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Pfingst-Novene 2019 - 5. Tag

Wir sind zum ewigen Leben geboren

Lesung

Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. Wir wissen doch:  Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.

Röm 6,3-6


Evangelium

Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Amen, amen, ich sage euch: Die Stunde kommt und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben.

Joh 5,24-25

Impuls

Wir sind zum ewigen (göttlichen) Leben geboren

Unmittelbar nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Deutschlands von 1945 bis 2014 schreibt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am 14. September 2018 an die Gemeinden in seinem Bistum: „Mit Ihnen bin ich zutiefst erschüttert und traurig über das unermessliche Leid, das unzähligen Menschen zugefügt worden ist.  Die Studie bescheinigt unserer Kirche ein großes Versagen, weil viele Verantwortliche zu wenig oder nichts getan haben, um Verbrechen zu verhindern, aufzudecken, aufzuklären und zu ahnden. Ich kann den Zorn verstehen, der viele Menschen in unserem Land und sicher auch viele von Ihnen erfasst hat.“

Das Wegschauen, Nicht-wahrhaben-Wollen oder bewusste Vertuschen macht der Essener Bischof als einen Kernpunkt institutionellen Versagens aus. Die Gründe für den massenhaften Missbrauch von Kindern und Jugendlichen liegt für ihn nicht nur im Versagen einzelner Priester, sondern hat strukturelle Gründe, mit denen sich die Kirche auseinanderzusetzen habe. So fährt Overbeck fort: „Ich versichere Ihnen, dass ich mich auch über unser Bistum hinaus entschieden dafür einsetzen werde, die Ergebnisse der Studie und die Empfehlungen der Wissenschaftler sehr ernst zu nehmen. Dazu gehören vor allem auch die alarmierenden Hinweise, dass einige Vorstellungen und Aspekte unserer katholischen Sexualmoral sowie manche Macht- und Hierarchiestrukturen sexuellen Missbrauch begünstigt haben und immer noch begünstigen. Wir müssen darüber in der Bischofskonferenz, aber auch in unserer gesamten Kirche offen und angstfrei reden, damit wir die richtigen Konsequenzen ziehen.“ Der Versuch, sich in sakrale Schonräume oder die Phantasiewelt eines makellosen Katholizismus zurückzuziehe, zerbricht an der Realität, die mit der  Missbrauchsstudie offensichtlich geworden ist. Nüchtern zu erkennen, wie die Strukturen des kirchlichen Machtgefüges daran Mitverantwortung tragen, und daraus Konsequenzen zu ziehen, wird eine zentrale Aufgabe der nächsten Zeit sein. Ob die Verantwortlichen in der Kirche dazu bereit und fähig sind?

In dieser turbulenten Zeit erinnert uns das Sakrament der Taufe daran, wer wir sind. Wir sind zum Ewigen Leben geboren und das heißt zum göttlichen Leben. Schon jetzt sollen wir in unserem Leben deutlich machen, dass nicht unsere Begierden Überhand gewinnen. Denn letztlich schaden sie nur anderen Menschen und natürlich auch uns. Ja, Gott soll in diesem Leben vorkommen, und zwar durch uns. Wer getauft wird, wird hineingetaucht in die Wirklichkeit unseres Lebens. In der alten Kirche wurde das mit dem Untertauchen des ganzen Körpers verdeutlicht: Du bist hineingetaucht in die Realitäten dieser Welt mit all ihrer Ambivalenz. Hier haben wir uns zu bewähren. Fürchte dich nicht vor der Auseinandersetzung mit den Abgründen in dir und um dich herum. Du bist zum Leben geboren, zu einer göttlichen Würde, du wirst nicht untergehen, wirst selbst im Tod  nicht untergehen. Auch dort – und gerade dort – wo du dich der Wirklichkeit des Lebens stellst, kannst du die Gegenwart des lebendigen Gottes finden. Wir sind nicht dem Bösen ausgeliefert. Selbst den größten Schmutz, der an uns haftet, werden wir los, wenn wir uns lossagen von unseren Verkehrtheiten und auf die Hilfe der Vergebung Gottes vertrauen.

Helmut Gammel

Für heute

Fürbitten

Auch wenn unsere Sünden und Verkehrtheiten noch so groß sind.  Wir dürfen auf die Vergebung Gottes hoffen. Im Vertrauen auf das Wirken seines Heiligen Geistes kommen wir zu ihm mit unseren Bitten:

Für alle Opfer von Gewalt, Hass und Gier, dass ihre körperlichen und seelischen Wunden heilen.

Christus, höre uns.

Für unsere Kirche, dass sie immer wieder aus der Verstrickung von Macht und Besitz umkehrt, um allein dir und den Menschen zu dienen.

Christus, höre uns.

Für uns, dass wir nicht mehr unseren ganz persönlichen Versuchungen erliegen und unsere göttliche Würde erkennen.

Christus, höre uns.

Für alle, die sich ihrer Schwächen schämen, für alle, die Konflikten lieber aus dem Weg gehen und für alle, die Angst haben vor Entscheidungen.

Christus, höre uns.

Für alle Verantwortlichen in der Kirche, dass sie den Mut haben zu Entscheidungen, die dem Menschen dienen.

Christus, höre uns.

Weiteres:
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