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Bistum Trier
Donnerstag, 13. Oktober 2022

Die Berufung zum Beruf gemacht

Doris Hormesch arbeitet als Krankenhausseelsorgerin bei den Vereinigten Hospitien

Trier/Mettendorf – Von der Bankkauffrau zur Seelsorgerin: Bei Doris Hormesch passt sie tatsächlich, die Redewendung von der Berufung, die zum Beruf gemacht wird. „Es ist erfüllend und es gibt viele berührende Momente“, lächelt die 52-Jährige, wenn sie von ihrer Arbeit als Krankenhausseelsorgerin bei den Vereinigten Hospitien in Trier spricht. Ihren Job fing sie 2020 unter außergewöhnlichen Bedingungen an: Der Ausbruch der Corona-Pandemie war nicht einmal ein halbes Jahr her und hatte die Arbeit in Kliniken und Altenhilfeeinrichtungen komplett verändert.

Der Berufswunsch wächst durch viele Berührungspunkte mit der Kirche

Nach einer Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin und zur Bankkauffrau landete Hormesch zunächst bei der Rendantur Bitburg, die die Kirchengemeinden des Bistums Trier bei ihrer Vermögensverwaltung unterstützt. Der erste Berührungspunkt mit Kirche war das für die zweifache Mutter jedoch nicht: „Ich habe mich in der Gemeinde immer ehrenamtlich engagiert, beispielsweise in der Messdienerarbeit oder bei den 72-Stunden-Aktionen des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend. Als ich dann noch eine Zeit im Sekretariat der Fachstelle für Kinder und Jugendpastoral Bitburg arbeitete, wurde mir deutlich: ‚das willst du hauptberuflich machen‘.“ Auch ihre Familiensituation spielte eine Rolle: „Meine Söhne waren damals schon größer und ich wollte nochmal beruflich etwas ganz Neues ausprobieren.“ Hormesch ging die insgesamt siebenjährige Ausbildung zur Gemeindereferentin an – ein vierjähriges Fernstudium der Theologie und die dreijährige praktische Ausbildung in den Kirchengemeinden des Bistums. Zuletzt arbeitete sie in der Pfarreiengemeinschaft Rittersdorf (jetzt St. Matthias Südliche Eifel), als sie die Stellenausschreibung des Bistums Trier las, die eine Seelsorgerin für die Vereinigten Hospitien in Trier suchten. Zu den Einrichtungen der Stiftung mit ihrem weitläufigen Gelände mitten in Trier gehören neben mehreren Alten- und Pflegeeinrichtungen und einer geriatrischen Rehabilitationsklinik auch die Kindertagesstätte und das Kinderheim Ruländerhof.

„Jeder Tag ist wie eine Wundertüte“

„Jeder Tag ist wie eine Wundertüte – ich weiß nie genau, welche Begegnungen mich erwarten“, sagt die Seelsorgerin. „Eine wichtige Aufgabe ist natürlich die Begleitung Sterbender und ihrer Angehöriger. Zu Corona-Zeiten konnte ich mit Schutzausrüstung ebenfalls für die Leute da sein – anders als es oft zu hören war, musste bei uns im Lockdown niemand alleine sterben.“ Seit die Maßnahmen gelockert wurden, gehe sie aber wieder jeden Tag über die Flure, führe hier und da „Tür und Angel-Gespräche“, die neben den tiefergehenden Seelsorgegesprächen auch sehr bereichernd seien. Viele Bewohner hätten großen Redebedarf, der durch die Krisen der letzten Jahre nicht kleiner geworden sei. „Unsere Bewohner sind zwar alt, aber sie leben nicht hinterm Mond. Klar belasten sie Ereignisse wie die Corona-Pandemie, die Amokfahrt oder die Flutkatastrophe. Da sind auch einige Betroffene aus einer Alteneinrichtung aus Ehrang zu uns gekommen und jeder bringt seine Geschichte mit. Oder der Ukraine-Krieg: Da kommen eigene Kriegs- und Fluchterfahrungen wieder hoch.“

Neben den Gesprächen gebe es auch feststehende Angebote wie Wortgottesdienste, Advents- oder Osterfeiern. „Zu Corona-Zeiten haben unsere Bewohner vor allem unter dem Wegfall der Gruppenangebote wie dem Dämmerschoppen oder dem Singkreis gelitten. Aber da haben wir uns Alternativen ausgedacht und ein ‚Hospitien-TV‘ angeboten, wo täglich ein einstündiges Programm aus unserer Willibrordkapelle von Musikstücken, Schlagern, Witzen, Gymnastik oder auch Angeboten lokaler Künstler über unseren Hausfernsehsender lief. Das hat den Bewohnern sehr gut getan.“

Neben Angeboten für die Bewohner nimmt Hormesch auch die rund 500 Mitarbeitenden in den Blick. „Ich gehe auch mal zu Übergaben der Pflegekräfte oder mache niedrigschwellige Angebote. Da fast jeder an meinem Büro im Eingangsbereich vorbeikommt, habe ich bisher zweimal einen Stehtisch mit Tee aufgebaut und dort konnte jeder unter dem Motto ‚Auf einen Tee bevor ich geh‘ im Advent Tee und im Sommer Eistee trinken und sich unterhalten. Das wurde gut angenommen und das möchte ich fortführen.“ Was Hormesch an ihrer Arbeitsstätte besonders schätzt? „Anders als in der Arbeit als Gemeindereferentin in einer Pfarrei habe ich alle meine ‚Schäfchen‘ ganz gebündelt auf einem kompakten Raum. Ich kann alles zu Fuß oder manchmal mit dem Fahrrad erledigen und es ist sehr vielseitig. Anders als bei der klassischen Krankenhausseelsorge arbeite ich nicht in einem Team aus Seelsorgern sondern eng zusammen mit der gerontologischen Beratungsstelle (Psychologin, Sozialarbeiterin und Gerontologin) und dem Ehrenamtsentwickler der Vereinigten Hospitien. Die Kooperation erlebe ich als sehr fruchtbar.“ Hormesch ist Angestellte des Bistums Trier, wie ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Krankenhäusern, Hospizen und Rehakliniken. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger bringen vor allem eines mit, was im hektischen Krankenhausalltag oft fehlt, aber so dringend gebraucht wird: Zeit. Damit sind Hormesch und ihre Mitbeauftragten in diesem Dienst im besten Sinne diakonisch unterwegs, also nah dran an den Menschen.

(sb)

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