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Überreicht an Bischof Stephan:

Zur Amtseinführung ein alter Bischofsstab

Prof. Franz Ronig über den Bischofsstab von Erzbischof Heinrich von Finstingen (1260 - 1286). (Bischof Stephan behält für den "bischöflichen Alltag" natürlich seinen bisherigen Bischofs-Stab)

  • Zur Einführung in sein Amt als Bischof von Trier überreichte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als Metropolit von Köln symbolisch Bischof Stephan Ackermann den Bischofsstab eines alten Vorgängers auf dem Trierer Bischofs-Stuhl: Heinrich von Finstingen was von 1260 bis 1286 Erzbischof von Trier. Wie viele andere Zeichen in der Liturgie der Amtseinführung weist auch dieser alte Bischofsstab noch einmal auf die enge Verbindung hin, die ab heute zwischen dem neuen Bischof und dem alten Bistum bestehen soll.  

    Professor Franz Ronig, Kustos des Trierer Domschatzes, gibt Auskunft über den Bischofsstab

    Der Trierer Archäologe Domkapitular Nikolaus von Wilmowsky fand 1851 im Sarkophag des Erzbischofs Heinrich von Finstingen Reste bischöflicher Kleidung und zwei wichtige Grabbeigaben: einen aus dünnem Silberblech getriebenen Kelch und die Krümme eines Bischofsstabes aus Kupfer, geschmückt mit Email und vergoldet. Stabhülse und Krümme tragen hochromanisches Rankenwerk auf blauem Emailgrund. Die Krümme des Stabes dürfte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angefertigt worden sein, und zwar in Limoges (heutige Region Limousin).

    Handwerklich dürfte die Herstellung kompliziert gewesen sein. Das „Rohr“ des Schaftes ist aus einem Kupferblech wie „zusammengerollt“ und an der Nachtstelle verlötet. Die Spirale der Krümme verjüngt sich stark und rollt sich zweimal auf; sie endet in einem Drachenkopf, der ein Blatt ausspeit. Diese Spirale musste aus zwei genau aufeinander passenden Hälften hohl gearbeitet werden, die man dann miteinander verlötet hat. So ergänzen sich die beiden Hälften zu einer vollendeten Form. Wahrscheinlich wurden die Gruben für das Email schon vor der Endmontage angelegt oder herausgearbeitet. – Der Knauf (Nodus) ist aus durchbrochenen Kupferblechen in einzelnen Teilen gearbeitet, die hat der Künstler dann zusammengefügt und schließlich vergoldet. – Eine Besonderheit in künstlerischer und konstruktiver Hinsicht bildet die Halbfigur eines gekrönten Engels oberhalb des Nodus; seine weit nach hinten ausgestreckten Flügel sind durch einen Stift mit der Spirale der Krümme verbunden und stabilisieren sie so.

    Ein Holzstab hat die Krümme getragen – er ist im Sarkophag verrottet und musste ersetzt werden. Das geschah 1976: Zum Jubiläum 800 Jahre nach der Gründung des Stiftes Kyllburg (durch Bischof Heinrich von Finstingen) hat Bischof Bernhard Stein beim Pontifikalamt den Bischofsstab des Gründerbischofs benutzt.

  • Der Trierer Archäologe Domkapitular Nikolaus von Wilmowsky fand im Sarkophag des Erzbischofs Heinrich von Finstingen neben den Resten der pontifikalen Kleidung zwei nicht unwichtige Gegenstände als Grabbeigaben: einen aus dünnem Silberblech getriebenen Kelch und die Krümme eines Bischofsstabes, dessen zugehöriger Holzstab wegen seiner Verrottung offensichtlich nicht mehr zu retten war.

    Der Kelch galt im Inventarwerk des Nikolaus Irsch von 1931 (S. 269) als verschollen. Er konnte jedoch bei der letzten großen Domrestaurierung im Grab des Erzbischofs wiedergefunden und seit 1974 im Domschatz ausgestellt werden. Auf der Schatzkunstausstellung 1984 erregte er das Interesse der Fachleute. Im Hinblick auf seine künstlerische Form wird der Kelch in der Frühzeit des Heinrich von Finstingen entstanden sein.

