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Bistum Trier
Dienstag, 19. März 2019

Deutliche Zeichen gegen Judenhass und für Versöhnung

Siebenarmige Leuchter aus der Pauluskirche an jüdische Kultusgemeinde Trier übergeben

Trier – „Mensch, wo bist du? – Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ lautete das Leitwort der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit. Zum Abschluss fand am 17. März in der Trierer Synagoge eine jüdisch-christliche Gemeinschaftsfeier statt, in deren Mittelpunkt die feierliche Übergabe der siebenarmigen Leuchter aus der profanierten Pauluskirche in Trier an die jüdische Kultusgemeinde stand.

Das Ziel aller Veranstaltungen und somit auch der gemeinsamen Feier in der Synagoge sei es, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern, die im Laufe ihrer Geschichte Tiefen und Höhen erlebt haben und doch so eng miteinander verbunden seien. Jeanna Bakal, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Trier, brennt für diesen Austausch. In ihrer Ansprache an die „vielen bekannten und erfreulich vielen neuen Gesichter“ erinnerte sie an die "Stolpersteine" der Erinnerung an Juden in Trier; sie betonte aber gleichzeitig die große Hilfsbereitschaft und den Einsatz vieler Menschen, die sich nicht versteckt hätten bei der Frage „Mensch, wo bist du?“. Immer wieder passiere es, dass Antisemitismus aufflamme. „Aber es gibt die Menschen, die ihr Gesicht, ihren Mut und ihr Statement dagegen setzen.“ Und so sei die Übergabe der Menorot (Mehrzahl von Menora) aus der Pauluskirche an die jüdische Kultusgemeinde ein deutliches Zeichen von Hilfe und Freundschaft.

Bevor Thomas Schiffler, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Pfarrei Liebfrauen, zu der die im November 2017 profanierte (entweihte) Pauluskirche gehört, die Schenkungsurkunde verlas, schilderte Peter Bamler, Vorstandsmitglied der Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Geschichte der Leuchter. Diese waren 1908 „zur feierlichen Ausschmückung“ der neu erbauten Pauluskirche gestiftet worden und zierten den Kirchenraum bis zu dessen Renovierung im Jahr 1967. Einer der siebenarmigen Leuchter wurde danach in einen Seitenraum gestellt, der andere verschwand. Erst Jahre später tauchte er auf der Marienburg auf und konnte dank einer Stiftungsinschrift zugeordnet und zurückgegeben werden.

Im Zuge der Profanierung der Kirche habe der Verwaltungsrat überlegt, wie mit den Menorot zu verfahren sei. „Insgeheim habe ich mir immer gewünscht, dass sie in der Synagoge ihren Platz finden“, gestand Peter Bamler. Umso erfreuter sei er, dass die Leuchter jetzt, „111 Jahre nach ihrer Stiftung an die Pauluskirche, eine neue Heimat an ihrem geistlichen Ursprung gefunden haben und zur Ehre des Herrn und zur Freude der Gemeinde den Eingangsbereich der Synagoge schmücken.“

Im gemeinsamen Gebet und mit eindrucksvollen Gesängen des israelischen Kantorenstudenten Yoed Sorek, an Akkordeon und Klavier unterstützt von Ira Shiran, brachten jüdische und christliche Teilnehmer der Feier ihr gemeinsames Anliegen zum Ausdruck: Gerade mit Blick auf aktuelle Entwicklungen sei vereintes Eintreten dafür gefordert, dass alle Menschen gut und angstfrei in Deutschland leben können. Deutlich sprachen sich Ignatius Maaß, Abt von St. Matthias, Ulrich Dann, ehemaliger Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Trier und Vorstandsmitglied der Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, sowie Vorstandsmitglied Thomas Kupczik gegen jegliche Form von Antisemitismus aus.

Auch die Jugendlichen der Kultusgemeinde hätten sich Gedanken gemacht, was es heute bedeute, Gesicht zu zeigen, stellte Sprecherin Taja Bakal dar. „Und wir sagen unseren besonderen Dank an alle, die heute zu uns in die Synagoge gekommen sind und ihr Gesicht zeigen.“ Für ein deutliches „hineni!“, das klare „hier bin ich!“ jedes Einzelnen warb Yoed Sorek in seinem Appell gegen Terror und für den Frieden. „Mord gehört nicht zu Gott“, betonte er. Der „Troubadour von Jerusalem“, wie der Tenor genannt wird, bewegte die Zuhörer mit jiddischen Liedern seiner Großmutter, die den Holocaust in Bergen-Belsen überlebte, mit Melodien russischer Juden und mit dem bekannten „Jerusalem of Gold“.

Weitere Informationen zur Trierer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gibt es hier: www.gcjz-trier.de/.
(red)

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