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Einblicke

Guten Tag!

Mein Name ist Andrea Steyven. Ich bin Geschäftsführerin der Aktion Arbeit im Bistum Trier. In der Zeit vom 16. bis zum 27. Juli 2018 habe ich ein Praktikum bei der CarMen gGmbH (Caritas für Menschen in Beschäftigung) in Koblenz gemacht.

Während dieser Zeit arbeitete ich in allen Arbeitsbereichen der CarMen mit den Menschen, um die es bei unserer Arbeit geht, mit. Ich habe beispielweise in der Gebäudereinigung, im Kleiderladen oder auch in der Spülküche kräftig mitangepackt und an sogenannten „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“ teilgenommen ...

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    Diese Idee ist aus dem Gedanken heraus entstanden, die Verbindung zur Lebenswirklichkeit der Menschen nicht zu verlieren. Mir ging es dabei vor allem darum, ein Ohr zu sein für meine neuen Kolleginnen und Kollegen und Interessierte über diesen Blog und auf den Social-Media-Kanälen des Bistums (Facebook und Instagram) daran teilhaben zu lassen. Täglich habe ich von meinen Erfahrungen hier berichtet.

    Ich betrachte diese Hospitation auch als Experiment in der Umsetzung der Synodenergebnisse im Kleinen. Insbesondere den ersten Perspektivwechsel „Vom Einzelnen her denken“ sehe ich hier. „Vom Einzelnen her denken meint eine fragende, sich interessierende, sich solidarisierende und eine zugewandte Kirche“, heißt es im Abschlussdokument der Synode. Ich wollte dies während meiner Hospitation umsetzen und den Menschen Gehör verschaffen, die sich oftmals überhört und unsichtbar fühlen. Wie sieht ihre Lebenswirklichkeit aus? Was haben sie zu sagen?

    Ich wünsche mir, dass ich mit meinen Einblicken ein wenig den Blick auf die Menschen ändern kann, um die es bei unserer Arbeit geht.

  • Freitag, 27. Juli - INNOVA Switch

    Gesundheitstag
    Heute bin ich gegen 10 Uhr am Cusanus-Gymnasium. Ich mache bei der Maßnahme INNOVA mit. Ich treffe auf Janna, die eine der beiden sozialpädagogischen Begleiterinnen der Maßnahme ist. Ich hatte mich auf Sport eingestellt. „Dafür ist es heute zu heiß“, sagt Janna. „Wir haben uns einen theoretischen Input überlegt, bevor wir mit dem Kochen anfangen“.

    INNOVA
    Ziel dieser Aktivierungsmaßnahme für Langzeitleistungsbeziehende ist die Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit, z.B. durch die Verbesserung der beruflichen Erfahrungen, den Aufbau und die Stärkung des individuellen Netzwerks, die Verbesserung der finanziellen Situation, die Realisierung gesundheitsfördernder Maßnahmen sowie Förderung des Arbeits- und Sozialverhaltens. „In einem individuellen Förderplan zu Beginn der Maßnahme wird dabei mit Ihnen gemeinsam der jeweilige Bedarf festgestellt und gemeinsame Ziele vereinbart.“ So steht es in der Maßnahmebeschreibung.

    Theoretischer Input
    Als Kirsten, die zweite sozialpädagogische Begleiterin mit weiteren Teilnehmern (heute sind es insgesamt neun) vom Einkaufen zurück ist, setzen wir uns an die Tische. Janna beginnt mit Tipps für einen günstigen und gesunden Einkauf, wobei sie die Anwesenden auffordert, sich zu beteiligen. Es entsteht eine rege Diskussion und eine große Ideenvielfalt unter den Teilnehmenden. Dabei geht es auch um die Umwelt. „Ich kaufe doch keine Gurke, die verpackt ist“, sagt Herbert. „Das geht auch anders!“ Wir bekommen noch Tipps über die Küchenhygiene und dann geht es ans Kochen.

    Kochen
    Nachdem Kirsten unser heutiges Menu vorgestellt hat, werden die Aufgaben verteilt. „Wer will für was zuständig sein?“ fragt sie. Rudolf zum Beispiel meldet sich für den Couscous und Heiko für die orientalische Hackfleischpfanne. Dominik und ich schälen Zwiebeln, schneiden Tomaten und Gurken klein - eine gute Gelegenheit, weiter im Gespräch zu bleiben. „Haben wir noch Zeit zum Sprechen?“ hatte er gefragt als die Aufgaben verteilt wurden.

    Gespräche
    Und während andere in der Küche arbeiten, erzählt mir Dominik, der inzwischen Mitte 30 ist, von seinem beruflichen Werdegang, der eigentlich noch gar keiner war. Denn nach dem Zivildienst, einem nicht abgeschossenen Studium und einer abgeschlossenen Ausbildung hat sich nicht viel getan. „Ich habe schon gearbeitet, aber nie lange“, sagt Dominik. „Es war alles nicht so das Richtige.“ Im Rahmen von INNOVA arbeitet Dominik in der Gebäudereinigung. „Erst mal nicht in vollem Umfang. Das ist mir zu viel“, sagt er.

