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Verordnungen und Bekanntmachungen - Montag, 1. Juli 2002 - Jahrgang: 146 - Artikel: 115

Richtlinie für den Umgang mit Tot- und Fehlgeburten an katholischen Krankenhäusern im rheinland-pfälzischen Gebietsteil des Bistums Trier

I. Präambel
Nach kathohschem Glaubensverständnis entsteht der Mensch mit seiner Zeugung. Diesem Glaubensverständnis entsprechend, müssen auch so genannte Tot- und Fehlgeburten menschenwürdig bestattet werden. Als Teil der Katholischen Kirche obliegt es daher insbesondere katholischen Krankenhäusern und katholischen Friedhofsträgem, auf ein würdevolles kirchliches Begräbnis von Tot- und Fehlgeburten hinzuwirken.
Um hierbei eine Handreichung zu geben und eine einheifliche Handhabung zu erzielen, werden die folgenden Bestimmungen erlassen.

II. Gesetzliche Vorschriften /
darüber hinausgehendes Regelungsbedürfnis
In Rheinland-Pfalz muss ein totgeborenes oder während der Geburt verstorbenes Kind bestattet werden, wenn dessen Gewicht mindestens 500 Gramm beträgt (vgl. § 8 Abs. 2 S. 1 BestG). Beträgt das Gewicht weniger als 500 Gramm (Fehlgeburt), so ist eine Bestattung zu genehmigen, wenn ein Eltemteil dies beantragt (§ 8 Abs. 2 S. 2 BestG).
In Anbetracht des eingeschränkten gesetzlichen Bestattungszwanges ergibt sich ein Regelungsbedürfnis für den Umgang mit Fehlgeburten, bei denen kein Elternteil einen Antrag auf Bestattung gestellt hat. Aufgrund des Selbstverständnisses des katholischen Krankenhausträgers ist eine würdevobe Bestattung auch ohne Antrag eines Elternteiles sicherzustellen.

III. Elternwille
In der Grundüberzeugung, dass es sich bei jeder Schwangerschaft von Anfang an um unverwechselbares menschliches Leben handelt, ist in katholischen Krankenhäusern dafür Sorge zu tragen, dass Fehl- und Totgeburten im Rahmen eines kirchlichen Begräbnisses bestattet werden.
Der Krankenhausträger ist daher regelmäßig gehalten, bei den Eltern von Fehl- und Totgeborenen schriftlich nachzufragen, ob diese ein kirchliches Begräbnis wünschen.
Wünschen die Eltern ein kirchliches Begräbnis, hilft ihnen der Krankenhausträger bei den notwendigen Formalitäten und leistet ggf. jede notwendige Unterstützung.

Widersprechen die Eltern einem kirchlichen Begräbnis, ist eine würdevolle Sammelbestattung sicherzustellen, und zwar in Abhängigkeit vom Wunsch der Eltern
(a) als anonyme Sammelbestattung oder
(b) als Sammelbestattung mit Eintrag ins Friedhofsregister.

IV. Bestattung bei „fehlendem Elternwillen'
Wird dem Angebot eines kirchlichen Begräbnisses nicht widersprochen, ist von einem Einverständnis auszugehen.
In diesen Fällen, in denen keine Bestattungspflicht besteht und von den Eltern die Bestattung nicht beantragt wird, findet die Bestattung im Rahmen einer gemeinsamen Feier (Sammelbestattung) statt.

V. Aufbewahrung und Transport
Bis zur Bestattung werden alle Fehl- und Totgeburten in einem Kindersarg in der Prosektur des Krankenhauses aufbewahrt. Für die nötigen Transportwege zwischen dem Krankenhaus und der Pathologie wird ein besonderes Gefäß bereitgestellt, ein so genanntes „Mose-Körbchen“, um deutlich zu machen, dass es sich um eine Leibesfrucht handelt, die anschließend bestattet wird.

VI. Pathologische Untersuchung des Fötus
Insbesondere bei Eltern, die auch weiterhin einen Kinder\vunsch hegen, kann auf Wunsch der Eltern eine pathologische Untersuchung des Fötus erforderlich sein, um die Ursache der Tot- und Fehlgeburt festzustellen.
Das Krankenhaus stellt durch entsprechende Absprache mit der Pathologie sicher, dass die Überreste des Fötus nach erfolgter pathologischer Untersuchung bestattet werden.

VII. Sammelbestattung/Bestattungstermin
Sammelbestattungen sollten wenigstens zweimal im Jahr vorgenommen werden, aber höchstens fünf Kinder umfassen. Der Termin ist mit den betroffenen und an einer Teilnahme interessierten Eltern in geeigneter Weise abzustimmen. Eltern, die zur Zeit der Fehl- oder Totgeburt an einer Teilnahme nicht interessiert waren, wird der Bestattungstermin dennoch frühzeitig mitgeteilt.

VIII. Friedhofsträger
Für jedes katholische Krankenhaus können vom jeweiligen Bistum ein oder mehrere Friedhofsträger benannt werden, die bereit sind, die Tot- und Fehlgeburten auf ihrem Friedhof würdevoll zu bestatten.

IX. Verzeichnis der beigesetzten Föten
Die Beisetzung einer Tot- oder Fehlgeburt wird namentlich in das Friedhofsregister eingetragen.

X. Beerdigungsfeierlichkeiten
Die Beerdigungsfeierlichkeiten richten sich nach den geltenden Bestimmungen über das kirchliche Begräbnis.

XI. Kostenübernahme durch Krankenhaus und Friedhofsträger
Sofern eine Bestattung gemäß Ziffer VII. dieser Richtlinien erfolgt und die Kosten nicht von den Eltern übernommen werden, sollten sie - mit Ausnahme derjenigen für die Grabstelle und deren Herrichtung - von den Krankenhäusern getragen werden, sofern die Friedhofsträger die Grabstätten nicht kostenlos zur Verfügung stellen und deren Herrichtung und Instandhaltung übemehmen.

XII. Inkrafttreten
Diese Richtlinie tritt mit ihrer Veröffentlichung im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Trier in Kraft.

Trier, den 22. April 2002

(Siegel)

Werner Rössel
Bischöflicher Generalvikar


Anmerkung:
Zum gleichen Thema wird vom Katholischen Krankenhausverband eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel: „Tot- und Fehlgeburten im Krankenhaus“. Die Broschüre kann beim Katholischen Krankenhausverband Deutschland e. V., Karlstraße 40, 79104 Freiburg/Breisgau, Telefon (07 61) 2 00-3 52, Telefax (07 61) 2 00-6 09, E-Mail: kkvd@caritas.de, bezogen werden.

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