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Franz Josef Gebert, Weihbischof im Bistum Trier

Aufmerksamer Priester mit gelassener Perspektive

„Meine neue Aufgabe gehe ich gelassen und zuversichtlich an“: Mit diesen Worten begann Prälat Franz Josef Gebert im August 2000 seine Aufgabe als Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Trier. An dieser positiven Haltung hat sich nichts geändert. Er wird sie auch in seinem neuen Amt als Weihbischof leben. Und seinen Mitmenschen begegnet Franz Josef Gebert mit genau diesen Eigenschaften. Der 68-jährige Domdechant hat während seines Studiums in Rom ein Stück italienischer Gelassenheit und Leichtigkeit in sein Leben integriert.

Gebert stammt aus einer Winzerfamilie aus Schweich und absolvierte vor seiner theologischen Ausbildung zunächst eine Lehre zum Weinhandelsküfer. Verbunden mit dieser tiefen Verwurzelung in seiner Heimat, ist er ein bescheidener, bodenständiger Mensch geblieben, der sich die Zeit nimmt, anderen zuzuhören.

Für seine vielfältigen Aufgaben, die er als Domdechant, als Caritasvorsitzender und Seelsorger wahrnimmt, sind diese Eigenschaften wesentlich, geht es doch immer darum, Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen: Im Gespräch mit einer Altenheimbewohnerin, die sich freut, mal wieder heimatliches Platt zu sprechen, beim Gespräch mit Menschen mit Behinderung oder mit einer Ehrenamtlichen. „Es geht bei der Caritasarbeit immer auch darum, eine Kultur der Aufmerksamkeit in unseren Pfarreien und karitativen Einrichtungen zu entwickeln“, sagt Gebert: Es gehe darum zu erkennen, wenn jemand Hilfe braucht, dies aber vielleicht nicht sagt oder sagen kann.

Prälat Gebert ist nicht unbedingt jemand, der sich ins Rampenlicht drängt; zu viel Aufhebens um seine Person ist ihm eher unangenehm, und er reagiert auch schon mal etwas ungehalten, wenn zuviel fotografiert oder gefragt wird – zum Beispiel, wenn er als „Regisseur des Bischofs“ im Vorfeld einer großen Feier im Dom auch mal selbst im Blickpunkt der Medien steht. Mit seiner ruhigen, humorvollen Art sorgt er dafür, dass letztendlich alles gut läuft. Dabei ist die Gestaltung der Liturgie im Trierer Dom ein Lebensbereich, in dem er auflebt und in dem er seine persönlichen spirituellen Akzente setzt.

Leben aus der Liturgie und Caritas

Dieses „Leben aus der Liturgie“ ist dabei kein Widerspruch zur konkreten und bisweilen auch alltäglichen Arbeit der Caritas, die mit unzähligen Anliegen, mit Not und Elend vieler Menschen konfrontiert ist. Diese Arbeit erlebt der Caritas-Vorsitzende Gebert in vielen Besuchen, bei Eröffnungen, Jubiläen und Tagungen. So theologisch anspruchsvoll seine Vorträge oder Grußworte sind, so offen und unkompliziert kann Gebert plötzlich auf diejenigen zugehen, die die Hilfe der Caritas brauchen. Ein Gespräch mit einem Obdachlosen ist für ihn ebenso wenig ein Problem wie das gemeinsame Osterhasen-Backen mit Jungen und Mädchen in einer Jugendhilfeeinrichtung, bei dem er viel und herzlich lacht. „Wenn wir von ‚Menschen am Rande’ sprechen, sollten wir dies nicht immer mit dem Blick des Beratens und Helfens tun, sondern viel stärker geprägt sein vom Entdecken der Fähigkeiten. Mit solcher Aufmerksamkeit betrachtet, strahlt aus jedem Menschen eine eigene Würde und Schönheit“, so Gebert. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, diese Unmittelbarkeit mit der organisierten Professionalität eines großen Unternehmens in Einklang zu bringen. Caritas und die anderen pastoralen Dienste sollten sich mehr als eine Einheit verstehen und die gemeinsamen Aufgaben sehen.

Gebert hat im Rahmen seines beruflichen Weges in der Trierer Kirche beide Perspektiven kennengelernt: die des Seelsorgers und die des Caritas-Vorsitzenden. Seine persönliche Lebensperspektive stand schon früh fest: Die Entscheidung, Priester werden zu wollen, hatte er, wie er selbst sagt, in einem ganz kurzen Zeitraum getroffen – eine spontane Entscheidung, die dann den Weg vorgab. Nach seiner Lehre zum Weinküfer musste er sich zunächst das Abitur erarbeiten, um dann seine Ausbildung zum Priester in Trier und für sieben Jahre in Rom am Priesterseminar Collegium Germanicum fortzusetzen. Diese Jahre in Rom haben ihn geprägt. Es folgten nach der Rückkehr in die Heimat Stationen als Kaplan in Sinzig, Bischofskaplan bei Bischof Hermann Josef Spital, als Subregens des Trierer Priesterseminars und als Leiter der damaligen Hauptabteilung Pastorale Dienste im Bischöflichen Generalvikariat. Im Jahr 2000 erfolgte die Berufung zum Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes Trier. Parallel dazu liefen und laufen zahlreiche andere Aufgaben, unter anderem in der Lenkungsgruppe der Heilig-Rock-Tage.

Der Mensch Franz Josef Gebert findet sich in all diesen Aufgaben wieder. „Ich bin kein Hobby-Typ und habe wegen meiner vielfältigen Aufgaben und Kontakte auch keinen Bedarf danach“, sagt Gebert. Aber wer ihn gut kennt, weiß, was ihm besondere Freude macht: Italienische Lebensart, ein gutes Glas Wein, am liebsten natürlich von der Mosel, ein spannendes Buch oder eine schöne Wandertour.

Gaby Jacquemoth

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