    Später komme ich noch kurz mit einem weiteren Teilnehmer ins Gespräch, der bald eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann beginnen wird. Er ist sehr mitteilsam. Seine Geschichte rattert er in zwei Minuten herunter. „Nach dem Abitur ein Studium begonnen und abgebrochen, mit Kiffen angefangen, Zuhause rausgeflogen, Therapie, und dann habe ich tatsächlich einen Ausbildungsplatz gefunden.“ Ich habe den Eindruck, dass er darüber selbst verwundert ist.

    Menschen auf dem Schulhof
    Während wir mit den Essensvorbereitungen beschäftigt sind, kommen auf dem Schulhof Menschen zusammen. Es sind alles Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von CarMen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Einige von ihnen erkenne ich. Als ich Jolantha frage, was los ist, sagt sie: „Das hat Bruno organisiert. Wir verabschieden uns von Helmut. Er hat eine neue Stelle gefunden. Am Dienstag hat er seinen letzten Tag bei CarMen.“
    „Familie“ fällt mir ein. Ja, es ist wie in einer großen Familie. Ich bin fast ein bisschen wehmütig, dass ich nicht bei dieser Familie bleiben kann. Für mich beginnt am Montag wieder meine Arbeitsalltag in Trier.

    Fazit
    In den zwei Wochen bei CarMen habe ich erlebt, was es bedeuten kann, vom Einzelnen her zu denken und jeden Menschen nach seinen Talenten und Fähigkeiten einzusetzen. Ich habe auch erfahren, wie in diesem Kontext netzwerkartige Kooperationsformen, wie es im dritten Perspektivwechsel unserer Bistumssynode heißt, verankert werden können. Durch die Kooperation mit anderen sozialen Einrichtungen, Bildungsträgern und Betrieben kann CarMen zahlreiche Trainings- und Praktikumsplätze anbieten.

    Und noch etwas habe ich hier gesehen: Eigentlich wird unser Konzept von der Aktion Arbeit, der Integrierte Arbeitsmarkt, hier schon im Kleinen umgesetzt. Es gibt ein paar Arbeitsplätze mit einem unbefristeten Beschäftigungszuschuss, es gibt Arbeitsplätze im Rahmen der Sozialen Teilhabe und es gibt Angebote für weniger leistungsfähige Menschen. Das geht nur – auch das habe ich erkannt – mit der entsprechenden inneren Haltung und dem absoluten Willen solche Arbeitsplätze zu schaffen. Und ich vermute, dass hier nicht alle nötigen Erträge zur Finanzierung erwirtschaftet werden. Das geht wahrscheinlich nur mit Unterstützung des Verbandes.

    Dank
    Zum Abschluss meiner Hospitation bedanke ich mich ganz herzlich bei allen meinen Kolleginnen und Kollegen der letzten zwei Wochen, die es mir leicht gemacht haben, für zwei Wochen ein Teil der „Familie“ CarMen zu sein. Ganz besonders danke ich Hermann Trapp, ohne dessen Unterstützung das alles nicht möglich gewesen wäre.

  • Donnerstag, 26. Juli - Kleiderladen Switch

    Ankunft
    Heute bin ich im Kleiderladen in der Hohenzollernstraße. Als ich um kurz vor 9 Uhr ankomme, sind die heutigen Kolleginnen und Kollegen zum Teil schon da. Im Container auf dem Hof werden die Kleider-, Spielzeug- und Porzellanspenden vorsortiert. Hier herrscht Ordnung. An der Wand sind Kleiderstanden befestigt, darunter stehen Kisten, in die die gespendeten Dinge sortiert werden. „Für diese Struktur hat der Kollege aus Afghanistan gesorgt“, wird mir Hermann Trapp später verraten. Auf dem Hof gibt es einen Kleidercontainer, in den am Wochenende die Spenden gelegt werden können.

    Begrüßung
    Tatjana, die Leiterin des Kleiderladens begrüßt mich freundlich und stellt mir die schon Anwesenden vor. Ich stelle mich ebenfalls vor und erkläre, warum ich heute hier bin.

    Aufgabe
    Zunächst bin ich mit Helene (57) und Roni (34) im Container. Tatjana erklärt, auf was ich bei der Sortierung achten muss und fragt zwischendurch immer Roni wie er das sieht. Nachdem Tatjana gegangen ist, merke ich, dass das gar nicht so einfach ist. Zwischendurch muss ich immer mal wieder Roni und Helene befragen. "Du musst schauen, ob alle Knöpfe dran sind und die Nähte in Ordnung." Roni arbeitet außerordentlich gewissenhaft. Roni ist Syrer und seit eineinhalb Jahren in Deutschland. Er arbeitet hier im Rahmen der MYK Mobil-Maßnahme. Helene hat einen Arbeitsvertrag im Rahmen der Sozialen Teilhabe.

