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1. Tag

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Aus einem Ast wächst ein neuer Trieb
Datum:
Fr. 15. Mai 2026
Von:
Msgr. Helmut Gammel

1. Beginn

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gott, ich will still werden und hinhören auf das, was du mir jetzt sagen willst. Öffne mein Herz und meine Sinne auf dich hin und lass mich deiner Weisung folgen. Dein Heiliger Geist führ und leite mich. Er schenke mir die Vielfalt seiner Gaben, die ich so notwendig brauche.

2. Schriftwort

Lesung aus dem Propheten Jesaia (Jes 11,1-4a)

Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des Herrn ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht der Herrn. Er richtet nicht nach dem Augenschein und dem Hörensagen entscheidet er nicht, sondern richtet die Geringen in Gerechtigkeit und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.

3. Besinnung

Dieser Text des Propheten Jesaia benennt die Gaben des Geistes, die dem glaubenden Menschen geschenkt werden. Der kleine Zweig, der aus dem alten Baumstumpf herauswächst, ist ein Bild für das Neue, das Gott schafft. Dieses Neue dürfen wir immer wieder neu erbitten. In dieser Aktualität steht auch das gemeinsame Gebet der Pfingstnovene und das individuelle Bedenken der einzelnen Geistesgaben. Wenn auch anonym, sind wir als große Gemeinschaft versammelt durch unser Gebet. Gottes Geistesgaben sind immer aktuell, wirksam und lebendig.

Die uralte prophetische Verheißung bekommt durch die Geistsendung des Auferstandenen neue Nahrung und Aktualität für das Leben der Gläubigen. Die Gaben des Hl. Geistes vermittelt durch die Geistsendung geben der verzagten kleinen Gemeinschaft der Christen neues Leben und neuen Mut. Auch heute braucht die Kirche und jeder einzelne Gläubige diese Gaben, diese Ermutigung, um sich zu Christus zu bekennen. Geistesgaben sind wie Medizin, die unsere eigenen Abwehrkräfte stärkt und erneuern kann, damit wir uns den Herausforderungen des Lebens und des Glaubens stellen können. Geistesgaben sind vielfältig, so wie unser Leben vielfältig ist. So sollen und dürfen wir immer neu um die für uns gemäße Geistesgabe bitten. Diese Bitte kann wie ein persönliches Gespräch, ein Gebet sein.

In der Haltung, wie es einmal Bischof Klaus Hemmerle formulierte: „Großes Gebet – ganz knapp: Veni – komm! Das Urgebet um den Geist.“

Im Laufe dieser neuntägigen Pfingstnovene bitten wir jeden Tag um eine andere Geistgabe. Wir sollten unsere persönliche Form der Bitte um die Geistesgaben finden. Dabei müssen wir nicht viele Worte machen.

„Die Stille ist der Arbeitsplatz Gottes“, rät auch unser Papst Leo XIV.

4. Stille

5. Gebet / Abschluss

Komm, Heiliger Geist, vom ewgen Thron, 
einst mit dem Vater und dem Sohn; 
durchwirke unsre Seelen ganz
mit deiner Gottheit Kraft und Glanz.

Erfüll mit heil’ger Leidenschaft
Geist, Zunge, Sinn und Lebenskraft;
mach stark in uns der Liebe Macht,
dass sie der Menschen Herz entfacht.

Lass gläubig uns den Vater sehn,
sein Ebenbild, den Sohn, verstehn
und dir vertraun, der uns durchdringt
und uns das Leben Gottes bringt.

Amen.

(vermutlich Ambrosius +397)