Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Bistum Trier
Montag, 26. März 2018

Die Dorfpfarrei – ein Auslaufmodell?

Perspektiven für Kirche im ländlichen Raum in Kyllburg diskutiert

Kyllburg – Ist die Dorfpfarrei ein Auslaufmodell oder hat sie eine Zukunft? Um diese aktuelle Frage ging es bei einer Diskussion im Bildungshaus auf dem Stiftsberg in Kyllburg, zu der die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Trier und das Dekanat Bitburg am 25. März eingeladen hatten. Die Veranstaltung fand mit Blick auf die Pläne des Bistums Trier statt, im Zuge der Umsetzung der Synodenbeschlüsse aus den bisher 887 Pfarreien in 172 Pfarreiengemeinschaften künftig 35 Pfarreien der Zukunft zu bilden. Bei der Talkrunde ging es jedoch nicht nur um Strukturfragen, sondern auch grundsätzlich um den christlichen Glauben im ländlichen Raum.

Auf die Frage von Moderator Herbert Fandel, ob Kirche auf dem Dorf eine Zukunft habe, antwortete Helmut Schilz, Vorsitzender der KLB Trier, das komme darauf an, wie man Kirche definiere: „Sehen wir darin nur die Hauptamtlichen, die Priester, oder das Kirchengebäude im Dorf? Bei einem solchen Bild wird der Kirche viel Sozialkompetenz abgesprochen, finde ich, denn der riesige Bereich der Caritas gehört ja auch zur Kirche. Es gibt eine soziale, eine caritative, eine ehrenamtliche Komponente. Man muss eben die Kompetenzen vor Ort neu definieren.“ Bei der Diskussion um Strukturen dürfe man das Wichtigste nicht vergessen, nämlich den persönlichen Bezug der Seelsorger und Seelsorgerinnen zu den „Schäfchen“, mahnte Carsten Lenz, Mitglied der Grünen und Besitzer eines Freizeithofs. Durch die Jugendarbeit von Pfarrer Klaus Bender hätten er und seine Freunde einen starken Bezug zur Kirche gehabt - das sei für ihn über die Jahre ein bisschen verloren gegangen.

Dechant Bender, ebenfalls Gast der Talkrunde, sagte, er könne jetzt auf 30 Jahre als Pfarrer in der Eifel zurückblicken und trotz vieler aktueller berechtigter Debatten sei früher auch nicht immer alles besser gewesen. Es habe aber mehr soziale Kontrolle gegeben. „Man ging eben in die Kirche, man ließ sich dort blicken. Es war aber auch nicht alles Gold, was glänzte.“ Trotzdem sehe auch er die Tendenz kritisch, dass die hauptamtlichen Seelsorger erstens weniger würden und zweitens immer weniger Zeit für ihre eigentliche Aufgabe hätten. „Da setzt ja auch die Reform des Bistums an: Wir sollen ja als Priester beispielsweise mehr von den Verwaltungstätigkeiten entbunden werden“, so Bender. „Wir müssen viel stärker auf die Ehrenamtlichen setzen. Das kann aber nur funktionieren, wenn man versucht, vorhandene Zuständigkeiten zu bewahren, sonst finden sich immer weniger Ehrenamtliche für die Gremienarbeit in den Großpfarreien.“ Seine Befürchtung bestätigten bei der anschließenden Diskussion einige Gäste aus dem Publikum: Die Wege würden viel weiter und der Bezug zur eigenen Pfarrei sei nicht mehr gegeben.

Wie das in der evangelischen Kirche geht, berichtete Dr. Sybille Freres, Ärztin und Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde Bitburg, anhand von Beispielen. „Bei uns läuft nicht alles über den Pfarrer, sondern das Presbyterium leitet die Gemeinde. Die Laien sind in der Verantwortung, sind selbst Ansprechpartner vor Ort.“ Weite Strecken zu Angeboten zu fahren, sei für sie in der Diaspora normal. Das Gebiet der Kirchengemeinde Bitburg decke sich ungefähr mit dem der neuen geplanten katholischen Pfarrei Bitburg. „Wenn es den Leuten wirklich wichtig ist, bewegen sie sich auch dorthin. Ein Problem ist vielleicht, dass in der katholischen Kirche oft die Pfarrei gleichgesetzt wird mit dem Dorf.“

Neben den Strukturen seien allgemein sinkende Zahlen der Gläubigen und Nachwuchssorgen brennende Probleme, sagte Moderator Fandel. Ob die katholische Kirche vielleicht zu starr sei, zu hierarchisch und sich auch für Frauen öffnen müsse? Freres sagte, Nachwuchssorgen gebe es auch in der evangelischen Kirche. „Dieses Problem können wir nicht nur, aber auch mit den Frauen lösen.“ Carsten Lenz forderte, die Kirche müsse Themen wie das Zölibat und die Zulassung von Frauen ernsthaft angehen. „Die Kirche hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert und assimiliert, das muss sie jetzt wieder tun.“ Ein Gast aus dem Publikum forderte, die Kirche müsse sich demokratisieren und könne dabei viel von der Kommunalpolitik lernen. Auch Podiumsteilnehmerin Carolin Hostert sprach sich dafür aus, dass es zumindest kleine Schritte in Richtung „Diakonat der Frau“ geben könne. Die Theologiestudentin möchte einmal in einem pastoralen Beruf arbeiten. „Als zu starr empfinde ich meine Kirche nicht, denn die Hauptaufgabe ist es, das Evangelium zu verkünden. Wie ich das mache – da ist viel Kreativität gefragt. Wir müssen die Menschen viel mehr da abholen, wo sie im Leben stehen, gerade junge Leute. Kirche kann man in vielen Bereichen erleben: nicht nur im Kirchengebäude, sondern auch bei Freizeiten, auf dem Weltjugendtag, ja sogar im Politischen.“ Sie plädierte dafür, die Berufe der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten zu stärken und bekannter zu machen, sodass junge Leute, für die das Priestertum nicht in Frage komme, eine berufliche Perspektive bei der Kirche sehen könnten.

Statements von TeilnehmerInnen

Nicht nur die Kirche müsse sich bewegen, sondern auch die Gläubigen, betonte Schilz. „Wir müssen uns fragen: Wie wollen wir als Gläubige unsere Gemeinden gestalten? Wie soll Seelsorge vor Ort aussehen? Wir brauchen nicht immer einen Priester, um Gottesdienst zu feiern. Wenn die ‚Erkundungsteams‘ des Bistums bald überall unterwegs sind, um vor Ort mit den Menschen zu sprechen, dann kann man ja aktiv mitgestalten, Konzepte vorschlagen.“ Freres machte ihren katholischen Mitchristen zum Schluss Mut: „Es gibt das Priestertum aller Gläubigen. Ich würde raten, sich nicht klein zu machen, sondern jetzt schon die Möglichkeiten des Mitgestaltens wahrzunehmen, die es gibt und zu sagen: Ja, ich bin Kirche.“

(sb)

Weiteres:

News Details