    Im Verkaufsraum
    Hier ist inzwischen Helga eingetroffen. Helga ist eine Ehrenamtliche, die schon seit vielen Jahren einmal in der Woche (manchmal auch mehr) im Kleiderladen hilft. Nebenan im Bereich treffe ich auf Joseph (20). Joseph kommt aus Ruanda und macht hier über seine Schule ein freiwilliges Jahr. "Er versteht alles, aber er traut sich noch nicht so richtig auch zu sprechen", erklärt mir Wilma, die inzwischen dazugekommen ist. Wilma arbeitet hier im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit. Sie ist 57 und konnte irgendwann ihren Beruf als Erzieherin nicht mehr ausüben.

    Im Container
    Hier sind inzwischen Sami (28) und Yanal (32) eingetroffen. Die beiden sind auch Syrer und im Rahmen der MYK Mobil-Maßnahme hier. "Meine Eltern und Geschwister leben in Hagen. Ich darf dort nicht leben, weil ich erstmal drei Jahre hier bleiben muss", erklärt mir Sami. Das ist bei Yanal ähnlich. Im Rahmen der Maßnahme müssen die beiden später noch  ein Praktikum absolvieren. "Ich habe ein Praktikum bei einem Supermarkt. Mein Vater und ich hatten einen großen Laden in Syrien. Ich möchte gerne wieder im Verkauf arbeiten", sagt Yanal. Sami sucht noch einen Praktikumsplatz bei einem Frisör oder im Verkauf. Morgen machen die beiden ihre mündliche Prüfung B2. Ich finde, beide sprechen gut deutsch. Sami sagt:“ Weißt Du: Ich denke in arabisch. Dann muss ich das im Kopf erstmal übersetzen und dann sprechen.“ Ich verspreche, Sami und Yanal die Daumen zu drücken.

    An der Kasse
    Hier hat nach der Mittagspause Ulrike Helga abgelöst. Ulrike ist 54 und hat eine turbulente Lebensgeschichte. Schon früh auf sich allein gestellt konnte sie keine Ausbildung machen. Irgendwann alleinerziehend mit vier Kindern ist sie in einer Arbeitsgelegenheit bei CarMen gelandet. Nun arbeitet sie schon seit vielen Jahren fest auf einer Halbtagsstelle im Kleiderladen. Und das macht sie sichtlich gerne und sehr gut.

    Kleine Erfrischung
    „Heute ist wenig Betrieb hier. Wahrscheinlich sind die meisten Menschen im Schwimmbad,“ sagt Tatjana. Das kann man niemandem verdenken. Nachmittags haben wir 36 Grad Celsius im Laden. Martina Best-Liesenfeld, die Caritasdirektorin, die ihr Büro im selben Haus hat, hat für alle ein Eis spendiert. Hiervon profitieren auch Raymund und Kevin, die gerade hier sind, um unseren Müll zu entsorgen. – Und dann ist auch bald Feierabend. Zum Ende besuchen uns noch Hermann Trapp, der Geschäftsführer und Carsten Tesch, der unser „Abenteuer“ begleitet.

    Bunter Strauß
    Heute bin ich hier wieder einem bunten Strauß von Menschen begegnet, die in den unterschiedlichsten Bezügen hier eine Arbeit und einen Platz gefunden haben.

  • Mitwoch, 25. Juli - Stromsparcheck Switch

    Im Acker
    Heute startet mein Tag um 8 Uhr im Acker 23, wo im Betriebsgebäude der Stromsparcheck untergebracht ist. Normalerweise arbeiten hier fünf Personen. Wegen der Urlaubszeit treffe ich heute nur Olga, Günther und Sascha an. Den Stromsparcheck gibt es seit rund zehn Jahren. Hier werden langzeitarbeitslose Menschen zu Stromsparhelfern geschult. Sie beraten Transferleistungsbezieher in deren Haushalten, wie sie Energie und Wasser sparen können.

    Die Kunden
    "Das ist eine sensible Geschichte", sagt Günther. "Schließlich kommen wir als fremde Leute in eine fremde Wohnung. Die Haushalte, die wir besuchen, sind sehr unterschiedlich. Viele Transferleitungsbezieher werden ja nicht als als 'Hartzer' geboren, sondern haben ein Leben lang gearbeitet und sind auch entsprechend gut eingerichtet." Für Alleinstehende sei es besonders schwer, wenn z.B. einmal die Waschmaschine kaputt gehe, denn sie können von dem wenigen Geld kaum etwas abzweigen. "Wenn sie Glück haben, gewährt ihnen das Jobcenter einen Kredit, aber die Rückzahlung ist natürlich auch schwierig", sagt Günther.

    Termine
    Heute haben die Stromsparhelfer zwei Kundentermine. Kurz bevor es losgehen soll, sagt eine Dame den Termin ab. "Die Kundenakquise ist recht schwierig. Das Jobcenter Koblenz hat inzwischen ein Callcenter eingerichtet, sodass man dort weniger Menschen antrifft. Außerdem geht es dort um die Existenz. Es ist einfacher, die Menschen bei der Tafel anzusprechen. Dort sind die Menschen entspannter", erklärt Günther.

    Die Situation ist bekannt
    "Wir kennen die Situation unserer Kunden, weil wir sie selbst erlebt haben", sagt Günther, den alle Günni nennen. Günther (61) hat eine Ausbildung zum  Einzelhandelskaufmann gemacht. "Ich hatte eigentlich immer Arbeit. Wenn ich mal wechseln wollte, war das kein Problem. Meist genügte ein Anruf und ich hatte eine neue Stelle." Das änderte sich irgendwann als der Arbeitgeber sein Gehalt nicht mehr zahlen konnte. "Wenn du mal über 40 bist, hast Du kaum noch eine Chance", sagt er.

    Dann ging es bergab
    "Bald konnte ich die Miete nicht mehr zahlen. Bei der Agentur für Arbeit sagte mir die Dame, sie könne mir sagen,was mir an Geld zustehe. Sie könne mir Fragen beantworten, aber wie ich von dem Geld überleben soll, wisse sie auch nicht. Dass man das Arbeitslosengeld I durch Arbeitlosengeld II aufstocken konnte, wusste ich damals nicht. Ich habe angefangen zu trinken, bin aber seitdem trocken", erzählt Günni weiter.

    Die Wohnsituation
    Eine kleine, günstige Wohnung zu finden ist schwer. Kleine Wohnungen bist 50 m² sind wenige auf dem Markt und verhältnismäßig teuer. "Irgendwann hab ich ein Wohnklo mit Kochgelegenheit gefunden", sagt Günther. Auch Olga weiß davon zu berichten. Die Miete ihrer Wohnung ist nach Eigentümerwechseln in den letzten Jahren so stark angestiegen, dass sie inzwischen fast die Hälfte ihres Gehalts für das Wohnen aufwenden muss. "Bald bleibt mir auch nicht viel mehr als der Hartz IV-Satz zum Leben", sagt Olga, die wie Günther schon seit neun Jahre beim Stromsparcheck mitmacht.

    Anstellung bei CarMen
    "Dann hat mich irgendwann Herr Trapp angerufen und mich gefragt, ob ich Interesse am Stromsparcheck habe", berichtet Günther weiter. "Ich hatte zwar wenig Ahnung, was da auf mich zukommt, bin aber zum Vorstellungsgespräch gegangen. Die Stelle habe ich bekommen. Jetzt bin ich seit fast zehn Jahren dabei."

    Mit großer Freude dabei
    Günther und Olga, mit denen ich dann auch zum Kundentermin fahre, (die Kundin erlaubt mir sogar, mit in die Wohnung zu kommen) sind mit großer Freude bei der Arbeit. Ihr Engagement ist sicher auch deshalb so groß, weil sie die Sorgen und Nöte ihrer Kunden nachempfinden können.

    Einen Satz von Günther will ich noch erwähnen, der mir wirklich nachgangen ist: "Was soll mir noch passieren nach Hartz IV?"

  • Dienstag, 24. Juli - Gebäudereinigung in der KiTa Switch

    8 Uhr - Lagebesprechung
    Heute bin ich wieder mit Helmut, Michael, Jolantha und Stefan im Einsatz. Helmut, unser Fachanleiter, sagt uns, was heute gearbeitet wird und worauf wir besonders achten müssen. Zunächst bin ich in der ersten Etage, später unten im Erdgeschoss. Glück gehabt, denn hier ist es kühler (28 Grad bereits am Vormittag).

    Sorge
    Schon am Morgen hat Helmut auf die weiter steigenden Temperaturen hingewiesen. "Mir graut es vor den nächsten Tagen", sagt er. Und: "Denkt bitte daran, dass Ihr ausreichend trinkt. Das ist wichtig!" Also nicht nur Arbeit einteilen und mitarbeiten, auch noch auf die Gesundheit der MitarbeiterInnen achten...
    Als wir am Mittag ein Pause einlegen, triefen die Männer von der ersten Etage.

    Religion und Glaube
    Wieder entwickelt sich ein Gespräch über Glaube und Religion und ich bin erstaunt, wie intensiv sich jeder damit befasst und seinen Glauben lebt. Jeder weiß von kleinen "Wundern" zu berichten. Jolantha sagt:"Ich habe früher manchmal etwas getrunken und geraucht und dann ist Maria zu mir gekommen. Wie oft habe ich gebetet und nachher hat mir Gott Dich geschickt", sagt sie zu Helmut. Der schaut sie verwundert an. "Doch, Du hast mir viel geholfen."

    Jolantha stammt aus Polen. Sie lebt schon sehr lange in Deutschland. Irgendwann war sie alleinerziehend mit drei Kindern. Nachdem die Kinder ausgezogen sind, ist sie aus dem Rauenthal nach Ehrenbreitstein gezogen. "Das ist nicht so teuer, weißt Du", erklärt sie mir. Jolantha ist 63 Jahre alt und das Treppe steigen fällt ihr wegen ihrer lädierten Knie schwer. "Ich würde gerne in Rente gehen, aber irgendwie hat das mit dem Antrag nicht geklappt."

