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Beschluss der Vollversammlung vom 23. März 2019

Stellungnahme des Katholikenrates im Bistum Trier zum vorgesehenen Ein-Kammer-System für die Pfarrei der Zukunft

 

Um die Rolle der Laien in der Kirche zu stärken (Auftrag des Konzils), hatten und haben im Pfarrgemeinderat, im Pfarreienrat und im Dekanatsrat gewählte Laien den Vorsitz. Im entsprechenden Finanzgremium war und ist der Pfarrer aufgrund des Staatskirchenrechtes der Vorsitzende. Das ist das sogenannte "Zwei-Kammer-System".

Sind  Rat und Finanzgremium zusammengefasst spricht man vom "Ein-Kammer-System". Im Ein-Kammer-System hat der Pfarrer allein den Vorsitz.

Bei der Umsetzung der Synode ist derzeit geplant, flächendeckend solch ein Ein-Kammer-System einzuführen. D.h.: Der gewählte Rat der Pfarrei der Zukunft bildet innerhalb dieses Rates verpflichtend einen Verwaltungsausschuss. Den Vorsitz des gesamten Rates der Pfarrei hat dann der Pfarrer. Gleichzeitig ist er auch Chef des (neuen) Leitungsteams, das aus insgesamt 3 Hauptamtlichen und 2 Ehrenamtlichen gebildet wird.

Der Katholikenrat im Bistum Trier spricht sich klar für ein Zwei-Kammer-System aus.

  • Die bisherige Errungenschaft, dass ein Laie einen wichtigen Rat leitet, muss erhalten bleiben.
  • Gerade in der derzeitigen Diskussion in und um die Kirche wird von vielen – auch von Bischöfen – Machtabgabe und Gewaltenteilung gefordert.
  • Machtabgabe ist nur im Zwei-Kammer-System darstellbar.
  • Beim Treffen aller diözesanen Räte und der Dechantenkonferenz am 29. September 2018 gab es eine klare Tendenz für ein Zwei-Kammer-System.
  • Gemeinsame strategische Entscheidungen können bei entsprechender Verzahnung auch im Zwei-Kammer-System gut getroffen werden.
  • Wenn man in die "weltliche Betriebslandschaft" schaut, ist das Leitungsteam so was wie der Vorstand und der Rat der Pfarrei so was wie ein Aufsichtsrat. Beim Ein-Kammer-System wären dann ja Vorstandsvorsitz und Aufsichtsratsvorsitz in einer Person vereint.
 
 

Ausführliche Begründung:


Zum Start der Informationsveranstaltungen in Vorbereitung auf das kirchenrechtlich vorgesehene Anhörungsverfahren hat der Generalvikar mit Datum vom 11. Februar 2019 einen Brief versandt, in dem über Entscheidungen, die der Bischof, der Generalvikar und die Leitungskonferenz in den vorhergehenden Wochen getroffen haben, informiert wird.
Bei den Veranstaltungen wird es Gelegenheit geben, die Themen des Schreibens zu vertiefen und zu diskutieren.

Insgesamt ist der Brief hilfreich beim derzeitigen Diskussionsstand um die Gestaltung der Pfarreien der Zukunft.

In dieser Stellungnahme nehmen wir ausschließlich Bezug auf den Absatz des Briefes: "Blick auf die Gesamtpfarrei: Der Rat der Pfarrei".
Hier können wir lesen, dass mit einer Entscheidung für ein Ein-Kammer-System, in dem der Pfarrer den Vorsitz hat, in das Anhörungsverfahren gegangen werden wird.

Diese Entscheidung können wir so nicht nachvollziehen und auch nicht mittragen.

Die historischen Entwicklungen und die damit verbundenen Erwartungen der Menschen in den vergangenen über 50 Jahren - angefangen vom II. Vatikanischen Konzil über die Würzburger Synode bis heute - gehen jedoch in die Richtung, die Stellung, Mitbestimmung und Verantwortlichkeit der Laien im Sinne des Laienapostolates zu stärken. Deutlich spür- und sichtbar wurde dies nach innen und außen zum Beispiel in der Einrichtung eines Pfarrgemeinderates. In diesem Gremium, das beratend an wichtigen Entscheidungen in der Pfarrei beteiligt ist und das Maßnahmen, die den Dienst der Gemeinde für die Gesellschaft und die Welt betreffen, eigenständig beschließen kann, hat nicht der Pfarrer die Leitung, sondern ein Laie.
"Das Zweite Vatikanische Konzil hat in besonderer Weise die Verantwortung des ganzen Volkes Gottes betont. Alle Glieder des Gottesvolkes sind durch Taufe und Firmung gemeinsam berufen. Alle haben in gemeinsamer Verantwortung Teil am Heilsauftrag der Kirche zum Dienst an den Menschen." (Das Zitat ist den derzeit geltenden Ordnungen für den Pfarrgemeinderat und für analoge Gremien im Bistum Trier entnommen.)

 Uns erscheint es widersinnig, dass bei der Umsetzung unsere Synode gleichzeitig eine wichtige synodale Errungenschaft - nämlich der Laienvorsitz in einem zentralen Rat - abgeschafft wird.

