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Das Bistum Trier hat mich "wählbar" gemacht als Bischof von Limburg

Abschieds-Predigt von Generalvikar Georg Bätzing

Predigt in der Pontifikal-Vesper im Hohen Dom zu Trier am 28. August 2016

 

Verehrter, lieber Bischof Stephan,
liebe Schwestern und Brüder,

der kurze Abschnitt aus dem Zweiten Thessalonicherbrief bringt auf den Punkt, wovon heute mein Herz voll ist: Dank – Ermutigung – und die Bitte um Ihr und Euer Gebet.

Dank

Großer Dank erfüllt mich, wenn ich an die Jahre und Jahrzehnte denke, in denen ich im Bistum Trier lernen, reifen, wachsen und als Priester arbeiten konnte. So sehr ich über die Nachricht von der Wahl durch das Limburger Domkapitel anfangs erschrocken war, so sehr habe ich durch Besuche und viele Gespräche mittlerweile spüren dürfen, wie herzlich und erwartungsvoll die Menschen mich dort aufnehmen. Und ebenso sehr weiß ich: Das allermeiste von dem, was mich für das Bistum Limburg wählbar sein ließ, verdanke ich meiner Heimatdiözese und meiner Geschichte mit Ihnen allen im Bistum Trier; angefangen in meiner Heimatgemeinde Niederfischbach über die Zeit meines Studiums im Trierer Priesterseminar, als Diakon in St. Wendel und Urweiler im Saarland, über den Wallfahrtsort Klausen und die Kaplanszeit in Koblenz St. Josef.

Priester wird man durch die wichtige Phase des Studiums und der Ausbildung sowie durch die sakramentale Formung bei der Priesterweihe. Aber genauso wird man Priester durch die sich ändernden Aufgaben und Herausforderungen, durch Begegnungen mit so vielen Menschen und deren eindrucksvoll gelebtem Glaubenszeugnis. An Beispielen davon ist mein Weg unglaublich reich. Und gerade die zwei Jahrzehnte in der Verantwortung für die Priesterausbildung zählen dazu. Ich habe es immer als besonderes Privileg empfunden, so dicht dran sein zu dürfen an der persönlichen Geschichte Gottes mit Menschen, die er berufen hat und in Dienst nehmen will.

Und das waren nicht nur die Priesterkandidaten; das waren Ordenschristen, Laientheologinnen und Laientheologen, künftige Diakone und vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen, die so ernsthaft zeitgemäß ihren Ausbildungsauftrag wahrgenommen haben. Das hat meinen Glauben und meine eigene Berufung beweglich gehalten – und dafür danke ich Gott und vielen hier: Der Glaube des Einen lebt vom Glauben der Anderen, von ihrer Hoffnung, ihrem Ringen, ihrem Zweifeln und Mutfassen in schweren Zeiten. Seit meiner Kindheit und Jugend prägt mich diese positive Erfahrung von Kirche und sie sagt mir: Es ist gut, sich mit aller Kraft in den Dienst dieser Kirche zu stellen.

Erinnerung an die Wallfahrt 2012

Die Gestaltung dieser Vesper durch die Dommusik erinnert nicht zufällig an so manchen festlichen Gottesdienst bei der Heilig-Rock-Wallfahrt und den Heilig-Rock-Tagen. Sie sind ein gewichtiger Teil der Trierer Tradition; des Schatzes, der uns anvertraut ist, damit wir ihn in immer neuen Zeiten lebendig nutzen als Anlass, dass sich Menschen um Jesus sammeln, seine Nähe und Zuwendung spüren und daraus die Kraft schöpfen, Brücken der Einheit und Geschwisterlichkeit zu schlagen im persönlichen Bereich, im freundschaftlichen ökumenischen Miteinander, zwischen verschiedenen Kulturen und Lebensweisen in der einen Christenheit; Brücken der Sympathie und Verständigung in Politik und Gesellschaft hinein.

Wohl, damit ich nach den „beflügelnden Erfahrungen“ der Wallfahrt nicht ganz abhebe, hat mir der Bischof dann die Aufgabe seines Generalvikars übertragen. Leicht ist sie nicht, aber welcher kirchliche Auftrag in der heutigen Zeit ist leicht? So kann ich nur, wie so oft schon, danken für die ungebrochene Solidarität, die Loyalität und das Engagement vieler, vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ermutigung

Das ist das zweite Stichwort, zu dem der Apostel Paulus in dieser Stunde anregt. Wie ungemein wertschätzend und mit Hochachtung spricht er die Gemeindemitglieder von Thessalonich an. Er fordert nicht, er befiehlt nicht, er nimmt ganz und gar ernst, dass er es mit Menschen zu tun hat, die Gott schon erwählt und berufen hat, damit sie gerettet werden. Er spricht als Getaufter und Gesandter zu anderen Getauften und bestärkt sie, aus dieser entscheidenden Wende ihres Daseins heraus zu leben. Er erinnert an die erfreuliche Botschaft des Evangeliums und die Ermächtigung, die daraus erwächst, mitten in der Welt Zeichen zu setzen, als Zeichen zu leben: des Friedens, der Gerechtigkeit, der Achtung voreinander und des Schutzes bedrohten Lebens jeder Art. „Kraft zu jedem guten Werk und Wort“ wünscht der Apostel.