    Mittags kommt Unterstützung
    Weil wir noch viel zu tun haben, hat Helmut Sergej abgeholt. Sergej ist 42 Jahre alt und stammt aus Kasachstan. Er wohnt mit seiner Mutter in Neuwied und kommt täglich mit dem Zug nach Koblenz. Jolantha sagt ihm, was zu tun ist und Sergej macht sich an die Arbeit. Sergej hat eine überbetriebliche Ausbildung zum Hauswirtschaftshelfer gemacht und ist seit neun Jahren bei CarMen beschäftigt. "Wann machst Du noch ein Foto von mir?" fragt er mich.
    Helmut hat meine Beiräge aus dem Internet ausgedruckt und Sergej möchte auch gerne dort abgebildet sein.

    Feierabend
    Nachdem Rudi, Jola, Stefan und Sergej Feierabend gemacht haben, machen Helmut, Michael und ich noch unsere Arbeiten fertig. Bevor auch wir nach Hause fahren, sitzen wir noch kurz auf eine Zigarette zusammen.
    Dabei kommt mir ein Satz aus der Mittagspause in den Sinn: "Wir schauen auf die schlechte Seite und vergessen dabei, auf das Gute zu sehen." - Ich - zum Beispiel - finde es gut, dass es Arbeitgeber wie die CarMen gibt!

  • Montag, 23. Juli - Gebäudereinigung KiTa am Kemperhof Switch

    Start mit Verspätung
    Heute sollte mein Einsatz in der Gebäudereinigung um 8 Uhr starten. Leider habe ich mich verfahren und war erst um 8.15 Uhr am Ort des Geschehens.

    Die Mannschaft - und was sie tut
    Die Mannschaft am heutigen Tage besteht aus Helmut, dem Fachanleiter, Jolantha, Michael, Stefan, Rudi und mir. Unsere Aufgabe ist die Grundreinigung. Das bedeutet: Spinnweben entfernen, Fensterbänke und Heizungen abwaschen, Bäder/Toiletten putzen, Türen abwaschen, Schränke abwaschen etc.

    Aufgabenverteilung
    Ich soll zunächst einmal Heizkörper abwaschen während Rudi mit den Spinnweben befasst ist.
    Rudi ist ein freundlicher schlanker Mann, der mir gleich verrät, dass er erst 27 ist. Dass das nicht stimmt, sehe ich. Wenn er wirklich einen Zahlendreher gemacht hat, ist er bereits 72. Kann das stimmen?

    Mit 72 noch arbeiten?
    Auf meine Frage, ob er wirklich 72 ist und wieso er noch arbeitet, sagt er "Naja! Ich war lange selbständig auf Montage. Da habe ich nicht so sehr viel verdient und die Witwenrente ist auch ein Witz." Ich erfahre, dass Rudis Frau vor einem Jahr verstorben ist und er jetzt Zeit hat und sich gerne etwas dazu verdient. Seit ein paar Monaten arbeitet er täglich zwei Stunden in der Gebäudereinigung in verschiedenen Objekten mit.

    Gespräche
    Heute ist während der Arbeit nicht viel mit Reden drin, da wir in unterschiedlichen Räumen arbeiten.Aber während der Pause sitzen wir draußen und sprechen viel. Da geht es unter anderem darum, dass ein Unternehmen wie CarMen, das als Inklusionsbetrieb mit gesundheitlich eingeschränkten Menschen arbeitet, am Markt konkurrieren muss mit ganz normalen Betrieben.

    Nicht immer einfach
    Darunter sind auch Menschen, die eine andere Einstellung zur Arbeit haben. Da kommt auch schon mal Unmut auf, weil ja alle dasselbe Geld verdienen, aber nicht alle in der Lage sind, dasselbe zu leisten. "Da muss man gelassen bleiben", sagt Michael. "Anders geht es nicht!"

    Die Qualität ist sehr wichtig
    "Wichtig ist, dass wir Qualität abliefern", sagt Helmut, der Fachanleiter, der unsere Arbeiten später penibel kontrolliert. "Die Kunden zahlen einen anständigen Preis dafür."

    Als Jolantha geht,weil sie Feierabend hat, bleibe ich noch eine Stunde. Am Montag werden die Arbeiten abgenommen. Bis dahin ist noch viel zu tun.

  • Freitag, 20. Juli - Unterwegs mit Muslum Duran Switch

    7.15 Uhr – Einsatzbesprechung bei CarMen mit Markus Zimmermann
    Wieder bin ich bei der Einsatzbesprechung mit dabei. Ich treffe mir inzwischen vertraute Gesichter. Klar ist schon, dass ich heute mit Muslum Duran in die Stadt Koblenz fahre, um dort bestimmte Plätze vom Müll zu reinigen. Die Reinigungsintervalle und der –umfang sind mit der Stadt vertraglich festgelegt.

    Muslum ist ein bekanntes Gesicht bei CarMen
    Muslum kenne ich schon. Er war 2015 mit bei unserem Aktionstag in Trier. Dort hat er Bischof Ackermann mit einem Auto (Müll-Flitzer) über den Domfreihof gefahren. Außerdem hatten wir eine gemeinsame Aktion in Neuwied im vergangenen Jahr.