Vorgesehen ist zwar, dem Pfarrer eine Moderatorin bzw. ein Moderator zur Seite zu stellen.
Aber ganz gleich, wie man die Verantwortlichkeiten der Moderatorin/ des Moderators beschreibt: Vorsitz ist Vorsitz – und der liegt beim Pfarrer.

Wir halten ein Zwei-Kammer-System für die Glaubhaftigkeit und die Durchsetzungskraft der synodalen Veränderungen in unserem Bistum für sehr wichtig und plädieren dafür, dass die Strukturen auf der Bistumsebene (hier ist für den Finanzbereich ja der Kirchensteuerrat als eigenständiges Gremium staatskirchenrechtlich gesetzt) und die Strukturen in der Pfarrei der Zukunft weitestgehend analog angelegt sind.

 

Argument im Brief des GV:

Strategische Arbeit:
Als Argumente, die für das Einkammersystem sprechen, führt der Brief des Generalvikars auf: Es kann so besser strategisch geplant werden. Es können so besser Schwerpunktsetzungen vorgenommen und entsprechende Projekte und Maßnahmen geplant werden.
Für uns ist nicht per se ersichtlich, wie ein Ein-Kammer-System mit einem verpflichtenden Verwaltungsausschuss besser funktionieren soll als ein klares Zwei-Kammer-System. Auch in der Zwei-Kammer-Version haben viele Pfarrgemeinderäte und Verwaltungsräte gute strategische Planung praktiziert. (Natürlich kann und muss die Verzahnung zwischen Rat der Pfarrei und dem Verwaltungsgremium stärker und klarer sein als wir es von der Verzahnung zwischen Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat kennen, aber dazu gibt es ja Vorschläge.)

 

Weitere Argumente in der Diskussion:

Zeit:
Ein weiteres Argument für ein Einkammersystem ist immer wieder zu hören: Das spart Zeit.

Hier zeigen unsere Erfahrungen aus den Kirchengemeinderäten ein unterschiedliches Bild. In kleinen, dörflichen Verwaltungseinheiten wird tatsächlich Zeit gespart.
Bei zunehmender Größe der Einheiten nehmen die Verwaltungsaufgaben im Kirchengemeinderat immer stärker zu und es kommen Rückmeldungen wie: „Wir kommen vor lauter notwendigen Verwaltungsaufgaben und –beschlüssen so gut wie gar nicht mehr zur pastoralen Planung und Arbeit.“ Da die PdZ sicherlich keine kleine, dörfliche Einheit ist, werden eher die Aussagen der größeren Einheiten übertragen werden können.

Personen:
Auch hier gibt es Rückmeldungen aus den (größeren) Kirchengemeinderäten:
Für das Arbeiten, Beschließen und Verabschieden im Verwaltungsbereich brauchen wir angesichts komplexer Verwaltungsvorgänge verwaltungstechnische und betriebswirtschaftliche Fachmänner und -frauen. Die lassen sich einfacher für ein Verwaltungsgremium im Zwei-Kammer-System finden.

Formal:
Der Generalvikar schreibt: Innerhalb des Rates wird es verpflichtend einen Verwaltungsausschuss geben.
Solch ein Rat ist unserer Meinung nach de facto ein Zwei-Kammer-System - nur dass hier der Pfarrer die gesamte Leitung hat.

Aktuelle kirchenpolitische Diskussionen:
(Hier könnte man mehrere Seiten mit Zitaten - vom Papst und von anderen – füllen.)

Beispielhaft zwei Zitate:
Bischof Genn: Bischöfe und Priester werden Macht abgeben.
Kardinal Schönborn, Wien: Wie brauchen einen Reformschritt in Richtung Gewaltenteilung. Die Macht der Bischöfe und Pfarrer braucht mehr Kontrolle.

Diesen Leitsätzen und Forderungen würde mit einem Zwei-Kammer-Modell besser entsprochen - auch mit entsprechender Wirkung nach außen.

Fazit:
Neben allen Erfahrungsargumenten, die gegen das Einkammersystem mit verpflichtenden Verwaltungsausschuss sprechen, wiegt eines aber besonders schwer:

Wenn wir der Entscheidung zum Ein-Kammer-System zustimmen, geben wir damit eine Errungenschaft preis, die in der Folge des Konzils bei der Würzburger Synode erstritten wurde - nämlich den Vorsitz des Rates der Pfarrei durch einen Laien. Wir vergeben eine Chance zu zeigen, dass die aktuelle Diskussion um eine Änderung klerikaler Machtstrukturen ernst gemeint ist und nicht nur aus Lippenbekenntnissen besteht.

Ein-Kammer-System – grob skizziert anhand dessen, was wir kennen: Pfarrgemeinderat (Pfarreienrat) und Verwaltungsrat (Kirchengemeindeverband) bilden zusammen ein Gremium in dem in der Regel der
Pfarrer den Vorsitz hat. Praktiziert wird diese derzeit dort, wo Kirchengemeinderäte gebildet/ gewählt wurden.
  Zwei-Kammer-System – grob skizziert anhand dessen, was wir kennen: Es wird ein Pfarrgemeinderat gewählt und gebildet mit einem Laien als Vorsitzenden. Der Pfarrgemeinderat wählt einen Verwaltungsrat, dem der Pfarrer vorsitzt. Die Zusammenarbeit der beiden Gremien ist verbindlich in den Ordnungen geregelt.
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