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Generalvikar Dr. Georg Bätzing über sein bisheriges Amt - und das Neue, auf das er zugeht

Ich bin kein Herkules

_Am 1. November 2012 haben Sie das Amt des Generalvikars übernommen, haben es nun vier Jahre ausgefüllt. Was an dieser Aufgabe hat Ihnen am meisten Freude bereitet?

Das kann ich ganz klar sagen: das Zusammenspiel hier im Generalvikariat und darüber hinaus mit ganz vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das hat mir immer Spaß gemacht. Und das gibt mir Sicherheit. Mehrfach habe ich das im Kontext von Versammlungen hier im Haus betont: Ich sehe mich sehr eingebunden in ein kompetentes Team, und das ist eine wirkliche Freude.

_Es heißt zwar „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, aber dennoch ist Erfolg eine Kategorie. Was würden Sie als größten Erfolg in Ihrer Amtszeit bezeichnen?

Ich bin auf verschiedene „fahrende Züge aufgesprungen“, die schon in der Zeit meines Vorgängers Georg Holkenbrink wirklich gut in Bewegung gesetzt worden sind. Insofern war immer klar: Es gilt, das jetzt gut voranzubringen. Ein Grund-Stichwort neben dem Alltagsgeschäft, das zu bewerkstelligen ist, heißt Veränderungsmanagement. Wir leben in einer Zeit, in der sich ganz viel verändert, auch die Verwaltung wird nicht geschont. Die großen Projekte in diesem Prozess: Immobilienkonzept der Kirchengemeindeverbände; Weiterführung der Transparenz in Sachen des Vermögens der Kirchengemeinden, des Bistums sowie der großen Träger und Umstellung der Buchführung insgesamt auf Bilanzierung innerhalb des Bistums; das Konzept der Haushaltskonsolidierung, das Notwendigkeiten aufgreift, um bestimmten Kirchengemeinden wieder einen soliden finanziellen Boden zu schaffen; die Einführung der Budgetierung hier im Generalvikariat – das sind ziemlich „dicke Brummer“, die aber jetzt „dran“ sind und gemacht werden müssen. Dass das gut vorangegangen ist in den vier Jahren, das würde ich als Erfolg von vielen beschreiben.

_In welcher Phase dieses Veränderungsmanagements stehen wir?

Wir sind in allen vier genannten Bereichen schon in die Praxis eingestiegen. Wir haben Stufenprozesse daraus gemacht, so dass das nicht abgeschlossene Dinge sind. Aber ich glaube, allen ist klar geworden: Ohne das geht es nicht. Wir werden die Projekte sehr ernsthaft betreiben und als Bistum begleiten. Das wird uns helfen, auch für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Am weitesten vorangeschritten sind wir hinsichtlich der Aufgabe, Transparenz zu schaffen im Blick auf die kirchlichen Vermögen. Das ist ja ein nicht zuletzt durch die Limburger Krise angestoßenes Thema. Das hat uns viel Kraft und viele Nerven gekostet, denn es war mit viel Irritation verbunden. Ich denke an anstrengende Sitzungen, etwa im Kirchensteuerrat, dessen Mitglieder zu Recht irritiert waren und sich fragten: „Was ist denn unsere Verantwortung? Geht das denn alles mit rechten Dingen zu? Wie kann man Transparenz verbessern?“ Wir sind in diesem Jahr dabei, einen von einem externen Wirtschaftsprüfer testierten Jahresabschluss des Bistums Trier zu bekommen, auch beim Bischöflichen Stuhl. Erste Bilanzen der Hohen Domkirche und des Priesterseminars folgen im nächsten Jahr. Diese lohnenden Anstrengungen zeigen übrigens auch in der Öffentlichkeit ihre Wirkung.

_Gibt es etwas in den vergangenen vier Jahren, von dem Sie sagen würden, dass es misslungen ist? Das Sie heute anders machen würden?

Da muss ich ehrlich nachdenken. Ich bin Realist, kein Pessimist, neige aber auch nicht zu übertriebenen Freudensprüngen. Anders machen würde ich manches, das ist klar. Wenn wir manche dieser Projekte jetzt aufsetzen könnten, würden wir es bestimmt etwas anders tun. Wir merken: Das sind Großprojekte, die Jahre dauern, aber die Kirche von Trier hat nicht stillgestanden in dieser Zeit, sondern hat sich weiterbewegt. Die Synode ist das große Symbol dafür – und nicht nur ein Symbol, sondern die große Realität dieser Dynamik.

Die Synode mit ihren Ergebnissen und deren Umsetzung überlagern natürlich all unsere Großprojekte, die wir gestartet haben. Aber das konnten wir vor Jahren nicht sehen - man kann einen Weg immer nur einmal gehen. Ich sage aber dazu: Wir haben an den richtigen Notwendigkeiten angesetzt.

_Ein Generalvikar ist, salopp formuliert, eher ein Verwaltungsmensch als ein Seelsorger, muss manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie sind etwa in eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Gesamt-Mitarbeitervertretung gegangen. Wie sind Sie mit diesen Anforderungen umgegangen?

Es ist tägliches Geschäft des Generalvikars, Entscheidungen zu treffen. Das kann ich, und das tue ich auch. Solche, die beraten werden müssen und längere Prozesse brauchen, müssen anders aufgestellt werden als solche, die aus der Kompetenz des Generalvikars heraus entschieden werden können.