    Rundfahrt
    Wir fahren zunächst ans Moselufer, wo wir das Auto stehen lassen und mit einem blauen Sack und einer Greifzange bewaffnet das Moselufer abgehen und Unrat einsammeln. Muslum erklärt mir die Intervalle der einzelnen Säuberungsgänge und was wir einzusammeln haben. Ich habe Glück: heute ist es einigermaßen sauber. Muslum warnt mich an bestimmten Stellen vor Hundekot. Unser Einsatz umfasst u.a. auch das Deutsche Eck, den Görresplatz, einen Bereich am Schloss.

    Alle kennen Muslum
    Überall grüßt Muslum Menschen, die er kennt und die ihn kennen. Er ist sehr freundlich und lacht viel. Muslum arbeitet seit fast zehn Jahren bei CarMen. Zunächst war er dort in einem Ein-Euro-Job. Dann hat er einen Vertrag in der Gebäudereinigung bekommen. Jetzt ist er schon lange in der Stadtreinigung. Er arbeitet sehr umsichtig und gewissenhaft, und schnell.

    Perspektivwechsel 2 - Den richtigen Platz gefunden
    Mit Muslum erlebe ich, was der zweite Perspektivwechsel unserer Synode - Charismen vor Aufgaben zu stellen – bedeuten kann. Ich habe den Eindruck, dass Muslum hier genau am richtigen Platz ist. Eines seiner Talente ist es, auf Menschen zuzugehen, mit Ihnen umzugehen. Und obwohl er schon seit mehr als 25 Jahren in Deutschland lebt, ist sein Deutsch bei weitem nicht perfekt. Trotzdem findet er mit jedem eine Gesprächsebene. Als ein Mann, der ein städtisches Rasenstück bewässert, sehr unfreundlich reagiert, weil wir über seinen Bewässerungsschlauch gefahren sind, spricht Muslum mit ihm, entschuldigt sich und der Mann ist gleich wieder freundlich.

    Fazit der ersten Woche
    Ich bin dankbar dafür, dass ich in dieser Woche vielen Menschen begegnen durfte. Darunter sind viele Menschen, die ohne die CarMen wahrscheinlich keine Arbeit hätten. Und obwohl ich lange mit den Menschen gearbeitet habe bevor ich zur Aktion Arbeit kam, machen mich diese Begegnungen demütiger. Ein Kollege des Koblenzer Caritasverbandes sagte: „Jetzt weiß ich sicher wieder, wofür ich diese Arbeit mache.“ Dieser Aussage schließe ich mich ohne Einschränkungen an.

  • Donnerstag, 19. Juli - Garten- und Landschaftsbau Switch

    7.15 Uhr bei CarMen – Einsatzbesprechung mit Markus Zimmermann
    Heute wurde ich für einen Einsatz in Kobern in St. Lubentius eingeteilt. Dort waren Pflastersteine und Platten entfernt worden; es sollen grobe Steine entfernt, Erde eingebracht und neuer Rasen eingesät werden. Ich fahre mit Tobias und Florian zum Einsatzort. Fahrzeug und Anhänger wurden bereits gestern mit den nötigen Werkzeugen und Maschinen beladen.

    Stimmen während des Tages
    Lieber etwas Neues anlegen

    Florian (38) kam über eine Maßnahme des Jobcenters zu CarMen. Inzwischen hat er einen richtigen Arbeitsvertrag. „Ich habe mich schon die ganze Woche auf diese Baustelle gefreut“, sagt Florian während er in der prallen Sonne Erde vom Anhänger in die Schubkarre schaufelt. „Ich finde es besser, etwas Neues anzulegen als Pflanzen zu beschneiden oder zu entfernen.“

    Mancher Kunde ist zu erwartungsvoll
    Tobias (31) hat CarMen ebenfalls durch eine Maßnahme kennengelernt. Auch er arbeitet schon seit einigen Monaten im Garten- und Landschaftsbau. „Ich habe eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht und später im Logistikbereich gearbeitet. Da habe ich mich nie so richtig wohl gefühlt“ berichtet er. „Wir haben hier ein sehr gutes Arbeitsklima, die meisten Kunden sind sehr nett. Manche bedanken sich für die Arbeit, die wir in der Stadt verrichten. Manche sind aber auch zu erwartungsvoll. Sie verlangen Leistungen, die laut Auftrag gar nicht vorgesehen sind und für die wir natürlich auch keine Zeit eingeplant haben.“

    Der Kopf der Truppe
    Markus Zimmermann (52) hat eine Ausbildung zum Gärtner und eine Ausbildung zum Elektroniker. Er ist seit 12 Jahren bei CarMen. „Als ein Freund mich damals anrief und mir sagte, dass ein Gärtner gesucht wird, habe ich mich beworben. Ich würde nicht mehr in der freien Wirtschaft arbeiten wollen“, sagt Markus.

