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Bistum Trier
Donnerstag, 4. Februar 2021

Begleitung auf dem letzten Lebensweg

Wie Hospizdienste Engagement in Zeiten von Corona zeigen

Neunkirchen – Schutzmaske, Handschuhe und Schutzkittel: Nur so durfte Heike Eisenbeiß vergangenen Sommer ihre 90-jährige Tante im Pflegeheim besuchen. „Wenn ich so vermummt ins Zimmer kam, hatte sie manchmal Angst, weil sie mich nicht erkannt hat“, erinnert sich die 58 Jahre alte Diplom-Finanzwirtin aus Ottweiler an ihre inzwischen verstorbene Angehörige. Die Hand der Sterbenden durfte sie auch nur mit Handschuhen halten. „Aber immerhin durfte ich zu ihr.“ Anders als während des ersten Lockdowns im Frühjahr, als für acht Wochen vollständiges Besuchsverbot für Angehörige herrschte. „Das habe ich als sehr schlimm empfunden. In dieser Zeit hat meine Tante körperlich und geistig enorm abgebaut“, sagt Eisenbeiß. Seit Ende 2017 hat sie ihre Tante zwei- bis dreimal pro Woche im Heim besucht. „Ich habe ihr die Nägel geschnitten, das Gesicht eingecremt, und Hände und Bauch massiert“, sagt Eisenbeiß. Gesten der Nächstenliebe, die unter Corona nicht mehr möglich waren. Besonders schlimm sei es gewesen, als ihre Tante im Krankenhaus war. „Ich durfte sie dort nicht besuchen und sie ist mit dem Telefon nicht zurechtgekommen. Ich war davon abhängig, dass mich auf der Station jemand durchgestellt hat. Da habe ich nachts oft wachgelegen“, sagt die Angehörige. Als es im August hieß, die Sterbephase habe begonnen, holte sich Heike Eisenbeiß Hilfe beim Ambulanten Hospiz St. Josef Neunkirchen. Bis zum Tod ihrer Tante im September stand ihr eine Begleiterin in der emotional sehr belastenden Zeit zur Seite.

Doch Corona schränkt auch die Arbeit der Hospizdienste und ihre Trauer- und Sterbebegleitung ein. Auch für sie gelten die Hygiene- und Schutzmaßnahmen, die je nach Gesetzeslage angepasst werden müssen. Begegnungen und Kontakte gestalten sich während der Pandemie schwierig, Berührungen und Abschied nehmen mit tröstenden Ritualen sind nicht wie gewohnt möglich – die Verunsicherung ist groß. „Sterbebegleitung ohne Berührung ist fast nicht möglich“, sagt die Leiterin des Ambulanten Hospizes St. Josef Neunkirchen, Petra Hohnsbein. Während der gesamten Coronakrise besuchen die sieben hauptamtlichen Mitarbeiterinnen weiterhin ihre Patientinnen und Patienten zu Hause oder in Heimen und Kliniken – unter Wahrung der Hygienebestimmungen. Die 55 ehrenamtlichen Hospizhelfer – 46 Frauen und neun Männer im Alter von 38 bis 84 Jahren – durften anfangs, als noch wenig über das Virus bekannt war, zu ihrem eigenen Schutz nicht zu ihren Patientinnen und Patienten. Telefonate und Briefe ersetzen die persönliche Begegnung. „Aber nach ein paar Wochen haben wir gemerkt, dass das nicht gut ist und nicht im Sinne unserer Patienten“ sagt Hohnsbein. Inzwischen lägen Schutzkonzepte vor, das auch den Ehrenamtlichen Besuche erlaubt – theoretisch. Denn ob Besuche von Angehörigen und Ehrenamtlichen möglich sind, entscheide jedes Alten- und Pflegeheim individuell. Hausbesuche seien hier einfacher. Hier reiche das Einverständnis des Patienten und seiner Angehörigen, ob ein Hospizbegleiter in Schutzausrüstung die Wohnung betreten dürfe.

Auch die Aufgaben, die das Hospiz neben der Sterbebegleitung leistet, sind von der Pandemie betroffen. Ein Kurs, um neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer auszubilden, musste abgesagt werden. „Wir konnten unsere regulären Treffen und Fortbildungen nicht durchführen und mussten unser Sommer- und Weihnachtsfest absagen. Das ist frustrierend und der Austausch fehlt sehr“, sagt Petra Hohnsbein. Dabei sei es für alle Beteiligten – Angehörige wie Helfende – wichtig, über auch belastende Situationen sprechen zu können.

Das bestätigt auch Renate Grün. Die 58 Jahre alte Bürokauffrau aus Neunkirchen-Furpach engagiert sie sich seit 2012 als Hospizhelferin. Zurzeit begleitet sie eine 89-Jährige, die im St. Vinzenz Alten- und Pflegeheim in Neunkirchen wohnt. „Ich muss eine FFP2-Maske tragen und werde seit Dezember jede Woche getestet“, erzählt Grün. Die Patientin gehe gut mit der Situation um, in der Berührungen nicht möglich sind und Abstand gehalten werden muss. „Sie kennt es inzwischen so und wird selbst regelmäßig getestet“, meint Grün. Gerne würde sie der Dame etwas Gutes tun – etwa in Form einer Handmassage. Doch dies ist nicht möglich. Ein bis zwei Stunden pro Woche liest sie „ihrer“ Patientin Kurzgeschichten vor – auch die Zimmernachbarin höre gerne zu. „Wir lachen sehr viel und die beiden Damen erinnern sich an frühere Zeiten. Sie warten jede Woche darauf, dass ich komme“, sagt Renate Grün. Sie selbst ist über die Pflege des Schwiegervaters zur Hospizbegleitung gekommen, das Thema Tod und Sterben war davor ein Tabu. „Ich war bei ihm auch bei der Sterbephase dabei. Da wurde mir die Angst genommen“, sagt Grün. Eine Erfahrung, die sie nun weitergeben möchte.

„Es war für mich so entlastend, die Verantwortung teilen zu können. Frau Hohnsbein hat sich sehr rührend um mich und meine Tante gekümmert und mir dadurch Halt gegeben“, erinnert sich Heike Eisenbeiß. Gemeinsam mit der hauptamtlichen Hospizhelferin bespricht sie mit der Hausärztin, welche Medikamente abgesetzt werden und wie sich die letzten Lebenswochen der Tante palliativ gestalten lassen können. „Ich habe mich mit der ganzen Situation so alleine gefühlt und kenne mich beim Thema Medikamentenabgabe gar nicht aus, da war ich um die Unterstützung unendlich dankbar. Dass ich mich für die Begleitung durch das Hospiz entschieden habe, war das Beste für meine Tante und für mich.“

Hintergrund:

In Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands e.V. (DHPV) rund 1500 ambulante Hospizdienste und zirka 250 stationäre Hospize für Erwachsene sowie 18 stationäre Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie zirka 330 Palliativstationen in Krankenhäusern. Mehr als 120.000 Menschen engagieren sich für schwerstkranke und sterbende Menschen.

(uk)

 

 

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