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Bistum Trier
Montag, 1. Oktober 2018

Das Bild der Pfarrei der Zukunft wird deutlicher

Synodenumsetzung: Teilprozessgruppen stellen ihre Arbeitsergebnisse vor

Trier – Die Pfarrei der Zukunft wird von den Orten von Kirche her gedacht. Dieses Bild zeichnet Dechant Benedikt Welter, Mitglied der Teilprozessgruppe (TPG) „Aufbauorganisation und Leitung“; die meisten der rund 130 Teilnehmenden an diesem 29. September können es teilen. Mitglieder der diözesanen Räte, von Berufsgruppen und Einrichtungen sind zusammengekommen, um zu hören und diskutieren, was die Teilprozessgruppen zur Synodenumsetzung erarbeitet haben und der Bistumsleitung als Entscheidungsgrundlage übergeben werden.

Ein konkreteres Bild von Inhalt, Struktur und Konzeption der Pfarrei der Zukunft zu bekommen, ist Ziel des Tages. Dazu präsentieren die TPGs „Rahmenleitbild“, „Aufbauorganisation und Leitung“ sowie „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüros in der Pfarrei der Zukunft“ ihre Ergebnisse; die TPGs „Synodales Prinzip und Synodale Gremien“ und „Diakonische Kirchenentwicklung“ stellen ihren Arbeitsstand zur Diskussion (Präsentationen sind ab Dienstag abrufbar). Generalvikar Dr. Ulrich von Plettenberg benennt als mögliche Beratungspunkte die Spannung zwischen „Entwicklung ermöglichen und Stabilität“ oder die Balance zwischen Zentralität und Dezentralität. „Der Aufbruch ins Neue braucht freie Kräfte. Und gleichzeitig wollen wir schauen, wie Bewährtes in diesem Neuen Platz finden kann.“ Am Ende des Tages geben die Anwesenden überwiegend positive und bestärkende Rückmeldungen auf die Präsentationen. Rückfragen und Diskussion gibt es zur Zeitschiene oder bei den künftigen Rätestrukturen, etwa zum Verwaltungsgremium oder dazu, wie gewählt oder delegiert werden kann, oder wie stark Dinge strukturiert werden sollen oder nicht. Die lokale Verantwortung und die Nähe zu den Menschen waren ebenfalls Thema.

„Orte von Kirche“ stellt sich als ein zentraler Begriff dar: Das können Basisgemeinschaften, Themenzentren, der Pfarrort, Kirchen und Kapellen sein. Der Pfarrort soll vor allem der gemeinsame Dienstsitz von Leitungsteam und Verwaltung in der Pfarrei der Zukunft sein; dort sind verlässlich und ganztätig Ansprechpartner für Seelsorge und Verwaltung erreichbar. „Das schafft Freiheit und Eigenständigkeit für die Orte von Kirche und unterstützt die Dezentralität“, erklären Rita Schneider-Zuche und Dr. Michael Kneib (TPG Rahmenleitbild). Welches „Skelett“ die Pfarrei der Zukunft braucht, stellen Nicole Stockschlaeder und Benedikt Welter (TPG Aufbauorganisation und Leitung) vor. Sie gliedern die Organisation der Pfarrei der Zukunft in „Handlungsfelder“, die fließend und am sozialräumlichen Bedarf orientiert sind. Auf dieser Arbeitsebene sollen sich verschiedene Akteure, unterschiedliche Orte von Kirche, territoriale und kategoriale Dienste vernetzen - stabil und gleichzeitig offen für Neues.

Die TPG Verwaltung stellt vor, dass die Verwaltungsprozesse künftig von den Pfarreien der Zukunft und den verwaltungsbezogenen Unterstützungssystemen des Bischöflichen Generalvikariates bearbeitet werden. In der Pfarrei der Zukunft soll es neben der zentralen Verwaltung am Pfarrort „Kirchenbüros“ und „Kontaktstellen“ als Anlaufstellen vor Ort geben. Auch Verwaltungsteams aus Ehrenamtlichen, die im Auftrag der Pfarrei Verantwortung für Immobilien oder andere Vermögensgegenstände vor Ort übernehmen können, sind Thema.