    Erst noch Bewerbungen schreiben
    Rolf (60), der auch gestern schon beim Umzug dabei war, stößt später zu uns. „Ich musste noch Bewerbungen schreiben. Wäre schön, wenn ich was finde. Aber in meinem Alter…“
    Nach dem Rasenmähen schnappt er sich den Besen. „Für mich ist nächste Woche Schluss hier. Dann ist die Maßnahme vorbei“, sagt Rolf.

    Immer dieser Mist mit den Maßnahmen
    Thomas (35), den Markus später mit zur Baustelle gebracht hat, schimpft. Er ist über das Projekt Innova bei CarMen beschäftigt. „Das ist schon meine vierte Maßnahme“, berichtet Thomas. „Einmal musste ich ein halbes Jahr lang in eine Maßnahme, in der ich täglich Bewerbungen schreiben musste. So ein Quatsch. Ich würde viel lieber richtig arbeiten. So muss ich arbeiten und bekomme kein Geld dafür.“

    Auftrag erledigt
    Wir sind mit allem fertig geworden. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende und die Küsterin sind zufrieden. „Es sieht wieder ordentlich aus“, sagt sie.

    Ich bin stolz
    Als wir uns bei CarMen verabschieden, bedanken sich die Jungs bei mir für die Unterstützung.
    Ich bin überrascht, aber sehr stolz!

     

  • Mittwoch, 18. Juli - Hausmeisterdienst - ein Umzug Switch

    Heute war ich bereits um 7 Uhr in Koblenz. Um 7.15 Uhr gibt es täglich eine Tagesbesprechung mit Einteilung des Personals für die verschiedenen Arbeitsaufträge.

    Eingeteilt wurde ich, um mit Raymund, Rolf und Kevin einen Umzug durchzuführen.

    Im Auto mit Kevin
    Ich bin mit Kevin (27) auf dem Auto. Die beiden anderen fahren mit dem LKW.
    Kevin erklärt mir noch vor dem Losfahren, dass es viele Menschen gibt, die unter "Kevinismus" leiden. Überhaupt ist er sehr redegewandt und macht zahlreiche Wortspiele. Im Auto erzählt er sofort, dass er unter dem Asperger-Syndrom leidet. „Ich habe eine Ausbildung zum Elektroniker, aber der Betrieb hat stark über seinem eigenen Bedarf ausgebildet. Da konnte ich also nicht bleiben. Dann habe ich gesucht. Der letzte Betrieb war überhaupt nicht sozial. Das ging gar nicht“, erzählt er.
    Beim Fahren ist Kevin sehr konzentriert. Er fährt vorsichtig. Wir haben mein Navi mitgenommen, das gibt Sicherheit.

    Bei CarMen arbeitet er im Rahmen des Programms Soziale Teilhabe an vier Tagen in der Woche. „Freitag ist mein Organisationstag“, sagt er.
    Kevin ist eigentlich beim Elektrocheck beschäftigt, arbeitet aber auch als Springer in anderen Bereichen mit.

    Das ist grenzwertig
    „Das ist grenzwertig, der Karton ist für mich alleine zu schwer“, sagt er. „Man muss in die Knie gehen beim Anheben, das ist Rücken schonend.“ Kevin ist ehrenamtlich im Sanitätsbereich bei der DLRG engagiert. Überhaupt achtet er sehr darauf, sich an Regeln zu halten.

    Mailand oder Paris
    Kevin hat lange gepflegte Haare, die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hat. Als ich nach unserem Einsatz Fotos mache, sucht er eines aus. „Vielleicht hätte ich damit in Mailand oder Paris Chancen“, sagt er mit einem Schmunzeln.

    Wie ein Ein-Euro-Job – nur ohne Geld
    Mit von der Partie ist auch Rolf (60), der über das Projekt Innova zu CarMen gekommen ist. „Das ist ähnlich wie ein 1-Euro-Job; nur, dass man dafür kein Geld kriegt“, sagt Rolf der sich heute Morgen als „Sklave Nr.7“ vorgestellt hat.

    Immer gearbeitet und gleich Hartz IV
    „Ich habe immer gearbeitet. Die letzten drei Jahre habe ich mit meiner Frau in der Dominikanischen Republik gelebt. Ich bekomme von Anfang an Arbeitslosengeld II. Im November kam ich zurück nach Deutschland; am Valentinstag war ich schon bei CarMen. Und Ende nächster Woche ist Schluss.“

    Was kommt danach?
    Wie es weitergeht, weiß Rolf noch nicht. „Ich leide unter Bluthochdruck, habe grünen Star, weshalb ich auch nicht mehr LKW fahren darf. Mal sehen, was kommt“, sagt Rolf.
    Rolf war 33 Jahre LKW-Fahrer, was beim Packen und Verladen von großem Vorteil ist an diesem Tag.

