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Gedanken auf dem Heimweg von einer Rom-Pilgerreise (Oktober 2016)

Gottes Barmherzigkeit zum Klingen bringen

Wir sind auf der Heimfahrt von unserer Rom-Pilgerreise. 37 Pilgerinnen und Pilger – Diakone, deren Ehefrauen und einige Gäste – haben heute morgen in der romanischen Kirche Sant` Abbondio in Como zum letzten Mal in dieser Gemeinschaft Eucharistie gefeiert. Der Kirchenraum hatte den Blick auf die Apsis mit wunderschönen Fresken aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts freigegeben: 20 Episoden aus der Kindheit und dem Leidensweg Jesu – ganz entsprechend der Spiritualität der Franziskaner jener Zeit; einer aus dem Bettelorden war damals Bischof von Como.

In seine Predigt hatte Msgr. Helmut Gammel, der geistliche Leiter unserer Reise, die kleine Glocke eingebaut, die die Pilgerinnen und Pilger ihm am Vorabend zum Dank geschenkt hatten. Die vielen Eindrücke aus der ewigen Stadt würden nachklingen; aber dieser Klang werde mit der Zeit auch verhallen, wie bei einer Glocke. Dann werde es wichtig sein, die Glocke wieder neu zum Klingen zu bringen. Bei einer Pilgerfahrt im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sei es genau dies, was immer wieder zum Klingen gebracht werden müsse: Gottes Barmherzigkeit in unserem Leben.

Doch welche von den zahlreichen Erfahrungen, die wir aus Rom mitnehmen, können wir zum Klingen bringen? Die Audienz auf dem Petersplatz, bei der Papst Franziskus über unsere Sorge für die Armen sprach? Sie verwirklicht sich nur in der konkreten Begegnung mit dem konkreten Armen, den wir nicht billig vertrösten oder unbarmherzig abweisen. Oder die Eindrücke und Gedanken beim Gebet in imposanten Gotteshäusern oder beim Durchschreiten Heiliger Pforten, bei der Eucharistiefeier oder aus einem geistlichen Impuls?

Zwei eher unscheinbar wirkende Erfahrungen

An einem Abend hatten wir eine Begegnung mit einer Freiwilligen aus der Gemeinschaft Sant` Egidio in Trastevere. Emilia ist eine vierzigjährige Italienerin, Mutter von zwei Kindern; sie ist seit ihrer Jugend in dieser Laienbewegung mit mittlerweile mehr als 60.000 Personen in über 70 Ländern engagiert. Die römische internationale Gemeinschaft trifft sich in der Kirche Santa Maria in Trastevere zum Abendgebet, jeden Wochentag unter einem anderen Anliegen: für den Frieden, für die Armen, für die Ökumene usw. Und sie fragen nach den Zeichen der Zeit, die sie zum konkreten Handeln inspirieren: etwa in der Sorge um Obdachlose und Migranten, in der Friedensarbeit oder der Betreuung von sozial prekär lebenden Familien. Dabei kann ihr Engagement auch international werden: Derzeit setzt Sant‘ Egidio sich für humanitäre Korridore ein; Personen mit besonderem Schutzbedarf und mit einem humanitären Visum sollen darüber legal nach Italien einreisen können. Das könnte sie davon abhalten, sich in seeuntauglichen Schlauchbooten auf die mörderische Überfahrt über das Mittelmeer zu machen.

Die andere Erfahrung, die weiterklingen kann, hängt mit einem Ereignis zusammen, das schon über 50 Jahre zurückliegt (vgl. Paulinus Nr. 50 vom 13.12.2015, S. 3): Am 16.11.1965, also kurz vor dem Abschluss des II. Vatikanischen Konzils, trafen sich in den Domitilla-Katakomben 40 Bischöfe zur Unterzeichnung des „Katakombenpaktes“ für eine arme und dienende Kirche. Später schlossen sich ihnen noch 500 Bischöfe an. In Solidarität mit den Armen verpflichteten sie sich zu einem einfachen Lebensstil ohne Prunk und Privilegien. Sie wollten in ihrem persönlichen Lebensstil das verwirklichen, was die lateinamerikanischen Bischöfe wenige Jahre später die „Option für die Armen“ nannten; Papst Franziskus hat es drei Tage nach seiner Wahl in einer Audienz so ausgerufen: „Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“ Nach dem Besuch der Katakomben haben die Pilgerinnen und Pilger an diesen Pakt gedacht und den Mut der Bischöfe vor Augen gehabt.

Gottes Barmherzigkeit klingen lassen – in einer Gemeinschaft wie Sant` Egidio oder in einem Lebensstil, der vom Katakombenpakt inspiriert ist. Das wäre es!

Ernst Schneck

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