Beratung erbittet die Gruppe, die sich mit der künftigen Gremienstruktur befasst. Sie will die „Errungenschaft freie Wahl“ beibehalten und schlägt vor, dass sich ein „Rat der Pfarrei“ zu einem Teil über Direktwahl und zu einem anderen Teil aus einer synodalen Versammlung zusammensetzt. Wie sich ein Verwaltungsgremium in die Ordnung fügt – eigenständig oder als Teil des „Rates der Pfarrei“- muss ebenfalls abgewogen werden.
Dr. Carola Fleck bringt neben den Verwaltungsteams auch Teams für inhaltliche Fragen ins Spiel. „Wir arbeiten an den Entscheidungswegen, damit die Beteiligungsrechte einen sicheren Stand haben.“ Die Pfarrei der Zukunft soll sich am Einzelnen und seiner Lebenssituation, den konkreten Fragen und Bedürfnissen ausrichten: Daran arbeitet die TPG „Diakonische Kirchenentwicklung“. „Das Diakonische soll uns als Kirche zuinnerst prägen“, erläutert Regine Wald.

Zu Beginn des Tages hatte Bischof Dr. Stephan Ackermann mit Blick auf die Veröffentlichung der Studie zu sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche gesagt, dass die Beratungen in schwierigen Zeiten stattfinden, und zwar sowohl für Betroffene als auch für Menschen, die sich mit der Kirche identifizieren oder haupt- und ehrenamtlich dort arbeiten. „Es gibt keine Prävention von sexueller Gewalt ohne den Blick zurück und die Aufarbeitung“, betont er die Notwendigkeit der Studie. Mit der Studie sei die Kirche jetzt „einen Schritt weiter“. Bislang hätten die Verantwortlichen stärker auf die Einzelfälle geschaut, „jetzt sehen wir systemische Aspekte, katholische Spezifika und Risiko-Konstellationen“. Die Empfehlungen der Forscher dienten als „Roadmap“ für die Bischöfe. Ackermann will die Studienergebnisse mit den Gremien und Räten beraten. Letztlich gehe es um eine stärkere Wahrhaftigkeit, um ein erneuertes Miteinander des Volkes Gottes – auch im Bistum, und in dieser Spur sehe er die Arbeit der Teilprozessgruppen. Wahrhaftigkeit heiße auch, sich nicht über den Zustand der Kirche hinwegtäuschen zu lassen, etwa dort, wo spirituelle Armut herrscht in relativem materiellem Reichtum. Er verstehe die aktuelle Krise auch als Wachstumsschmerz und Reinigung. „Der Herr wirkt in seiner Kirche, er hat seinen Geist in die Kirche und die Welt gesandt – und selbst wenn wir ihn zum Schweigen bringen, findet er einen Weg, uns aufzurütteln“, sagt der Bischof. Er könne die Wut und Aggression mancher Menschen verstehen, die große Erwartungen an die Kirche hätten, die aber nun wahrnähmen, dass gerade Amtsträger ihrer Verantwortung nicht gerecht werden oder die Möglichkeiten konterkarieren. „Sie wollen eine Kirche, die glaubwürdig und menschlich ist und dem Leben dient.“ Das Bistum wage mit der Synode mutige Schritte, für die es einen kühlen Kopf und den Blick auf die Menschen mit ihren Befürchtungen brauche: „Sie wollen konkrete Antworten und Taten sehen – in dieser Verpflichtung stehen wir.“

Die TPGs „Rahmenleitbild“ und „Aufbauorganisation und Leitung“ fertigen jetzt ihre Abschlussberichte; der Bericht der TPG „Verwaltungsprozesse und Pfarrbüros in der Pfarrei der Zukunft“ liegt vor. Die Bistumsleitung nimmt die Berichte sowie die Rückmeldungen der Versammlung entgegen und lässt sie einfließen in die Entscheidungen zu den Rahmenbedingungen für die Pfarrei der Zukunft, die am 19. Oktober anstehen. Generalvikar von Plettenberg verspricht, die Bistumsleitung werde sorgsam mit den Vorlagen umgehen. Sicher gebe es „Puzzleteile, an denen wir noch schleifen müssen, damit sie mit den Vorschlägen der anderen Teilprozessgruppen zusammenpassen“, sagt von Plettenberg. „Wir werden die Rahmenbedingungen abstecken für ein ausreichendes Gerüst, damit die Pfarreien der Zukunft am 1. Januar 2020 starten können.“ Das werde „nicht perfekt“ sein, vieles werde sich auch nach diesem Datum entwickeln, so Plettenberg. „Aber heute haben wir einen wichtigen Schritt auf die Pfarreien der Zukunft hin gemacht.“

Sieben Teilprozessgruppen, die sich mit Themen wie Katechese, Liturgie oder Inklusion befassen, arbeiten weiter. Alle Informationen zur Synodenumsetzung sind unter www.herausgerufen.bistum-trier.de zu finden.  

(JR)

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