    Die Krümme des Stabes dürfte ebenfalls in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angefertigt worden sein. Jedoch weisen ihre künstlerischen Formen noch in die Romanik aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine der typischen „verspäteten“ Formen aus den Werkstätten von Limoges in Mittelfrankreich;  diese Werkstätten standen vom 12. Jahrhundert bis über die Gotik hinaus in Blüte und versorgten ganz Europa mit Werken ihrer in Serie hergestellten handwerklichen Email-Kunst. So kann auch der Nichtfachmann die Gegenstände aus Limoges an ihrer handwerklichen Verarbeitung und an ihrem Formenrepertoire leicht erkennen. Ob Schreine, Kelche, Ziborien, oder auch Bischofsstäbe: Sie sind alle mit hohem handwerklichen Können und sicherem Kunstempfinden geschaffen.

    Die „Gruben“ für die Aufnahme der verschiedenfarbigen Emails wurden von den Künstlern aus dem Material eines dicken Kupferbleches mit Meißeln herausgestochen. Deshalb spricht man von „Grubenschmelz“. Nachdem das Email in die Gruben eingeschmolzen war, wurden die Oberflächen geschliffen und poliert. Die noch sichtbaren Metallteile erfuhren nun eine Vergoldung, so dass der Goldglanz des Metalls gegen die stumpfen Farbflächen des opaken Emails in einem hell leuchtenden Kontrast stand; er erwies sich so als der Träger des eigentlichen Ornamentes und behauptete sich optisch. Eine alte Beschreibung erkennt die Präferenz des Goldes und drückt das so aus: „Stabhülse und Krümme tragen hochromanisches Rankenwerk auf blauem Emailgrund.“ (Diese Wirkung ist bei jenen Gegenständen aus Limoges, die im Erdreich lagen, im Laufe der Jahrhunderte gemindert.)

    Vielleicht ist es interessant, etwas über die komplizierte handwerkliche Herstellung zu erfahren. - Das „Rohr“ des Schaftes ist aus einem Kupferblech wie „zusammengerollt“ und an der Nachtstelle verlötet. Die Spirale der Krümme verjüngt sich stark und rollt sich zweimal auf; sie endet in einem Drachenkopf, der ein Blatt ausspeit. Diese Spirale musste aus zwei genau aufeinander passenden Hälften hohl gearbeitet werden, die man dann miteinander verlötet hat. So ergänzen sich die beiden Hälften zu einer vollendeten Form. Wahrscheinlich wurden die Gruben für das Email schon vor der Endmontage angelegt oder herausgearbeitet. – Der Knauf (Nodus) ist aus durchbrochenen Kupferblechen in einzelnen Teilen gearbeitet, die hat der Künstler dann zusammengefügt und schließlich vergoldet. – Eine Besonderheit in künstlerischer und konstruktiver Hinsicht bildet die Halbfigur eines gekrönten Engels oberhalb des Nodus; seine weit nach hinten ausgestreckten Flügel sind durch einen Stift mit der Spirale der Krümme verbunden und stabilisieren sie so.

    Der Stab des Erzbischofs Heinrich von Finstingen erfuhr im Jahre 1976 eine neue Würdigung. Anlässlich der Feier des siebenhundertjährigen Jubiläums der Gründung des Kyllburger Stiftes durch Erzbischof Heinrich von Finstingen benutzte Bischof Bernhard Stein beim Pontifikalamt diesen Stab – für die Krümme war ein neuer Holzstab angefertigt worden - und wies in seiner Predigt eigens auf dieses Erinnerungszeichen hin.

    Vom Grabmal des Erzbischofs Heinrich von Finstingen ist nur noch der große, maßwerkgeschmückte gotische Wandbogen übrig, der sich im Inneren des Domes auf der Südseite, links von dem romanischen Portal befindet, welches aus dem Dom zur Liebfrauenkirche führt. Der einst zugehörige Sarkophag ist verloren. Seine Beschreibung ist überliefert: Die Figur des in Pontifikalgewänder gehüllten Erzbischofs lag auf dem Steinsarkophag. Das Grab befindet sich unter dem Bogen. Links von dem Bogen ist eine Inschrifttafel in die Wand eingelassen, die eine Lobrede auf den Verstorbenen enthält.

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