In der Tat hat die Auseinandersetzung um eine öffentliche Reaktion der Gesamt-MAV im Kontext der Herausgabe des ersten Geschäftsberichts damals viel Aufmerksamkeit gehabt. Es gab eine gewisse Unsicherheit auch bei mir: „Wann stoppst du die juristische Auseinandersetzung, oder führen wir sie zu Ende?“ Ich hatte aber bei den Mitgliedern der Gesamt-MAV immer den Eindruck: Das bringt uns menschlich nicht auseinander. Ich wollte diese Frage einfach geklärt haben, damit wir für die Zukunft wissen, woran wir sind. Das hat nun stattgefunden, und mit dem Ergebnis kann ich gut leben - und mein Nachfolger vermutlich auch.

_Die Synode hat das Bistum geprägt und wird es weiter prägen. Was nehmen Sie von dieser besonderen Erfahrung mit nach Limburg?

Die Synode von Trier, das sind vier Jahre meines Lebens - nicht nur meines beruflichen Lebens, sondern da habe auch ich ganz viel investiert. Der Bischof hatte mich schon als Wallfahrtsleiter einbezogen in die Entscheidung: Berufen wir eine Synode ein? Oder starten wir einen Prozess ähnlich wie ihn andere Bistümer bereits gemacht haben? Ich war Mitglied der Vorbereitungskommission, dann sehr stark im Präsidium und im Geschäftsführenden Ausschuss eingebunden: Das hat mich entscheidend geprägt. Vor allem das synodale Geschehen der zweieinhalb Jahre, der sieben Vollversammlungen und der Prozesse in den Sachkommissionen, und die enorme Leistung der Redaktionskommission nehme ich auf jeden Fall mit, und zwar als etwas sehr Ermutigendes: Wir finden gemeinsam besser Wege in die Zukunft als alleine. Das ist eine ganz starke Kirchenerfahrung.

_Ihr Abschied aus dem Bistum Trier steht unmittelbar bevor. Welche Gefühle bewegen Sie?

Ich bin fast dankbar dafür, dass ich kaum Zeit habe, viel zu grübeln. Die Seele muss sicher erst noch nachkommen, weil ich stark in Anspruch genommen bin hier in Trier – das „Geschäft“ muss ja weiterlaufen und es sind keine einfachen Fragen, die derzeit anstehen. Und Limburg zieht seit dem 1. Juli, das ist klar. Ich will dort viele Menschen kennenlernen, Gespräche führen, Gremien und Gruppen treffen, weil mir das vor dem 18. September das Gespür gibt: Du wirst dort gut aufgenommen.

Mit Blick auf den 28. August ist schon Abschiedsschmerz dabei. Ich merke das, wenn Fragen kommen wie etwa vom Domkapellmeister nach meinem Lieblingsstücken für die Vesper. Dann kann ich mich nur retten, indem ich sage: Bitte wählen Sie alles aus! Dieser Tag wird schwer genug werden. Das möchte ich möglichst nicht noch weiter emotional aufladen.

_Sind Sie denn noch hier oder schon weg?

Hier bin ich immer noch stark eingebunden. Den einzigen Bereich, den ich schon an meinen Nachfolger übergeben habe, das ist die Steuerungsgruppe zur Umsetzung der Synode; denn das braucht jetzt besonders viel Aufmerksamkeit. So habe ich Freiraum, die anderen Pflichten nach wie vor gut zu verantworten. Gemeinsam mit dem Bischof wurde bald nach der Ernennung geklärt, wie lange ich Generalvikar bleiben soll – auch mit Blick auf die zeitlichen Möglichkeiten von Ulrich von Plettenberg. Das wird bis zum 18. September sein. Wenn ich auf dem Bischofsstuhl in Limburg sitze, dann bin ich nicht mehr Generalvikar in Trier. Bis dahin werde ich offiziell die Geschäfte führen, mich dabei aber zunehmend vertreten lassen müssen, was ja möglich ist.

 _Mit Dr. Ulrich von Plettenberg hat Bischof Stephan unmittelbar nach Ihrer Ernennung den neuen Generalvikar bekannt gegeben. Was möchten Sie ihm mit auf den Weg geben?

Da ich mir keinen besseren Nachfolger habe wünschen können, brauche ich ihm nichts mitzugeben. Er bringt mit seiner großen persönlichen Kompetenz und in seiner beruflichen Erfahrung als Bischofssekretär, als Schulpfarrer über zehn Jahre, als gestandener Pfarrer einer großen saarländischen Pfarreiengemeinschaft und als engagierter Synodale alles mit, was er braucht –  er braucht keinen Ratschlag von mir.

_Das Bistum Limburg ist ein spezielles Bistum durch die Ereignisse der letzten Jahre, hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Es wurde geschrieben, es gäbe kaum einen schwierigeren Job als dort Bischof zu werden. Wie gehen Sie damit um?

Mir begegnen solche Begriffe wie „schwerer Job“ und „Herkulesaufgabe“. Dann kann ich immer nur sagen: Ich bin kein Herkules. Ich bin, was ich bin; geworden und gewachsen vor allem auch durch meine Geschichte und an meinen Aufgaben hier in Trier. Ich mache in vielen Gesprächen die Erfahrung, dass die Menschen in Limburg sich offenbar ein gutes Stück Normalität wünschen. Einen Bischof, dem sie vertrauen können; denn das Vertrauen in das Bischofsamt ist angekratzt.

Aber die Menschen richten den Blick ganz klar nach vorne in die Zukunft, sie haben ähnlich schwierige Fragen zu lösen wie wir hier in Trier, vor allem: Wie können wir in dieser Zeit mit ihren Rahmenbedingungen Christsein leben und es attraktiv leben? Das ist die alles entscheidende Frage, vor der wir stehen, und der werden wir uns gemeinsam widmen.  

(Interview: Judith Rupp und Bruno Sonnen)

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