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Weihbischof Peters: Predigt anlässlich der Beauftragung der GemeindereferentInnen im Hohen Dom zu Trier am 1. September 2012

Wir sollen nicht unter unserem Niveau leben...

(Texte: 1 Kor 1,26-31  -  Mt 25, 14-30)

 
Ihre Sendung als Gemeindereferentinnen und Gemeindereferent zu feiern, sind wir hier im Dom, der Mutterkirche unseres Bistums, versammelt. Sendung meint dabei nicht den passiven Empfang – wie bei einer Radio- oder Fersehsendung. Vielmehr ist es eine Beauftragung, die das Aktiv-Werden der Gesendeten, Ihr Aktiv-Werden förmlich einfordert. Jeder Sendung aber geht die Sammlung voraus; sie ist gleichsam die Voraussetzung dafür, dass Sendung geschehen kann.
Das Sammeln und Gesendet-Werden ist der Lebenspuls der Kirche von Anfang an. Ecclesia, das griechische Wort für Kirche, meint ursprünglich: ‚die durch den Herold zusammengerufenen Bürger, ‚die Volksversammlung’.

Viele haben mit-gerufen

An einem Tag wie heute darf die Frage erlaubt sein, wer denn der ‚Herold’ oder besser die ‚Herolde’ gewesen sind, die Sie, liebe Kandidatinnen und lieber Kandidat, die ich im Auftrag von Bischof Stephan senden darf, zunächst herausgerufen und für einen entschiedenen Weg in und mit der Kirche bereitet haben: das Elternhaus – die Patin, der Pate – Priester und Seelsorger, Seelsorgerinnen in der Heimatgemeinde oder Ihrem Lebensumfeld – Erfahrungen im Jugendverband oder im Religionsunterricht – all diese Menschen, die Ihren Lebens- und Glaubensweg bis zuletzt in die Gemeinden Ihrer Berufseinführung prägend begleitet haben; viele von diesen sind heute Morgen hier, bei dieser Sendungsfeier dabei. Ein schönes Zeichen der Ermutigung und Verbundenheit im Glauben!

Jesus ruft und sendet

Letztendlich ist dieser ‚Herold’ aber Jesus selbst, der nicht von Ihnen lassen will, und dem Sie Ihre Antwort, die Antwort mit Ihrem Leben geben, wenn Sie heute hier stehen, um sich letztlich von IHM senden zu lassen. So haben Sie Sammlung – Verwurzelung im Glauben – Gemeinde Jesu Christi erfahren und sich vielfältig formen lassen für den Dienst in den Gemeinden unseres Bistums.

  • Mit den Menschen ‚vor Ort’ möchten Sie die Verbundenheit mit Christus teilen,
  • in Gemeinschaft unterwegs, nicht als Einzelkämpfer -
  • ohne fertige Rezepte, aber bemüht um einen Blick für Orte und Gegebenheiten, in denen sich der Herr als der Lebendige zeigt

- wie einer von Ihnen, Bernd Schmitz, es in ein Lied hineingeschrieben und -komponiert hat: You send us out, out to the world – Du sendest uns, hinaus in die Welt.

Die Wirklichkeit der Gemeinde...

Was ist es für eine Weltwirklichkeit, die auf Sie wartet, auf Sie und die Sendung zu den Menschen, die Sie von hier aus mitnehmen?

Eigentlich ist diese Wirklichkeit der nicht ganz unähnlich, die am Beginn der christlichen Gemeinde in Korinth geherrscht haben mag, wie wir es in den eindringlichen Worten der Lesung gehört haben: „Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder!“ Offensichtlich war es damals wie heute notwendig eigens daran zu erinnern, ja zu appellieren, was die Berufung durch Christus und seine Erlösung für uns bedeuten!

Und es ist dann die Erfahrung des Paradoxen, das wir bei uns und in uns drinnen ja auch nur allzu gut kennen. Paulus sagt es den Menschen in der - für damalige Verhältnisse – Großstadt Korinth auf den Kopf zu: Wie war es denn, als sich eure Gemeinde bildete; das war doch ein eher kärglicher, erbärmlicher Anfang: ganz verschiedene Menschen – unter ihnen viele einfache, wirtschaftlich schwache Leute, die damals zusammenfanden. Offensichtlich aber doch gerade, weil das Wesentliche nicht durch Menschenhand ‚mach-bar’, sondern von Gott ermöglicht wird – damals wie heute!

... von Gott ermöglicht

Und ähnliches sagt uns das Gleichnis von den Talenten.

Man sagt ja so leicht hin: Nur wer nichts tut macht keine Fehler. – Und das bestätigt sich, wenn man es umkehrt: Wer sich einsetzt, wer etwas in die Hand nimmt und bewegt, der kommt nicht an Fehlern vorbei. Im Evangelium von den Talenten aber werden wir belehrt, dass es sehr wohl ein Fehler sein kann, nichts zu tun, ein schwerwiegender Fehler, der über das ewige Heil entscheidet.

Positiv gewendet ist es die Absicht des Evangeliums, die Gnade Gottes in uns ernst zu nehmen und wirken zu lassen, mit ihr zu wuchern und sie nicht zu verstecken. „Könnte nicht das Leben eines jeden ein Kunstwerk werden?“, fragt ein Philosoph (Michel Foucault). Könnten wir nicht mit den Talenten, die wir von Gott mitbekommen haben, unserem Leben seine unver¬wechselbare Gestalt geben?

Ich darf Ihnen, liebe Kandidatinnen, lieber Kandidat heute danken dafür, dass Sie – wie ich es in einem lebendigen Austausch mit Ihnen erfahren durfte –  so manches Talent und Ihre vielfältigen Begabungen ganz unterschiedlich an der Seite von Menschen eingebracht haben: an der Seite von Familien, von Kindern und Jugendlichen in der Sakramentenvorbereitung, an der Seite der älteren Generation und in die muttersprachliche Gemeinde der katholischen italienischen Mission hinein. Ich sage Ihnen Dank dafür, war doch mit diesen und anderen Projekten im zurückliegenden Jahr immer wieder die eine oder andere Prüfungssituation verbunden!

Nicht unter unseren Möglichkeiten bleiben...

Wir sollen nicht unter unserem Niveau leben, unsere Talente nicht vergraben, sondern mit rechtem Selbstbewusstsein unsere Gaben einsetzen, um die Welt besser und die Gemeinschaft reicher zu machen, in der wir leben, mahnt uns das Evangelium weiter. Das meint nicht Äußerlichkeiten, es geht um uns selbst: Wo wir zum Vorschein kommen; wo wir sind, wie wir sein können; wo wir wesentlich werden, da spiegeln wir Gott.

Umgekehrt: Wo wir uns hinter Unwesentlichem verstecken, uns verkommen, verkümmern lassen und nichts riskieren, da sind wir nicht Spiegel Gottes sondern Spiegel unserer eigenen Armseligkeit. „Nicht haben, sondern sein: sich selber als Gabe leben“ (H. B. Gerl-Falkowitz) – das ist eine ganz und gar schöpferische Haltung. So lebt Gott, und so kann der Mensch leben, den er mit seiner Gnade beschenkt.

Das, liebe Mitarbeiterinnen und lieber Mitarbeiter in der Seelsorge in unserem Bistum ist Ihr Auftrag und Ihre Sendung: Selber diese Berufung zu leben und den Menschen, die Ihnen anvertraut sind und sich Ihnen anvertrauen werden, diese wunderbare Berufung zu bezeugen.

Und was ist der Lohn? „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“- das ist uns versprochen.

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