So, liebe Schwestern und Brüder, habe ich Seelsorge immer verstanden: Menschen zu ermutigen, aus dem Geschenk der Taufe zu leben, ihre Praxis und ihre Überzeugungen aus der Beziehung zu Jesus und seiner Kirche formen zu lassen und zu entdecken, wie reich und erfüllt gläubiges Leben sein kann – auch wenn wir wie alle anderen nicht verschont bleiben vor Krisen, Konflikten und steinigen Wegstrecken. Christus trägt uns und er beflügelt uns, nicht ängstlich nach hinten zu schauen, nach einer Art von Kirche, die viele von uns zwar geformt und getragen hat, die aber vorübergeht.

Ein starkes Stück Kirche: die Synode

Ein ganz „starkes Stück“ Kirche in Trier ist deshalb für mich unsere Synode geworden. Wir haben uns vom Geist Gottes führen lassen, nicht ängstlich zurückzuschauen, zu erstarren angesichts der Abbrüche und Zumutungen, sondern Schritte in die Zukunft zu wagen, Perspektivwechsel zu formulieren, die wir erst noch lernen wollen, lernen müssen; die aber eine verlockend erneuerte Gestalt von Gemeindeleben und Kirchenbildung möglich machen. Die erste Phase dieses starken Stücks Trierer Kirchenerfahrung, die Synode selbst, nehme ich ja mit in die Praxis meines Bischofsamtes. Für die kommende Phase der Umsetzung, die sicher kein Spaziergang werden wird, aber beherzt und entschlossen anzugehen ist, dazu möchte ich Ihnen Mut machen; denn auf diese Weise entfalten sich Hoffnung und Zuversicht, davon bin ich fest überzeugt.

Bitte um das Gebet

Der letzte Gedanke ist die Bitte, mit der der Abschnitt aus dem Thessalonicherbrief schließt: Schwestern und Brüder, betet für mich. Betet für uns in der Limburger Nachbarschaft, „damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, so wie bei euch“.

In den Tagen zwischen meiner Wahl und meiner Ernennung durch den Heiligen Vater, fiel mein Blick im Esszimmer meiner Wohnung immer wieder auf eine Zeichnung von Christa-Maria Weber-Keimer, der Künstlerin, die auch den eindrucksvollen Kreuzweg in der Jesuitenkirche gestaltet hat. Der reiche Mann aus dem Evangelium (vgl. Mk 10,17-31) ist dargestellt. Nach dem Gespräch mit Jesus hat er ihm den Rücken gekehrt, weil sein Reichtum ihn hindert, sich ganz Gott zu überlassen. Die Künstlerin hat dem Mann eine Träne ins Gesicht gezeichnet. Er kann nicht.

Liebe Schwestern und Brüder, Sie werden sich denken können, dass mir der Abschied aus meiner Heimatdiözese nicht leicht fällt. Nicht umsonst habe ich am Anfang über all das geschwärmt, was mich reich und dankbar macht. Der Blick auf das Bild und die Betrachtung Jesu, der da ruft, hat mich aber in den letzten Wochen darin bestärkt, dass es gut ist und dass es geht, sich ganz auf Jesus zu verlassen.

Zum Mond...?

Und mir fiel ein, dass mich vor Jahren schon die Bescheidenheit eines großen Zeitgenossen beeindruckt hat, Neil Armstrong (1930-2012), der als erster Mensch den Mond betrat und dessen Wort vom „kleinen und großen Schritt“ einen sicheren Platz im Menschheitsgedächtnis behalten wird. Im letzten Interview (F.A.Z., 5. August 2010, 27.29) vor seinem Tod gestand er, er habe den ganzen Ruhm gar nicht verdient, denn es sei reiner Zufall, dass er für die Mission der ersten Mondlandung ausgesucht wurde. Nicht er habe gewählt, er sei gewählt worden. Nicht er sei zum Mond gefahren, er sei schließlich gefahren worden. „Meine Leistung“, meinte er, „besteht letztlich darin, dass ich etwas verlassen habe.“

Das muss ich nun tun, ich will es auch tun. Und dafür bitte ich um Ihr Gebet.

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