    Abschluss im Imbiss
    Als wir mit dem Umzug fertig sind, machen wir eine späte Mittagspause im Imbiss bevor wir wieder in den Acker fahren und Feierabend machen. (Die Straße, in der die CarMen gGmbH ihren Betriebssitz hat, heißt Im Acker)

  • Dienstag, 17. Juli - Spülküche Caritashaus St. Elisabeth und Cusanus-Gymnasium Switch

    Spülen in St. Elisabeth
    Heute Vormittag war die Spülküche im Caritashaus St. Elisabeth - eine Altenhilfeeinrichtung in Koblenz-Arenberg - mein Arbeitsbereich. Hier habe ich auch Heidi wiedergetroffen. Zusammen mit Achmed, den ich auch schon von gestern aus der Gebäudereinigung kannte, Stefan, Michelle und Sina haben wir Geschirr, Gläser, Becher, Kannen, Tabletts der BewohnerInnen vom gestrigen Abendessen und vom Frühstück gespült. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem Geschirr vom Mittagessen. Man muss sich ganz schön sputen, wenn man mit der Geschwindigkeit der Spülstraße mithalten will.

    Erst mal Geld verdienen
    Michelle, die wir auf der Fahrt nach St. Elisabeth am Kinderheim eingeladen haben, ist eine freundliche junge Frau (17), die im Kinderheim wohnt und derzeit ein Praktikum bei CarMen macht. "Den Hauptschulabschluss habe ich im zweiten Anlauf erst geschafft, weil ich vorher andere Dinge im Kopf hatte," sagt Michelle. "Ich möchte gerne noch die Mittlere Reife machen, aber dazu fehlt mir das Geld. Aber bald bekomme ich bei CarMen einen Arbeitsvertrag. Dann spare ich Geld und hoffentlich kann ich den Abschluss dann noch machen." - Ich drücke ihr jedenfalls fest die Daumen, dass es klappt!

    Achmed (45) ist Syrer. Er ist seit fünf Jahren in Deutschland. Er hat schon in einer Pizzaria, in der Altenpflege, bei Amazon und einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Achmed spricht ein gebrochenes Deutsch, da ihm das Arbeiten wichtiger ist als ein Deutschkurs. Jeden Monat schickt er Geld nach Syrien zu seiner Familie, die in Grenznähe zur Türkei lebt. Als ich ihn nach seiner Religion frage, sagt er, dass er weder Muslim noch Christ sei. Aber er gehe oft sonntags mit einem befreundeten katholischen Iraker in die Kirche.

    Der Arbeitsvertrag ist eine große Sache
    "Das ist eine große Sache für mich - bei meiner Vergangenheit," sagt Uwe (31) als ich ihn am Nachmittag frage, wie es für ihn ist, bei CarMen zu arbeiten. Uwe hat eine lange Suchtvergangenheit. Ich habe ihn hier in der Gebbäudereinigung als zuvorkommenden, freundlichen jungen Mann kennengelernt, der einfach arbeiten und und ein normales Leben führen möchte.

    Viele Begegnungen in kurzer Zeit - und nur wenig Zeit zum Sprechen, denn wir sind alle nicht zum Vergnügen hier. Es geht um Arbeit - auch für mich!

     

  • Montag, 16. Juli - Gebäudereinigung im Cusanus-Gymnasium Switch

    Grundreinigung
    Heute war der erste Tag meiner Hospitation. In den Sommerferien wird im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium die Grundreinigung durchgeführt. Dann werden dort die Böden aufgearbeitet und die Möbel ab- und ausgewaschen. Zu acht haben wir losgelegt.

    Heidi
    Kennengelernt habe ich heute u.a. Heidi B. Heidi ist 29 Jahre alt und wohnt mit sechs anderen Frauen an der Untermosel. Nachdem die Agentur für Arbeit ihr nach dem Besuch der Förderschule gesagt hatte, sie sei zu fit, um in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu arbeiten, begann für Heidi eine zweijährige Odyssee durch verschiedene Praktika. "Überall haben sie gesagt, dass ich sehr fleißig bin", sagt Heidi, "aber in der Gärtnerei braucht man eine Ausbildung und in der Wäscherei habe ich mich nicht so richtig wohlgefühlt."

    Bruno hat mir einen Arbeitsvertrag gegeben
    "Als ich dann vor sechs Jahren zu CarMen kam, hat Bruno mir einen Arbeitsvertrag gegeben. Weil ich fleißig bin." Bruno Gräf ist der Vorarbeiter. "Bruno kann auch streng sein, aber meistens hat er Spaß mit uns."  Heidi fährt von ihrem Wohnort aus morgens mit dem Bus nach Koblenz. Sie arbeitet dort in unterschiedlichen Einsatzstellen in verschiedenen Stadtteilen, die sie mit dem Bus erreicht. "Ich bin zwar lange unterwegs, aber ich habe viel Spaß bei der Arbeit." Nach Hause kommt Heidi gegen 19 Uhr.

    Ich habe mich gefreut, Heidi kennengelernt zu haben und hoffe, dass ich sie wieder treffe. Mit ihrem aufgeschlossenen Wesen und ihrer freundlichen Art ist sie eine echte Bereicherung für die Arbeitsgruppe - und für mich!

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