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Beschluss der Vollversammlung des Katholikenrates vom 23. März 2019

Erklärung des Katholikenrates im Bistum Trier zu sexualisierter Gewalt in der Katholischen Kirche

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt uns das Thema Sexualisierte Gewalt[1] in der Kirche. Ende letzten Jahres hat die Studie zum „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ („MHG-Studie“) das Thema noch einmal intensiv fokussiert.

Der Katholikenrat im Bistum Trier ist bestürzt über das vielfältige Leid, welches Kindern und Jugendlichen durch sexualisierte Gewalt innerhalb der katholischen Kirche angetan wurde. Dabei haben die Täter schwere Schuld auf sich geladen, ebenso wie die Mitwissenden, darunter besonders die verantwortlichen Leitungen in Bistümern und Orden, die nicht ausreichend zum Schutz der Opfer gehandelt haben.

In der Kirche hat es über lange Zeit ein Klima des Wegsehens, Verdrängens und Vertuschens gegeben. Auch wir haben nicht immer genau hingeschaut. Das beschämt uns und wir können die Opfer der sexuellen Gewalt nur um Entschuldigung bitten.

Es braucht die Aufarbeitung der Vergangenheit, die die Opfer in den Mittelpunkt stellt und die Täter auf ihre Schuld verweist. Es braucht darüber hinaus aber auch den klaren Blick auf die gegenwärtige Situation in der Seelsorge und die Präventionsarbeit, um Kindern und Jugendlichen innerhalb der Kirche einen geschützten Raum zu bieten.

 

Wir begrüßen die Aussagen und das Handeln unseres Bischofs Dr. Stephan Ackermann und unterstützen ihn ausdrücklich in seinem Vorgehen, die Missbrauchsfälle aufzuklären und den Opfern und der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir ermutigen ihn, die notwendigen Schritte konsequent weiter zu gehen.

 

Alle gesellschaftlichen Institutionen, die Kindern und Jugendlichen Räume bieten, laufen immer auch Gefahr, attraktive Orte für Täter von sexualisierter Gewalt zu sein. Daher ist bei der Diskussion der Thematik sexualisierter Gewalt neben dem Verweis auf die individuelle Schuld der Täter immer auch die Frage zu stellen, welche Strukturen innerhalb einer Institution bzw. welche systemimmanenten Faktoren Taten der sexualisierten Gewalt begünstigen.

Für den Bereich der Kirche sagt die MHG Studie dazu: "Sexueller Missbrauch ist vor allem auch Missbrauch von Macht" und nennt in diesem Zusammenhang den Klerikalismus. 

 

Ein besonderes Augenmerk ist auf die Frage zu richten, wie in der katholischen Kirche in ihren verschiedenen Betätigungsfeldern mit Kindern und Jugendlichen eine Kultur des Hinschauens und der sorgsamen Achtung der Würde und Selbstbestimmung junger Menschen verstärkt unterstützt und eine Sensibilität gegenüber Machtmissbrauch und Grenzverletzungen weiter entwickelt werden kann.

 

Wir ermutigen unsere Bistumsleitung, die Unsicherheit und Fragen vieler Hauptamtlicher und Ehrenamtlicher wahrzunehmen, die diese angesichts der schlimmen Verfehlungen einiger Seelsorger in der Vergangenheit beschäftigen:

Wie kann in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die richtige Balance gefunden werden zwischen Nähe und Distanz? Wie muss pädagogische und pastorale Arbeit gestaltet sein, dass sie in ihrer hohen Qualität und Nähe zu Kindern und Jugendlichen weitergeführt wird  und dabei auch und ganz besonders den Herausforderungen der Prävention gegen Missbrauch Rechnung trägt?

Wichtig ist das offene und konstruktive Reden über diese Fragen, um Unsicherheiten abzubauen und eine zugewandte, am Wohl der Kinder und Jugendlichen orientierte Arbeit auch weiterhin gelingen zu lassen. 

 

In einer besonderen Verantwortung stehen die Verantwortlichen für Ausbildung, Personalführung und Jugendarbeit im Bischöflichen Generalvikariat, in den Verbänden, Schulen und kirchlichen Einrichtungen. Sie sind aufgefordert, die bisherigen präventiven Maßnahmen kontinuierlich weiter zu entwickeln. Kinder, Jugendliche und Erziehungsberechtigte müssen sicher sein können, dass alles getan wird, damit ihnen in kirchlichen Zusammenhängen kein Leid geschieht.

 

Die klaren institutionellen Regelungen der Bischofskonferenz und unseres Bistums müssen weiter bekannt gemacht werden. Nur eine transparente Vorgehensweise und adäquate Sanktionierungen können ein Stück verlorengegangenen Vertrauens in die Institution Kirche zurückbringen. Bei der Aufklärung und der erforderlichen juristischen Verfolgung der Täter müssen wir auf der Seite der Opfer stehen.

 

Wir leben in einem Rechtsstaat, und deshalb muss die Klärung von Fällen sexualisierter Gewalt konsequent den staatlichen Strafbehörden übergeben werden.

Werden Mitarbeiter*innen der Kirche des Missbrauchs überführt, müssen sie aus dem Dienst entlassen werden. Versetzungen von Beschuldigten aufgrund sexualisierter Gewalt, gar noch ohne Angabe der Versetzungsgründe, darf es so nicht mehr geben.

 

Als Vertretung der Laien im Bistum Trier sehen wir in der gängigen Praxis der Laisierung von Priestern keine adäquate Strafe. Der Stand der Laien ist kein Strafstand.

 

Wir sehen es als unsere Aufgabe an die Präventions- und Hilfestrukturen unseres Bistums bekannter zu machen, aber auch in Zukunft genauer hinzuschauen und mutiger zu intervenieren.

 

 

 

 

 

 


[1] Eine gängige Definition sexualisierter Gewalt, ist die von Bange und Deegener:
Sexuelle Gewalt ist eine individuelle, alters- und geschlechtsabhängige Grenzverletzung und meint jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind oder einem/einer Jugendlichen entweder gegen dessen/deren Willen vorgenommen wird oder der das Kind oder der/die Jugendliche aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann.

Der/Die Täter/-in nutzt seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um seine/ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.

Weiteres: