, die weiter außen stehen, wollen wir überwinden. All das steckt für mich in der Perspektive, das synodale Element bistumsweit zu leben.

Charismen in den Blick nehmen

Wir wollen dies tun, so wie es der zweite Perspektivwechsel sagt, d. h. mit Blick auf die Charismen, also mit Blick auf die Gaben und Stärken, die jeder und jede mitbringt. Wir wollen mit den einzelnen schauen und fragen: Was kann dein Platz, dein Beitrag sein, um den Glauben zu leben, ihn zu bezeugen und die Kirche mitaufzubauen? Wir wollen uns darum bemühen, dass die Charismen so miteinander wirken, wie wir es in der Lesung aus dem Ersten Petrusbrief gehört haben über das Haus aus lebendigen Steinen, die alle unterschiedliche Funktionen haben und doch ein Ganzes bilden. Der Eckstein, das ist unverwechselbar Jesus Christus selbst. Und dann sind da die vielen anderen Elemente des Baus mit ihren verschiedenen Aufgaben, ihren Charismen. Dieses Miteinander wollen wir leben, indem wir darauf schauen, wie wir uns gegenseitig ergänzen und zusammenwirken können.

In großen Räumen und Weite des Herzens

Wir tun das nicht – und damit kommen wir schon zum dritten Perspektivwechsel – im luftleeren Raum, sondern wir tun es konkret vor Ort, dort, wo wir leben in unseren Gemeinden und Gemeinschaften in den Verbänden und kirchlichen Einrichtungen. Wir wollen unsere Gaben und Aufgaben leben in einer Weite des Herzens, nicht nur des Raumes. Die bloße Weite des Raumes macht Angst (das konnte man an Reaktionen in den vergangenen Monaten schon spüren). Größe kann kalt sein. Nein, wir wollen unser Christsein leben mit einer weiten Herzlichkeit, die nicht in kleinlicher Enge darauf schaut, möglichst das zu bewahren, was vor Ort da ist. Wir wollen unser Christsein nicht leben in Konkurrenz und Abgrenzung zu den anderen, sondern in der Absicht, den Glauben gemeinsam zu leben und zu bezeugen. Wir wollen nicht neidisch fragen, warum haben die anderen (etwa in den Nachbargemeinden) etwas, das wir nicht haben.

Vielmehr wollen wir fragen: Wie können wir uns gegenseitig bereichern? Was können wir gemeinsam leben, und wie können wir uns gegenseitig helfen anstatt engherzig miteinander umzugehen? Es geht anders gesagt darum, in einer Weite des Herzens die Gaben miteinander zu teilen und dadurch zusammenzuwirken. So wie ich die Synode verstanden habe, sieht sie darin den Anruf der Stunde.

Vom Einzelnen her denken – mit Jesus auf die einzelnen Menschen blicken

Und schließlich ist der Synode wichtig, dass diese Haltung nicht nur uns zugutekommt – so sehr wir uns freuen dürfen an der Gemeinschaft der Kirche. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, dass die Kirche Sakrament ist, Zeichen und Werkzeug für die Verbindung zwischen Gott und den Menschen wie auch der Menschen untereinander. Wenn die Synode in ihrem ersten Perspektivwechsel sagt, dass sie vom Einzelnen her denken will, dann lässt sie sich damit ganz auf die Perspektive Jesu ein, so wie sie uns das Evangelium eben geschildert hat. Übrigens kein spezielles „Synodenevangelium“ sondern das Evangelium vom Kirchweihfest: Die Erzählung von der Begegnung zwischen Jesus und Zachäus. Darin zeigt sich: Jesus denkt wirklich vom Einzelnen her und nimmt ihn in den Blick.

