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Chronologie: Ein Blick hinter die Kulissen der Trierer Bischofswahl

Von geheimen Wegen, modernen Wahlmethoden und großer Freude

Sonntag, 29. März

Der Trierer Dompropst Prälat Werner Rössel nutzt die Gelegenheit der Amtseinführung von Dr. Felix Genn als Bischof von Münster, um mit Nuntius Dr. Jean-Claude Périsset zu sprechen. Der Nuntius lässt den Dompropst wissen, dass eine Ernennung des Bischofs von Trier vor Ostern nur dann noch erfolgen kann, wenn in dieser Woche die Terna (Dreiervorschlag) aus Rom kommen sollte. Der Dompropst bittet den Nuntius, ihn unmittelbar telefonisch zu informieren, sollte die Terna in Berlin eintreffen.

Montag, 30. März

Gegen 16 Uhr ruft Nuntiatursekretär Msgr. Prof. Dr. Rüdiger Feulner bei Dompropst Rössel an: Die Terna ist in Berlin eingetroffen. Der Dompropst ist erfreut und erleichtert. Ab 18 Uhr telefoniert er mit den 14 Trierer Domkapitularen, die den neuen Trierer Bischof wählen werden. Er lädt sie für Donnerstag, 2. April, 18 Uhr zur entscheidenden Sitzung ein. Geheimhaltung ist jetzt besonders wichtig: „Wir treffen uns um 18 Uhr im Bischofshof und gehen dann durch den Bischofsgarten und den Domkreuzgang, also sozusagen durch den Hintereingang, in den Kapitelsaal“, informiert der Dompropst die Domkapitulare.

Dienstag, 31. März

Gegen 8.30 Uhr klingelt die Postbotin bei Dompropst Rössel. Der Dompropst hört das Klingeln jedoch nicht. Erst als seine Haushälterin, Frau Steffens, ihn aufmerksam macht, geht er zur Haustür und kann so noch verhindern, dass die Postbotin den schon ausgefüllten blauen Abholschein für das Einschreiben in den Briefkasten wirft. Der Dompropst nimmt das Einschreiben mit Rückschein aus Berlin in Empfang und deponiert es an einem sicheren Ort in seinem Arbeitszimmer.

Donnerstag, 2. April

Um 18 Uhr treffen sich die 14 Domkapitulare wie vereinbart im Bischofshof in der Liebfrauenstraße. Die Spannung ist allen anzumerken. Durch Bischofsgarten und Kreuzgang gehen sie in den Kapitelsaal. Hier beten sie die Vesper mit dem Hymnus an den Heiligen Geist und rufen auch die Trierer Heiligen, beginnend mit dem Gründerbischof Eucharius, an. „Ein emotional sehr bewegender Moment“, erinnert sich der Dompropst. In der Anrufung der Heiligen wird deutlich, in welcher Tradition der künftige Bischof der ältesten Diözese Deutschlands stehen wird.
Dann öffnet Dompropst Rössel zunächst den äußeren Umschlag: In diesem befindet sich neben dem versiegelten Brief mit der Terna noch ein Begleitschreiben. In diesem steht, dass der Brief die Terna enthält und wie vorzugehen ist. Der Dompropst verliest dieses Schreiben, bevor er den versiegelten Umschlag öffnet und die drei Namen verliest. „Es war wohltuend und auch in gewisser Weise erleichternd, dass mit Weihbischof Dr. Stephan Ackermann auch ein Trierer auf der Liste stand“, sagt Werner Rössel. Der Weihbischof, so hat er es nach seiner Ernennung auf der Pressekonferenz gesagt, ist in diesem Moment „als Domkapitular erfreut“, als „Stephan Ackermann aber auch ein wenig erschrocken“.
Bei der Wahl selbst kommt dann auch moderne Technik zum Einsatz. Mit Laptop und Drucker stellt der Dompropst die Wahlzettel her, auf denen die drei Namen stehen. So müssen die Domkapitulare nur ihren Favoriten ankreuzen. In eine selbst gebastelte Wahlurne werden die Stimmzettel gelegt und vom Dompropst und von Domdechant Prälat Franz Josef Gebert ausgezählt. Froh und gelöst sind die Reaktionen, als feststeht: das Domkapitel hat Stephan Ackermann zum Bischof von Trier gewählt. Und: die Situation ist insofern besonders glücklich, als der Gewählte noch in der Sitzung gefragt werden kann, ob er die Wahl annimmt. Das tut Stephan Ackermann, und nun ist die Freude im Domkapitel noch größer. Mit Sekt von den Bischöflichen Weingütern stoßen die Domkapitulare auf den künftigen Bischof von Trier an. Auch diejenigen, die in der Fastenzeit eigentlich keinen Alkohol trinken wollen, machen in dieser besonderen Situation eine Ausnahme. Der Tag endet mit der Komplet (Nachtgebet) in der Marienkapelle des Doms.

