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Der Bischof rief aus Anlass des sportlichen Großereignisses zu einer „Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins“ auf.

Der Mensch braucht seine/ihre Würde nicht zu erkämpfen...

Weihbischof Jörg Michael Peters beim Ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der Leichtathletik-WM am 13. August 2009 im Berliner Dom:

 
„Mit einem Ziel vor Augen“ haben sich Tausende von Menschen auf den Weg nach Berlin gemacht – viele von ihnen, um in den kommenden Tagen bei einem Ereignis dabei zu sein, das uns als Weltengemeinschaft über nationale Grenzen hinaus verbindet.

Es sind die Athletinnen und Athleten und ihre Teams, es sind Sportbegeisterte, die in den Stadien und Wettkampfarenen unmittelbar am Ereignis beteiligt sind. Darüber hinaus werden sich über das Fernsehen und andere Medien Menschen in 190 Ländern mit dem Geschehen hier in Berlin verbinden.

Vor dem Start der WM versammeln wir uns in der Domkirche zu Berlin zu einem ökumenischen Gottesdienst. Was bringen wir damit zum Ausdruck? Vielleicht dies: Wir schauen auf den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er hat einen jeden von uns geschaffen. Jedem und jeder hier hat er eine unverwechselbare, einmalige Würde geschenkt. Er ist Gott, der Große, der Allmächtige.

Wir sind nicht Gott, nicht die Größten, schon gar nicht allmächtig. Aber wir sind seine Geschöpfe, von ihm gewollt, geliebt, ins Leben gerufen. Das macht unsere Würde aus. Und deshalb brauchen wir niemanden sonst, der uns diese Würde zuspricht. Wir brauchen sie nicht zu erkämpfen, nicht in Konkurrenz und Wettkampf zu verteidigen. Er schenkt sie uns – das macht uns gleich und ebenbürtig, ganz unabhängig von Geschlecht, Volkszugehörigkeit, Hautfarbe, Glaube und persönlichen Überzeugungen. Darum sind wir untereinander Geschwister. Darum können und dürfen wir von der einen Menschheitsfamilie sprechen. Das ergibt sich nicht zuerst aus politischen Überlegungen, das ergibt sich aus unserem Glauben. Der aber ist nicht ohne politische Konsequenz.

Die Christenheit, die Kirche ist global-player längst vor einer Globalisierung, die unter dem Diktat des technischen Fortschrittes und des ökonomischen Nutzens steht. Was Not tut ist eine soziale Globalisierung, eine Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins.

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft Berlin 2009 hat als weltgrößtes Sportereignis des Jahres die Chance, dazu einen Beitrag zu leisten. Aus unserer christlichen Verantwortung heraus nehmen wir daran herzlich Anteil.

Wir tun es als solche, die zunächst einmal Freude am Leben haben, wofür der Sport eine wunderbare Ausdrucksform ist. Wir verkennen dabei nicht die Herausforderungen und die Grenzen, in die wir uns als Geschöpfe hineingestellt wissen. Weil aber Gott und Mensch zusammengehören und weil wir aus der Überzeugung leben, dass Gott nicht ohne uns leben will – und wir Menschen im Miteinander mit Gott neue Lebensqualität entdecken, darum finden wir uns hier zusammen.

Sportliches Tun hat etwas Unerklärliches, das manchen irritiert, der den Menschen durchschaut und erforscht zu haben glaubt. Es ist eine Darstellung des Lebens, wie es ist: Sieg und Niederlage; Kraft und Ohnmacht, Regeln und Kunst. Es ist eine willkommene Unterbrechung der ewig wiederkehrenden Abläufe des Alltags. Nicht von ungefähr stehen geschichtlich gesehen die Spiele und die Religion am Anfang der menschlichen Kultur. Das Spiel unterbricht den Alltag – und führt Menschen zusammen.

Religion tut das gleiche, nur auf tiefere Weise. Denn sie ist unsere menschliche Suchbewegung nach Sinn, der den Alltag trägt und überhaupt nur erträglich macht. Darum stimmt es wohl, was uns die Soziologen sagen: Wir Menschen sind in unserem Innersten unstillbar religiös. Im Letzten auf der Suche. Gedrängt von einer Sehnsucht, die sich nicht verdrängen lässt. „Wohin sonst?“ ist der Titel des getanzten Liedes, dem wir jetzt folgen dürfen.

Wohin also, so frage ich mich, wohin strecke ich mich aus? Wer stillt meine Sehnsucht? Bei wem mache ich mich fest? Wenn Sie diese Fragen kennen, möchten Sie vielleicht auch mit mir antworten: „Gott, nach dir – nach wem sonst?“

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