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Bistum Trier
Freitag, 11. September 2020

Damit Hilfe ankommt

Caritas startet regionale „Familienbüros“

Mayen/Emmelshausen/Sulzbach – „Was nutzen gute Gesetze, die nicht ankommen?“, fasst es Caritasdirektorin Victoria Müller-Ensel pointiert bei der Vorstellung des neuen Beratungsangebots für den Rhein-Hunsrück-Kreis zusammen. Viele Familien haben einen Anspruch auf Hilfsleistungen vom Staat, doch nehmen diese nicht in Anspruch, obwohl sie dringend finanzielle Unterstützung benötigen. Die Antragsverfahren sind meist kompliziert und bürokratisch. Einen Überblick über Unterstützungsangebote geben ab sofort die Familienbüros der Caritas nicht nur im Rhein-Hunsrück-Kreis, sondern auch im Großraum Mayen und in Andernach/Pellenz sowie in Sulzbach. Neu daran ist, dass Mitarbeiterinnen direkt dort anzutreffen sind, wo Familien ohnehin unterwegs sind, zum Beispiel in Elterncafés, Kitas oder Familienbildungsstätten.

„Wir gehen hier neue Wege, indem wir Familien einen sehr einfachen Zugang zu Information und Unterstützung anbieten. Unser Ziel ist es, sie darin zu unterstützen, ihre Ansprüche auf bestehende familienpolitische Leistungen auch wahrzunehmen“, sagt Diözesan-Caritasdirektorin Dr. Birgit Kugel zum Projektstart am 1. September. Hierbei geht es um Leistungen wie den Kinderzuschlag, das Bildungs- und Teilhabepaket oder Wohngeld. „Da bestehen teils große Informationsdefizite“, nennt Projektleiterin Dr. Martina Messan, Stabsreferat Sozialpolitik im Diözesan-Caritasverband, einer der Gründe, warum lediglich 35 Prozent der berechtigten Leistungen in Anspruch genommen werden. Im Dschungel der unterschiedlichen Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten behalten die Mitarbeiterinnen der Caritas-Familienbüros den Überblick und unterstützen Personen anschließend auch bei der Antragsstellung oder bei Gesprächen mit Behörden.

Leistungen müssen ankommen

„Eine gute Armutspolitik misst sich nicht daran, ob sie Leistungen vorhält, sondern ob diese auch ankommen“, betonen die Verantwortlichen des Caritasverbands für die Diözese Trier. Der eklatante Mangel an digitalen Endgeräten für das Home-Schooling sei hier nur ein drastisches Beispiel, was materielle Familienarmut für die Teilhabechance von Kindern bedeute, erklärt der Caritasverband in ihrer „Sozialpolitischen Position“. „Wir wollen nicht auf Gesetzesänderungen warten, sondern schon jetzt starten. Denn die Situation in den Familien hat sich durch Corona verschärft wie durch Kurzarbeit oder den Verlust des Arbeitsplatzes“, erklärt Martina Messan die Motivation hinter dem Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist.

Die Familienbüros werden mit 200.000 Euro von der „Stiftung Menschen in Not – Caritas-Stiftung im Bistum Trier“ gefördert. Das Bistum Trier hat sich innerhalb der Synode unter anderem zum Ziel gesetzt, diakonisch unterwegs zu sein. Das heißt, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind und sie bei Problemen zu unterstützen, wie es die Familienbüros tun. Hier arbeiten verschiedene Akteuren und Dienste von Caritas und Seelsorge zusammen. Intensiviert soll die Zusammenarbeit unter anderem mit den örtlichen Behörden, Institutionen und kirchlichen Einrichtungen werden. „Uns geht es darum, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht den Weg in die Beratungsstellen gefunden haben“, erklärt Ilona Besha vom Familienbüro im Rhein-Hunsrück-Kreis.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. Auf diesem Weg werden unter anderem Empfehlungen an Politik und Fachpraxis für eine verbesserte Inanspruchnahme familienpolitischer Leistungen erarbeitet.

Ansprechpartnerin für das Familienbüro in Pellenz ist Margret Marxen-Ney, Tel.: 02632-250235; für den Großraum Mayen und Umgebung ist Margot Kürsten verantwortlich, Tel.: 0170 6340563.

Ansprechpartnerinnen für das Familienbüro im Rhein-Hunsrück-Kreis sind Lucia Stahl, Tel.: 06747-937721 und Ilona Besha, Tel.: 06761-919690; für Sulzbach, Stefanie Schmidt, Tel.: 06897-983239. Weitere Informationen gibt es auf www.caritas-trier.de/familienbueros.

(jf)

 

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