Freitag, 3. April

Dompropst Rössel versucht, am Telefon, Ministerpräsident Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) und Ministerpräsident Peter Müller (Saarland) zu erreichen. Denn nach dem Preußenkonkordat, das die Wahl des Bischofs von Trier regelt, müssen die Landesregierungen noch bestätigen, dass keine politischen Bedenken bestehen. Die beiden Ministerpräsidenten sind bei einer Bundesratssitzung in Berlin, doch noch für den späten Nachmittag können Treffen in Saarbrücken und Mainz vereinbart werden. Dompropst Rössel trifft sich um 16.30 Uhr mit Ministerpräsident Müller in Saarbrücken, der Ständige Vertreter des Diözesanadministrators, Prälat Dr. Georg Holkenbrink, spricht um 17.30 Uhr mit Ministerpräsident Beck in Mainz. Beide Ministerpräsidenten machen deutlich, dass es keine politischen Bedenken gibt. Daraufhin telefoniert Dompropst Rössel schon gegen 19 Uhr mit der Nuntiatur, teilt ihr das Ergebnis der Wahl mit und auch, dass die Landesregierungen keine Bedenken haben.

Samstag, 4. April

Am Vormittag trifft sich in der Propstei am Trierer Domfreihof eine Gruppe, die die nächsten Schritte vorbereitet: Diözesanadministrator Bischof Robert Brahm, sein Ständiger Vertreter Prälat Holkenbrink, Dompropst Rössel, Domdechant Gebert und Msgr. Stephan Wahl, der Kommunikationsdirektor des Bistums. Und natürlich nimmt auch der künftige Trierer Bischof, Stephan Ackermann, an dem Treffen teil. Ziel ist, dass die Ernennung noch vor Ostern erfolgt; geeignet erscheint die Chrisammesse am Mittwoch der Karwoche, wenn sich zur Weihung der Heiligen Öle viele Priester und weitere Gläubige im Dom versammeln werden. Auch wird schon über einen möglichen Termin der Amtseinführung sowie über die Kommunikationswege gesprochen.
Beim Mittagessen erreicht Dompropst Rössel dann die erste – noch inoffizielle – Bestätigung von Msgr. Feulner aus der Nuntiatur in Berlin. Es scheint, dass die Ernennung am Mittwoch erfolgen kann. Am Montag will Msgr. Feulner das dem Dompropst noch einmal offiziell bestätigen.

Montag, 6. April

Am Nachmittag bestätigt Msgr. Feulner dem Dompropst, dass die Ernennung durch den Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI. am Mittwoch erfolgen wird.
In den Medien herrscht, nachdem in den Monaten zuvor oft heftig spekuliert worden war, völlige Ruhe. Offensichtlich geht dort niemand mehr von einer Ernennung vor Ostern aus.

Mittwoch, 8. April

Die Pressestelle lädt ab 8 Uhr telefonisch die Medien zur Chrisam-Messe und zu einer Pressekonferenz im Anschluss an den Gottesdienst ein. Mehr muss den, überwiegend sehr überraschten, Journalisten nicht gesagt werden: Alle wissen, worum es geht. Auf Internetseiten und im Radio laufen die ersten Meldungen.
Im vollbesetzten Trierer Dom beginnt um 10 Uhr die Chrisam-Messe, der Diözesanadministrator Bischof Robert Brahm vorsteht. Der künftige Bischof ist einer der Konzelebranten. Am Ende des Gottesdienstes verkündet Dompropst Rössel die freudige Nachricht. Als er den Namen „Stephan Ackermann“ nennt, erheben sich die Gläubigen spontan von ihren Plätzen und spenden minutenlang Beifall, der erst endet, als „Großer Gott wir loben dich“ angestimmt wird.
Beim Auszug brandet noch einmal spontaner Beifall auf, der künftige Bischof muss schon viele Hände schütteln, vor dem Dom wird ein Extrablatt der Trierer Bistumszeitung „Paulinus“ verteilt, die Menschen sind ausnahmslos glücklich, erfreut und zufrieden. Alle sind sich einig: „Es hat sich gelohnt, so lange zu warten. Wir haben einen sehr guten neuen Bischof.“

Stephan Kronenburg

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