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Bistum Trier
Montag, 5. November 2018

Die Erneuerung der Kirche ist das Ziel

150 beim Forum zur zukünftigen Pfarrei der Zukunft Saarbrücken

Quierschied - „Ich bin sehr zufrieden“ sagt Florian Gepp, Vorsitzender des Dekanatsrates Saarbrücken nach dem Forum „Ein neuer Anfang. Pfarrei der Zukunft Saarbrücken“. Rund 150 Frauen und Männer, Hauptamtliche und Ehrenamtliche aus den derzeit 29 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften des Dekanates hatten sich am 3. November in der Quierschieder „Q.lisse“ getroffen. Auf dem Programm standen Information und Austausch zur Gründung der neuen Pfarrei der Zukunft, die das bisherige Dekanat umfassen wird. „Da war Druck im Kessel“, sagt Gepp und freut sich, dass durch das Forum viele der Unsicherheiten zur Zukunft des kirchlichen Lebens vor Ort überwunden werden konnten.

Dechant Benedikt Welter hatte „die katholischen Mitchristinnen und -christen“ im Dekanat Saarbrücken eingeladen zu Information, Gespräch und erster Ideen-Entwicklung. Nach einer Informationsrunde zum Stand der Umsetzung der Synode und einer Stunde Kleingruppenarbeit dokumentierten zahlreiche Plakate die Fragen und Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wird es genügend Begleitung für die Ehrenamtlichen geben? Wie wird das Angebot an Gottesdiensten aussehen? Wie können wir die Kommunikation in der Pfarrei der Zukunft gestalten? Wird es bei den Hauptamtlichen Entlassungen geben? Wer verwaltet das Geld? Wird die Bürokratie aufgebläht? Das sind nur einige der Fragen, auf die Dechant Welter spontan zu antworten versuchte. So müsse es innerhalb der Pfarrei an den verschiedenen Kirchorten verbindliche Gremien geben, die über das Leben dort mitbestimmen. „Es ist die Aufgabe, dass die neue Pfarrei eine Verbesserung für das ehrenamtliche Engagement mit sich bringt“, sagte Welter und bekam dafür Beifall. Insgesamt gelte es deutlich zu machen, dass es eben nicht um eine Strukturveränderung gehe, sondern um „eine Erneuerung der Kirche, damit wir wieder Glaubwürdigkeit gewinnen“. Das funktioniere nicht nach dem Prinzip „der Priester sagt, was Sache ist“, da seien alle Getauften gefragt.

Alle Getauften, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich, müssten die Pfarrei der Zukunft gemeinsam entwickeln. Die Expertise aller sei dabei gefragt und wichtig. Leitend müsse der Blick auf die einzelnen Menschen sein. Was brauchen die, was ist sinnvoll, was geht? Die Pfarrei müsse nach dem Prinzip der Subsidiarität aufgebaut werden. Welter betonte nochmals, dass mit den anstehenden Veränderungen keine Entlassungen verbunden seien, auch wenn zu den genauen Stellenzuordnungen noch viele Fragen offen seien. Ein künftiges „schmales Regelwerk mit maximaler Verbindlichkeit“ erhofft sich Welter als Antwort auf die Befürchtung von zunehmender Bürokratie in der künftigen Pfarrei. Ob es am künftigen Pfarrort auch einen Nachtdienst geben wird? Das müsse in der dann größten Pfarrei in Deutschland schon möglich sein, meint Dechant Welter.

Wünsche, Ideen und Erwartungen

Mit den von Welter angekündigten Ausbildungen zur Gottesdienstgestaltung oder für Kommunionhelferinnen und -helfer nimmt das Dekanat schon jetzt Ideen auf, wie sie in einer zweiten Runde im Quierschieder Forum benannt wurden. Da ging es um konkrete Ideen für die Pfarrei der Zukunft. Das Angebot von verlässlichen Zeiten und Orten für Eucharistiefeiern wurde oft gewünscht. Dazu müssten Fahrdienste eingerichtet werden. Betont wurde der Bedarf an vielen verschiedenen Formen von Gottesdiensten. In der neuen Pfarrei müsse für einen regelmäßigen Ideenaustausch der Akteure gesorgt werden. „Pfarrei-der-Zukunft-Tage“ war dazu ein Vorschlag in Anlehnung an den Katholikentag.

Überhaupt müsse die persönliche Begegnung gefördert werden. Zur Verbesserung der Kommunikation sei auch eine bessere Nutzung der Medien nötig, wie auch ein Pfarrbrief für alle. Die Stärkung der Jugendarbeit benannte eine Kleingruppe als wichtiges Ziel. Dabei müsse man an die Orte gehen, wo die jungen Leute sind. Der Ausbau der ökumenischen Zusammenarbeit wurde von vielen gewünscht. Konkret ist die Forderung nach einer professionelleren Organisation der Verwaltung und die Anregung, die Kirchenräume flexibler zu gestalten, etwa Stühle statt Bänke aufzustellen.

Bei allen künftigen Projekten gelte es zu verhindern, dass Ehrenamtliche sich bei ihrem Engagement überlasten. Zur Entwicklung der Pfarrei der Zukunft brauche es regelmäßige Gemeindeversammlungen zur freien Aussprache und ein selbstkritisches „auf uns selbst schauen“. Noch mehr zu entdecken, wie die Mitmenschen leben und was sie bewegt, wurde als Grundhaltung gewünscht. Die Kirche müsse „präsent sein, ohne Ansprüche und Forderungen“. Um nicht zu warten, „bis nichts mehr geht“, soll auf allen Ebenen weiter über die Zulassung zu den Ämtern in der Kirche diskutiert werden, formulierte eine Kleingruppe angesichts der vorgestellten Zahlen. Demnach wird es im Raum der Pfarrei der Zukunft Saarbrücken nach derzeitigen Schätzungen im Jahr 2040 etwa drei aktive Priester geben (derzeit 19). Hauptamtliche Diakone sieht die Schätzung dann keine mehr (derzeit 2).

Einen „ersten Anfang des Anfangs“, nannte Dechant Welter das Forum, das - moderiert von Roman Glauben - nach der Methode der Zukunftswerkstatt gearbeitet hatte. Am 16. Februar nächsten Jahres soll es in dem großen offenen Kreis weiter gehen. „Vor 50 Jahren gab es nicht mehr Jesus als heute“, machte der Dechant Mut für die nächsten Schritte. „Wir werden uns in einem Prozess wiederfinden, in dem andere uns wieder ansehen, was wir sind. Und das kann nur eine demütige Kirche sein und keine triumphierende. Das ist ein gutes Selbstbewusstsein“, meinte Dechant Welter zum Abschluss. Nach dem guten Start gelte weiterhin das Wort von Johannes XXIII.: „Herr, es ist Deine Kirche“.

(hgs)

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