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Bistum Trier
Mittwoch, 17. Juni 2020

„Die Menschen entlasten und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen“

Katholische Kirche und Caritas im Saarland befürworten Aktionsplan zur Armutsbekämpfung

Saarbrücken – Am Mittwoch, dem 17. Juni, hat Sozialministerin Monika Bachmann den zweiten saarländischen Aktionsplan zur Armutsbekämpfung der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Plan wurde bereits im Februar verabschiedet; er gilt als gemeinsame Willensbekundung zur strukturellen und nachhaltigen Armutsbekämpfung im Saarland, die der Beirat zur Armutsbekämpfung erarbeitet hat. Dem Beirat gehören unter anderem die beiden Regierungsfraktionen von CDU und SPD, Vertreterinnen und Vertreter aller Ministerien der saarländischen Regierung, der Landkreistag, die beiden großen Kirchen, die „Caritas im Saarland“ und alle anderen Wohlfahrtsverbände, sowie die Arbeitskammer und die Saarländische Armutskonferenz an. Die Mitglieder im Beirat erarbeiteten Handlungsvorschläge zu bezahlbarem Wohnraum, Kinderarmut und Bildung, Langzeitarbeitslosigkeit sowie Mobilität und Infrastruktur.

Der Vorsitzende des Caritasverbands für die Diözese Trier e.V., Weihbischof Franz Josef Gebert, begrüßte den Aktionsplan und die gemeinsame Anstrengung der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft; das Werk sei ein „guter Kompromiss“. Die Ursachen von Armut seien bekannt, betonte Gebert, auch wisse man, welche Bevölkerungsgruppen von Armut besonders betroffen seien.  „Deshalb kann und muss man sehr konkret vorgehen. Die Armut darf sich nicht weiter verfestigen, darum muss der Aktionsplan jetzt auch zügig und konsequent umgesetzt werden.“ Die Bekämpfung von Armut ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Arbeit der Caritas und der Katholischen Kirche im Saarland.

Andreas Heinz, Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, lobte insbesondere die im Aktionsplan verabredeten Verbesserungen im ÖPNV. „Wir freuen uns, dass die Einführung eines saarlandweiten Sozialtickets geplant ist“, sagte er. Gerade für arme Menschen stellten die Preise des ÖPNV ein „massives Hindernis an der gesellschaftlichen Teilhabe“ dar, so Heinz. Bestimmte Angebote der Caritas im Saarpfalz-Kreis wie eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Problemen könnten beispielsweise nicht von Menschen genutzt werden, die sich die Fahrtkosten nicht leisten können. „Die Tagesstätte befindet sich in Homburg. Es gibt aber auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in St. Ingbert oder im Bliesgau.“ Ein landesweites Sozialticket würde die betroffenen Menschen spürbar entlasten und ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Michael Groß, Direktor des Caritasverbands für Saarbrücken und Umgebung e.V. begrüßte die geplante Einrichtung einer Energiesicherungsstelle. Diese Stelle soll als unabhängiges Gremium verhindern, dass einkommensschwache Haushalte von Stromsperren betroffen sind. Daneben hob Groß den Einsatz des Aktionsplans für „die Schaffung von sozial gebundenem Wohnraum“ lobend hervor. „Immer mehr Menschen und Familien im Saarland haben Schwierigkeiten bezahlbaren Wohnraum zu finden“, so der Caritasdirektor. Das betreffe nicht nur Menschen mit geringem Einkommen, sondern sei ein Problem der Mitte der Gesellschaft. „Hier liegt enormer sozialer Sprengstoff.“ Die Caritas Saarbrücken versuche derzeit mit dem Projekt „Türöffner“ eine Meldestelle sowohl für Wohnungsgeber als auch für Wohnungssuchende aufzubauen. „In Kooperation mit den Katholischen Kirchengemeinden wollen wir Menschen zueinander bringen, die Wohnraum haben und Menschen, die Wohnraum suchen“, erklärte Groß.

Zusammenarbeit zum Wohl der Familien

Kooperationen seien auch in Bezug auf den im Aktionsplan festgelegten Themenschwerpunkt Kinderarmut und Bildung wichtig, so Angela Thelen, Leiterin der Abteilung für Kindertageseinrichtungen im Diözesan-Caritasverband Trier. Der Saarländische Aktionsplan zur Armutsbekämpfung fordere eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in einem sozialen Umfeld – zum Wohle der Kinder und Familien. „Wir brauchen jedes einzelne Kind für die Zukunft unseres Landes. Deshalb wollen wir geeignete Strukturen der Bildung und sozialräumlichen Unterstützung schaffen, um ein Aufwachsen von Kindern in Armut zu verhindern.“

Lob für den Aktionsplan zur Armutsbekämpfung kam auch von Seiten der Aktion Arbeit im Bistum Trier. Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich, der Bischöfliche Beauftragte für die Aktion Arbeit, sagte: „Wir freuen uns sehr, dass im Saarland das Thema Langzeitarbeitslosigkeit intensiv angegangen wird. Die vielfältigen Maßnahmen des Aktionsplans und des Beschäftigungs-Pakts sind auch im bundesweiten Vergleich innovativ.“ Langzeitarbeitslosigkeit sei ein gesamtgesellschaftliches Thema. Die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit brauche eine „breite gesellschaftliche Allianz“. Die vielen Mitwirkenden am Aktionsplan seien eine Garantie dafür, dass es erfolgsversprechend weiter gehen könne, so Ullrich.

Langfristige Armutsbekämpfung

Katja Göbel, Leiterin des Katholischen Büros im Saarland und Mitglied des Beirats wies darauf hin, dass die Arbeit des Beirats mit der Veröffentlichung des Aktionsplans nicht beendet sei. Die Corona-Pandemie habe noch einmal deutlich gezeigt, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland jederzeit in Gefahr geraten kann. „Jede Krise bedroht zuerst die einkommensschwachen Haushalte“, sagte sie. Deshalb sei es wichtig, dass der Beirat auch in Zukunft aktuelle Entwicklungen auf Grundlage des Aktionsplans analysiere und die im Plan enthaltenen umfassenden politischen Absprachen entsprechend neu bewerte. „In der bisher bewährten guten Tradition der offenen und intensiven Zusammenarbeit im Beirat, werden wir auch weiterhin dafür sorgen, dass bei politischen Entscheidungen vor allem die von Armut betroffenen Menschen im Blick bleiben.“

Den Aktionsplan zur Armutsbekämpfung finden Sie hier: www.saarland.de/256256.htm

(dh)

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