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Pfingst-Novene 2019 - 2. Tag

Wir sind zur Freiheit geboren

Lesung

Und Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten?
Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran. Siehe, GOTT, der Herr, wir mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären?
Siehe, sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen.
Wer von euch den HERRN fürchtet, der höre auf die Stimme seines Knechtes.
Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.

Jes 50,7-10


Evangelium

Da sagte er zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien. Sie erwiderten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und sind noch nie Sklaven gewesen. Wie kannst du sagen:  Ihr werdet frei werden? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wer die Sünde tut, ist Sklave der Sünde. Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus; nur der Sohn bleibt für immer. Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei.

Joh 8,31-36

Impuls

Wir sind zur Freiheit geboren

Wenn wir in das Grundgesetz schauen, dann nimmt das Thema Freiheit einen wichtigen Platz ein. Da ist von vielen Freiheiten die Rede, die dem Menschen zugesichert werden: angefangen von  der Religionsfreiheit über die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit bis zur Vereinigungsfreiheit oder Freiheit der Wohnungswahl. Die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes sichern die Rechte der Bürgerinnen und Bürger in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Natürlich haben diese Freiheitsrechte, die 1949 zum ersten Mal in das Grundgesetz unseres Staates aufgenommen wurden, ihre eigene Geschichte. Sie wurden erkämpft, oftmals gegen den Widerstand der damals Herrschenden.

Dass die Kirche als Gemeinschaft  wiederholt eher zu den Gegnern als zu den Förderern gehörte, ist für sie kein Ruhmesblatt. Dass sie bis heute oft mehr mit Disziplin, Reglementierung und Bevormundung als mit Freiheit in Verbindung gebracht wird, gehört zu den bitteren Kapiteln ihrer eigenen Geschichte. Der Drang nach Freiheit geht selbst in der Kirche weiter, wie wir es in unseren Tagen erleben, wo   innerhalb der Kirche Forderungen laut werden, die nach besseren Lösungen schreien. Und dabei ist doch der Kirche das Eintreten für die Freiheit ins Stammbuch geschrieben, wenn wir an die Evangelien denken.

Bei der Taufe wird der Täufling gleich zu Anfang das Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet. Nicht nur der Taufende, auch die Eltern und die Paten bezeichnen den Täufling mit dem Kreuzzeichen. Das hat seine Bedeutung. Es ist das unverkennbare Zeichen für Jesus Christus, der uns zur Freiheit befreit hat.

Du bist frei! Bei der Taufe wird dem Menschen diese Aussage als Vorzeichen vor sein Leben gestellt: „Du bist keines Menschen Knecht und gehörst keiner Macht, die auf dich Anspruch erhebt. Du gehörst nur dem, der dich ins Leben gerufen hat, und dem, dem du dich in Freiheit anvertrauen willst.“ Durch die Taufe ist dem Menschen diese Freiheit zugesichert. Durch das Kreuzzeichen wird auch deutlich, auf welcher Seite ich nun stehe. Ich brauche mich vor keiner irdischen Macht zu beugen, die mich in menschenverachtende Abhängigkeiten bringen will.  „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ schreibt der Apostel Paulus an die christlichen Gemeinden in Galatien und fügt – in Kenntnis der Gefährdung dieser Freiheit – mahnend hinzu: „Steht daher fest und laßt euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal 5,1) Das Kreuzzeichen, das den Getauften auf die Stirn gezeichnet wird, ist anspruchsvoll und folgenreich zugleich. Daher braucht es auch gleichzeitig die Bitte um den Heiligen Geist, dass die Getauften sich ergreifen lassen zum entschiedenen Engagement für diejenigen, die von „Fesseln des Unrechts“ (Jes 58,6) geknebelt sind.

Die Kirche muss Anwalt für diese Freiheit sein oder immer mehr werden, wenn sie die Zusage ernst nimmt, die ihr selbst und dadurch auch ihren eigenen Mitgliedern gegeben ist.

Wir können nur hoffen und wünschen, dass das bei der Taufe behutsam auf die Stirn gezeichnete Kreuz als Freiheitszeichen die Sehnsucht wachhält, dass die Kirche wie die Gesellschaft von jenem Geist geprägt wird, der „den Armen eine frohe Botschaft“ bringt, „den Gefangenen Entlassung“ verkündet und „die Zerschlagenen in Freiheit“ setzt (vgl. Lk 4,18-19).

Helmut Gammel

Für heute

Fürbitten

Wenden wir uns mit unseren Bitten und Fürbitten an Gott.

Wir bitten um den Geist der Freiheit in Kirche und Staat und auf allen Ebenen.

Du Gott der Freiheit... Wir bitten dich, erhöre uns!

Wir bitten für unsere Kirche, für den Papst, die Bischöfe und alle Verantwortlichen um den Geist der Weisheit und des Rates.

Du Gott der Freiheit...

Wir bitten für die Neugetauften um Mut und Freude im Heiligen Geist.

Du Gott der Freiheit...

Wir beten für alle, die auch heute noch in Unfreiheit leben müssen, die abhängig gehalten und klein gemacht werden.

Du Gott der Freiheit...

Wir beten für die Menschen in den Krisengebieten diese Erde, lass sie wirksame und befreiende Hilfe erfahren.

Du Gott der Freiheit...

Wir beten für alle, die abhängig sind von Drogen oder auch von Menschen, schenke ihnen menschenwürdige Befreiung.

Du Gott der Freiheit...

Du Gott führst uns aus der Finsternis zum Licht, aus der Knechtschaft und Abhängigkeit zur Freiheit. Dafür danken wir dir. Amen.

Weiteres:
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