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Bistum Trier
Dienstag, 29. November 2022

Adveniat-Eröffnung im Zeichen des weltkirchlichen Dialogs

Begegnung und Gespräch in St. Maximin setzten Auftaktveranstaltung fort

Trier – Im Anschluss an den Gottesdienst zum bundesweiten Start der Adveniat-Weihnachtsaktion am ersten Adventssonntag (27. November) im Trierer Dom ist die Eröffnungsfeier in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin fortgesetzt worden. Unter der Überschrift „Dialog und Begegnung“ war die Gottesdienstgemeinde eingeladen, mit den Gästen aus Lateinamerika, politischen und gesellschaftlichen Repräsentanten sowie mit Engagierten in der Eine-Welt-Arbeit von Adveniat und aus dem Bistum ins Gespräch zu kommen.

An über 20 moderierten Tischgruppen standen Menschen aus Lateinamerika, der Partnerschaftsarbeit oder aus Kirche und Politik bereit, um sich mit den Tischgästen rund um das Adveniat-Motto „Gesundsein fördern“ auszutauschen. Nach einer bolivianischen Suppe und Musik der Gruppe Chuquiago unter Leitung von Carlos Branez standen Fragen rund um die Gesundheitsvorsorge – besonders in den Beispielländern Bolivien und Guatemala – auf dem Programm. In drei kurzen Talk-Runden mit jeweils drei Gästen auf der Bühne ging es vor diesem Hintergrund um „Herausforderungen und Handlungswege“.

Moderatorin Judith Rupp sprach dazu in einer ersten Runde mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Ordensschwester Geanni Ramos (Guatemala) und dem Hauptgeschäftsführer von Adveniat, Pater Dr. Martin Maier. Mit Blick auf das Gesundheitsbewusstsein der Menschen würden diese in Zeiten von Pandemie und Krieg verstärkt erkennen, dass Gesundheit nicht selbstverständlich sei, sagte die Ministerpräsidentin. „Die Menschen erkennen vermehrt, dass unser Handeln, egal was wir tun, immer Wirkung auf andere hat.“ Hinsichtlich der medizinischen Versorgung in ländlichen Regionen von Saarland und Rheinland-Pfalz plädierte sie dafür, das hausärztliche System gegenüber der Apparate-Medizin zu stärken. Wie sehr Gerechtigkeit, Klimawandel, Flucht und die weltwirtschaftliche Ordnung in einer globalisierten Welt voneinander abhingen, bestätigte auch Adveniat-Geschäftsführer Maier. Neben der Projektarbeit vor Ort, bei denen das Hilfswerk über die kirchlichen Partner „auch dorthin komme, wo andere nicht hinkommen“, gehöre auch die Lobbyarbeit in Deutschland zur Aufgabe von Adveniat. Sie sei „Stimme der Stimmlosen in Lateinamerika, Brückenbauer zwischen den Kontinenten und von Solidarität“. Schwester Geanni Ramos erläuterte die „Kleinkind-Pastoral“, in der sie in Guatemala tätig ist, und die sich im Rahmen der kirchlichen Gesundheitspastoral auf vielfältige Weise besonders um das Wohl kleiner Kinder und ihrer Familien bemüht.

In der zweiten Talkrunde gab die bolivianische Ärztin Dr. Rosmery Gross einen Einblick in ihre Arbeit im ärmsten Krankenhaus der Millionenstadt Santa Cruz, das über viel zu wenige Intensivplätze verfüge, wie sie beklagte. Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Gesundheitsausschusses, Josef Winkler, war bei einem Bolivienbesuch hingegen in einem „Vorzeigekrankenhaus“ in Santa Cruz. Es behandele aber nur diejenigen, die es sich privat leisten könnten. Von den Tücken des Gesundheitssystems in dem Land, in dem eine allgemeine Krankenversicherung zwar gesetzlich verankert ist, aber in der Praxis kaum existiert, erzählte Magdalena Gilla, die über den sozialen Friedensdienst des Bistums als Freiwillige in dem Andenstaat war.

In der letzten Gesprächsrunde zog der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder aus Hillesheim eine gemischte Bilanz hinsichtlich des deutschen Corona-Managements. „Wie weit reicht die eigene Solidarität?“ – das sei wie in der Pandemie auch in der Entwicklungszusammenarbeit eine persönlich und gesellschaftlich entscheidende Frage. „Wir leben in einer Welt, in der wir viele Probleme nur noch gemeinsam lösen können – schon im eigenen Interesse“, resümierte Schnieder. Von der konkreten Solidarität des Bistums Trier während der Pandemie berichtete Katharina Nilles von der Diözesanstelle Weltkirche. Drei Transporte mit medizinischem Gerät seien nach Bolivien geschifft worden, wo sie verschiedenen Krankenhäusern zugutekamen. Außerdem habe man diese finanziell unterstützt, zum Beispiel für die Anschaffung von Schutzkleidung. Über einen Fonds seien zudem Gelder zur Verfügung gestellt worden, die für den Ausgleich von Einkommensausfällen abgerufen werden konnten. Bischof Eugenio Coter aus dem Amazonasgebiet leitete den kirchlichen Einsatz in der Gesundheitspastoral, die auch die psychosoziale Situation der Menschen im Blick habe, als Auftrag aus dem Evangelium ab. Er habe das „lebendige Herz einer lebendigen Kirche gespürt“, sagte der Bischof auf die Frage, was er vom Tag der Adveniat-Eröffnung „mitnehme“.

Mitnehmen und weitertragen in die Orte und Pfarreien sollten die Gäste den als Auftrag verstandenen Solidaritätsgedanken, sagte abschließend Ludwig Kuhn, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche. Er lud Vertreterinnen und Vertreter aus den Pfarreien und Einrichtungen dazu ein, eine der Aktionskerzen mitzunehmen. Diese gingen in „die verschiedensten Richtungen des Bistums“, stellte Bischof Stephan Ackermann fest, der jede einzelne Kerze entzündete, bevor er sie segnete und aussandte. „Sie sollen die Gemeinden durch den Advent begleiten, damit die Begeisterung und das Herzbrennen für die Partnerschaftsarbeit und eine gerechtere Welt auch sinnenfällig weitergetragen wird und Kreise zieht. Denn wenn man das Kerzenlicht verbreitet, nimmt es nicht ab, sondern wächst“, sagte der Bischof zum Geleit. Er dankte dem Team der Diözesanstelle Weltkirche für die Vorbereitung und Begleitung der Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion, „für die das Bistum gerne Gastgeber gewesen ist“, ebenso wie den Adveniat-Verantwortlichen für die Eröffnung im Bistum, „die auch uns in der weltkirchlichen Arbeit in Bewegung gebracht hat“.

In seinem Schlusswort dankte der Adveniat-Geschäftsführer der Diözese Trier und ihrem Weltkirche-Team für die Gastfreundschaft. „Die Erntezeit für Adveniat sind dann die Weihnachtsgottesdienste“, sagte Maier mit Blick auf die dann stattfindenden Kollekten für das Lateinamerika-Hilfswerk. Noch bis zum 11. Dezember werden einige der Gäste aus Bolivien im Bistum von ihrer Arbeit berichten und zeigen, wo die Spendengelder von Adveniat konkrete Hilfe ermöglichen. Die Termine, darunter noch einige Gottesdienste, sind im Internet unter https://t1p.de/adveniat-termine zu finden.

(red)

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