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Bistum Trier
Sonntag, 6. Juni 2021

Den Alltag für Sehbehinderte sicherer machen

Regionalgruppe PRO RETINA startet Poller-Aktion zum Tag der Sehbehinderung

Trier – Der Regen prasselt in Strömen; über Trier hängt eine graue Wolkendecke. So grau wie der Poller auf dem Bürgersteig direkt vor Marion Palm-Stalp, der für die sehbehinderte Frau damit so gut wie unsichtbar ist. Auf einem Spaziergang oder Stadtbummel durch Trier und andere Städte fallen sehenden Menschen die vielen Hindernisse und Stolperfallen für Blinde und Sehbehinderte kaum auf. Doch sie sind da. Und sie sind schlecht erkennbar, wie Palm-Stalp und ihre Mitstreiter von der Selbsthilfevereinigung PRO RETINA Trier im Rahmen einer bundesweiten Aktion zum Tag der Sehbehinderung am 6. Juni deutlich machen. „Wir möchten diese Situation verbessern und setzen daher heute den Pollern in der Stadt schwarz-gelbe Strickmützen auf“, erklärt Palm-Stalp den Interessierten, die sich zur Aktion vor der Trierer Kreisverwaltung eingefunden haben.
 

Nicht nur hier auf dem Gehsteig Richtung Basilika finden sich unzählige Poller oder graue Fahnenmasten, sondern auch vor der Liebfrauenkirche oder der Karl-Marx-Statue am Simeon-Stift-Platz. Eigentlich dienen sie der Sicherheit und sollen Autofahrer daran hindern, auf Gehwege oder gar in die Fußgängerzone zu fahren, wie bei der verheerenden Amokfahrt im Dezember 2020 geschehen. „Die Poller sind wichtig und haben ihre Berechtigung, aber durch eine bunte und auffällige Farbgebung könnte die Gefahr für sehbehinderte Menschen deutlich reduziert werden“, sagt Palm-Stalp. An Ideen mangele es den Pro-Retina-Mitgliedern nicht: „Man könnte da wirklich kreativ werden und vielleicht Künstler ins Boot nehmen, etwa aus der Graffiti-Szene.“

 

Neben den Pollern gebe es noch viele weitere Stellen in Trier, an denen mehr für sehbehinderte Menschen und damit für die Inklusion getan werden könnte, bestätigen auch die PRO RETINA-Mitglieder Jörg Zeimet und Roswitha Kars. Ausgeblichene Zebrastreifen könnten einen neuen Anstrich gebrauchen, einige Ampelanlagen müssten akustische Signale erhalten und die sehr flachen Stufen von der Innenstadt die Moselstraße hinunter zur Treviris-Passage könnten Markierungen bekommen. „Von Politikern würde ich mir wünschen, dass sie sich mit Betroffenen zusammensetzen und die verschiedenen Gruppen stärker einbeziehen. Oder auch mal einen Stadtrundgang machen, wie heute. Denn jemand, der das Handicap nicht hat, kann das erst mal schlecht nachvollziehen“, sagt Kars. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die Initiative heute erreicht: Ein Stadtratsmitglied und Baudezernent Andreas Ludwig sind der Einladung gefolgt und hören sich die Verbesserungsvorschläge der Gruppe an. Dass das Problem schlecht sichtbarer Hindernisse viele Menschen betrifft, wird offenbar, als Palm-Stalp spezielle Brillen an die normal Sehenden verteilt, die eine altersbedingte Makula-Degeneration simulieren – eine Krankheit, an der etwa jeder Fünfte über dem 60. Lebensjahr in Deutschland leidet. Mehr als 90 Prozent der Sehbehinderten erkennt noch schemenhaft Umrisse oder Farben und ist nicht ausschließlich auf das Tasten mit dem Stock angewiesen. Palm-Stalp, die auch bei der „Arbeitsstelle Medien für Blinde und Sehbehinderte“ im Bistum Trier arbeitet, hofft, durch die Aktion viele Menschen zu erreichen und ein wenig sensibler für die Belange Sehbehinderter und Blinder zu machen. Mehr Informationen zur Aktion und weiteren Themen finden sich auf: www.pro-retina.de.

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