Ausdrücklich vermerkt der Evangelist Lukas, dass der kleine Zachäus aufgrund der großen Menschenmenge keine Sichtmöglichkeit auf Jesus hat. Deshalb klettert er auf den Baum. Und Jesus? Er lässt sich nicht von der Menge blenden, sondern hat Augen für diesen Zachäus, für den Menschen, für den die anderen keine Augen haben. Jesu Blick gilt dem Einzelnen. Deshalb sagt er zu Zachäus: „Komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Für Jesus hätte es Grund genug gegeben zu sagen: Da sind so viele, die mich hören wollen, die mir zujubeln, da kann ich leicht den Mann übersehen, der ohnehin in den Augen der Zeitgenossen ein großer Sünder ist. Das wird mir niemand ankreiden. Aber nein, Jesus übersieht Zachäus nicht. Er denkt vom Einzelnen her und auf den Einzelnen hin.

Das heißt aber nicht nur: Ich gucke auf einen einzelnen Menschen. „Vom Einzelnen her denken“ heißt auch, auf das Konkrete zu schauen; heißt, sich auf eine konkrete Situation einzulassen, heißt: nicht aus der Distanz heraus und nicht schematisch zu urteilen – was übrigens nicht nur eine Versuchung von Amtsträgern ist! Wenn wir in den Alltag unserer Gemeinden schauen, dann müssen wir feststellen, dass dort auch von gutkatholischen Gemeindemitgliedern Menschen in Schubladen gesteckt werden; dass es die Versuchung gibt, über andere schematisch zu urteilen, ohne sich in ihre Situation einzufühlen. Papst Franziskus betont immer wieder, wie wichtig die Nähe zu den Menschen ist und das Mitgehen mit ihnen. Ich glaube, dass er mit anderen Worten das sagt, was auch unsere Synode will.

Nicht so viel Neues?

Liebe Synodale, liebe Schwestern und Brüder! Wenn Menschen, die nicht in der Synode dabei waren, unser Dokument anschauen, dann werden sie vielleicht sagen: „Naja, so viel Neues ist da auch nicht drin. Eine neue Offenbarung ist das nicht.“ Und wir können das zugeben und sagen: Das stimmt. Sie aber müssten zugeben, dass uns das, was so selbstverständlich klingt, im Alltag zu leben, schwer fällt. Die Botschaft des Evangeliums ist seit 2000 Jahren dieselbe. Dennoch bleibt sie uns voraus, ist sie immer noch und immer wieder größer als unsere Herzen und unser Verstand. Deshalb heißt es, sich immer wieder neu auf sie einzulassen. Deshalb brauchen wir den Wechsel der Perspektiven. Deshalb ist Umkehr nötig.

Am Anfang hat Gott ja immer schon gehandelt…

Wie können wir das schaffen? Pater Franz Meures, der geistliche Begleiter unserer Synode, hat den Synodalen gestern Abend dazu noch einmal einen Hinweis gegeben. Er hat daran erinnert, dass am Anfang alles christlichen Einsatzes nicht Beschlüsse stehen, mögen sie noch so hoch gesteckt und noch so ehrlich gemeint sein. Am Anfang unseres Glaubens und unseres Zeugnisses steht der Blick darauf, was Gott getan hat und unter uns tut. Immer wieder darauf schauen, was Gott tut, darüber staunen und sich davon anrühren lassen, das ist der Anfang des christlichen Weges. Die Erste Lesung, die wir gehört haben, hat uns genau dazu eingeladen: Zu schauen auf die Stadt, die vom Himmel kommt und die Gott uns schenkt. In den Schriftlesungen dieses Festtags klingt es widersprüchlich: Auf der einen Seite ist da die Stadt, die vom Himmel herabkommt und die das vollendete Reich Gottes ist, auf der anderen Seite der Bau, der sich aus lebendigen Steinen von unten her aufbaut und dessen Grundstein Christus ist.

Was widersprüchlich klingt, zeigt den wahren Weg der Kirche: Gott kommt uns entgegen mit dem Geschenk seiner lebendigen Gegenwart und zugleich sollen wir von unten mitbauen an seinem Reich, damit Himmel und Erde zueinander finden. Lassen wir uns von dieser Vision und diesem Auftrag neu entflammen und herausrufen. Dann können wir Schritte in die Zukunft wagen. Amen.

Weiteres:

Synoden-Abschluss

in der Predigt