Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Bistum Trier
Freitag, 15. Februar 2019

Chemie-Experimente, Glaubensleben und die „Jungen-Frage“

Bischof Ackermann besucht einen Tag lang das Trierer Angela-Merici-Gymnasium

Trier – Weißer Kittel, eine Schutzbrille auf der Nase und das Reagenzglas mit der Lösung fest im Blick: Bischof Stephan Ackermann steht mit neun Schülerinnen des Leistungskurses Chemie in einem Naturwissenschaftsraum des Angela-Merici-Gymnasiums (AMG). Ein seltener Anblick, aber im Rahmen der Schulvisitation des Bischofs doch nicht so ungewöhnlich. Denn Ackermann hat im vergangenen Jahr seine Besuche der insgesamt 20 Bistumsschulen gestartet, die er in diesem Jahr fortsetzt. Und so drückt Ackermann an diesem Tag wieder die Schulbank – allerdings in einem Fach, das ihm als Schüler nicht besonders lag, wie er schmunzelnd verrät. Das heutige Experiment der jungen Frauen ist dann aber auch für den Bischof spannend: Die kurz vor dem Abitur stehenden Schülerinnen weisen nach, ob Weine der bischöflichen Weingüter mit Methanol gepanscht wurden – so wie in den 1980er Jahren bei einem großen Weinskandal etliche italienische Weine. Am Ende der Stunde steht fest: Der Bischof darf aufatmen – die Weine der Bischöflichen Weingüter enthalten nur das, was sie sollen.

Neben dem Unterrichtsbesuch steht aber an diesem Tag noch viel mehr an: Nach einer Statio zu Beginn des Schultages, bei der Schülerinnen eine kurze Theaterszene zum Motto der Schulpatronin, der heiligen Angela Merici darstellen, spricht Ackermann mit dem Lehrerkollegium, den Sekretärinnen, dem Hausmeister und den Reinigungskräften – und natürlich mit den Schülerinnen selbst. So zum Beispiel mit einer Gruppe von Schülerinnen, die vor kurzem am Weltjugendtag in Panama teilgenommen hat. Es sei ein wirklich prägendes, Gemeinschaft stiftendes Erlebnis gewesen, berichten die Schülerinnen, trotz mancher Widrigkeiten oder organisatorischen Fragen sei die Gruppe begeistert von diesem Glaubensfest junger Menschen aus aller Welt. Wie gemeinsam gefeiert wurde, und dass auf dem Speiseplan auch für Europäer gewöhnungsbedürftige Gerichte wie Leguan standen, konnte Ackermann gleich auf den Handys der Schülerinnen bestaunen, die ihm Videos und Fotos zeigten.

Im anschließenden Gespräch mit der Schülervertretung und Vertreterinnen der Oberstufen-Stammkurse, wollte Ackermann von den Schülerinnen wissen, wie sie den Schulentwicklungsprozess hin zu einer Öffnung auch für Jungen erlebt hätten und wie sie sich einbringen konnten. „Wir haben die Klassen einzeln informiert und abstimmen lassen, wie sie zu dieser Frage stehen – dabei ergab sich ein buntes, von Klasse zu Klasse verschiedenes Bild. Letztlich votierte eine Mehrheit für die Aufnahme von Jungen“, berichtete eine Schülervertreterin. Auch das Verhältnis der Schülerinnen zur Kirche wurde thematisiert. Für einige Schülerinnen ergibt sich hier ein zweigeteiltes Bild: die eher traditionelle, als starr empfundene hierarchische Kirche und dem gegenüber Angebote wie die der Jugend im Bistum Trier, die ein offeneres bunteres Bild von Kirche darstellten. Andere widersprachen, es sei wichtig, auch Traditionen wie gewisse Formen der Liturgie im Gottesdienst beizubehalten. Ackermann erklärte, genau diese Vielfalt – sowohl Traditionen zu bewahren, als auch neue Gemeinschaft stiftende Formen von Glauben anzubieten, sei ein Ziel der Synodenumsetzung, die momentan im Bistum laufe. Solche Bedürfnisse könnten innerhalb der verschiedenen Lebensphasen eines einzelnen Menschen wechseln. Das AMG sei in diesem Sinn auch ein „Ort von Kirche“, wie es sie in den Pfarreien der Zukunft besonders gefördert werden sollen.

Das bestätigten auch die Lehrerinnen und Lehrer sowie Direktor Dr. Mario Zeck. Oft würden heute gewisse Glaubensgrundlagen zu Hause nicht mehr gelegt, da sei die Schule der Ort, wo die Schülerinnen mit Glaubens- und Sinnfragen in Kontakt kämen, berichtete Oberstufenleiterin Monika Vaske. „Hier ist unsere Aufgabe gewachsen.“ Direktor Zeck betonte, wie wichtig auch die Schulvisitation sei: „Es ist ein Gefühl des Wahrgenommen-Werdens für die Schulgemeinschaft. Häufig kennen die Schülerinnen Sie oder die Weihbischöfe nur aus Gottesdiensten. Da ist es eine große Chance, wenn man persönlich ins Gespräch kommen kann.“ Ackermann bestätigte, dass dem Bistum die Schulen sehr wichtig seien und man die jetzigen Standorte weiterentwickeln und profilieren wolle. Ackermann sagte, er plane eine Art Forum, bei dem Schülervertretungen der 20 Bistumsschulen mit ihm einmal jährlich zusammenkommen und sich austauschen können. „Ich möchte wissen, was die Schülerinnen und Schüler zu gewissen Themen denken und wünsche mir eine Form der Beratung aus den Schulen heraus“, bekräftigte Ackermann.

Das Angela-Merici-Gymnasium steht in einer langen Tradition: von Ursulinenschwestern 1853 als Mädchenschule gegründet, befindet sich das Gymnasium seit 1972 im heutigen Gebäude in der Trierer Neustraße. Seit 1996 ist es in Trägerschaft des Bistums Trier. Zum neuen Schuljahr wird es einen Konzeptionswechsel hin zur „parallelen Monoedukation“ geben – eine Jungen- und zwei Mädchenklassen werden ab dann parallel unterrichtet und lernen ab der Oberstufe gemeinsam. Die Schule will damit ihre guten und bewährten Erfahrungen mit gleichgeschlechtlicher Erziehung künftig auch Jungen zukommen lassen. Weitere Informationen gibt es auf www.amg-trier.de.

(sb)

Weiteres:

News Details